Nächste Woche startet die Uhren- und Schmuckmesse in Basel. Die Stadt wird dann zum Zentrum der Schönen und der Reichen. Ungefähr 120'000 Besucher aus aller Welt zählt die Messe Jahr für Jahr – Tendenz steigend. Im vergangenen Jahr kamen mit dem Messeneubau neue Aussteller und weitere Gäste hinzu. Weil die Stadt aber nur 6500 Hotelbetten zu bieten hat, werden bezahlbare Unterkünfte in dieser Zeit zu Mangelware.

Viele Besucher, wenig Betten

Rund 3800 Hotelzimmer gibt es in der Stadt, und die sind während der Messe fast ausnahmslos voll. Um sich in der Nacht irgendwo aufs Ohr zu legen, nehmen die Besucher und Aussteller weite Distanzen auf sich: Sie verteilen sich in einem Umkreis von rund 100 Kilometern und kommen jeden Tag mit bis zu einer Stunde Zugfahrt nach Basel. «In Zürich sind vor allem Luxushotels gefragt, aber auch in Luzern, Freiburg im Breisgau und Mulhouse werden Hotels gebucht», sagt Christoph Bosshardt von Basel Tourismus. Neben Hotels stehen auch exotische Unterkünfte wie Hotelschiffe bereit. Aber auch die alternativen Bleiben genügen nicht, um den Bettenmangel auszugleichen, darum suchen sich viele Firmen Privatwohnungen.

Hauptsache in Messenähe

Diese Marktlücke hat Basellodging vor acht Jahren auf den Plan gerufen. Das Unternehmen vermietet zur Uhren- und Schmuckmesse rund 200 Privatwohnungen. Das Geschäftsmodell ist lukrativ und die Nachfrage nach Wohnungen in Messenähe gross, sagt Nicole Bell von Basellodging. Wichtig für die Kunden sei vor allem die Lage der Wohnung. Nicht mehr als vier Tramstationen oder 15 Fussminuten sollte die Unterkunft vom Messeareal entfernt sein. Basellodging sucht in diesem Radius fast alles, vom einfachen Studio bis zu luxuriösen Häusern mit sieben Schlafzimmern. Um Wohnungen mit dem richtigen Standard und Standort zu finden (und weil sie längst nicht mehr die einzigen Anbieter sind) gehen sie vermehrt aktiv auf die Besitzer zu. Mit Flyern beackern sie das Messequartier.

Grosse Wohnungen mit mehreren Betten und Badzimmern sind begehrter, weil die Firmen damit Geld sparen können. Neben der Nähe werden Sauberkeit, ein anständiges Bett, ein Lift und vor allem WLAN erwartet. Annehmlichkeiten würden geschätzt, aber schlussendlich verbringen die Aussteller und Besucher nicht viel Zeit in den Wohnungen. Sie verlassen frühmorgens das Appartement und kommen erst nach dem Nachtessen und einem Schlummertrunk spätabends zurück.

Ein Anbieter wie Basellodging bietet im Unterschied zu privaten Vermittlern einen hotelähnlichen Service. Eingecheckt wird an der Rezeption des Hotels Ramada, wo auf Wunsch auch gefrühstückt werden kann. Der hauseigene Reinigungsdienst putzt täglich und stellt frisch gewaschene Bettwäsche und Handtücher bereit. «Dies schätzen nicht nur die Aussteller, auch die Vermieter sind froh, wenn täglich jemand einen Blick in ihre Wohnung wirft», sagt Bell. «Falls es zu Zwischenfällen kommt, bemerken dies unsere Mitarbeiter.»

Einmal hätten beispielsweise die hohen Absätze einer Ausstellerin das Parkett einer Wohnung arg in Mitleidenschaft gezogen. Für solche Ausnahmefälle sind dann die eigenen Handwerker zur Stelle, die sich dem Problem annehmen – in diesem Fall den Boden abschleifen. Doch die Vermieter würden gemäss Bell kein Risiko eingehen: «Jedes kaputte Glas können wir nicht ersetzen, aber bei grösseren Schäden konnten wir bisher immer eine Lösung finden.»

Der Preis kennt Grenzen

Einen Fremden im eigenen Bett zu haben, mag bei vielen Schaudern auslösen. Aber für Unvoreingenommene rechnet es sich. Rund um das Messegelände ist der Bedarf so gross, dass die Aussteller teilweise bereit sind, Wucherpreise hinzunehmen. Dort bewahrheitet sich ein ökonomisches Grundprinzip: Übersteigt die Nachfrage das Angebot, dann steigen die Preise. Wie Nik Kleiner von UMS Untermietservice durchblicken lässt, scheiden sich bei der Miete denn auch die Geister. Rund ein Viertel der Anbieter haben anfänglich übertriebene Vorstellungen. Aussteller wären teilweise zwar bereit, so tief ins Portemonnaie zu greifen, trotzdem lehnt Kleiner überrissene Angebote ab. Einerseits wollen sie ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis anbieten und anderseits möchten sie nicht, dass ihre Klienten mit dem Gesetz in Konflikt kommen – auch bei Untermiete kann ein Mietzins missbräuchlich sein.

Wo übernachten die Vermieter?

Wer Basellodging für zehn Nächte seine Wohnung überlässt, kann je nach Leistung und Ausstattung mit ein bis zwei Monatsmieten rechnen – wie viel genau, wird bei einer Wohnungsbesichtigung festgelegt. Für Firmen ist ein einfaches Studio ab 3500 Franken zu haben. Grössere und luxuriösere Wohnungen können bis zu 8000 Franken kosten. Wie viel Gewinn für die Betreiber übrig bleibt, ist von Wohnung zu Wohnung verschieden und hängt auch davon ab, ob ein Schmutzfink das Appartement dreckig zurücklässt, was hohe Reinigungskosten zur Folge hat. Was die Vermieter in der Zeit machen, wo ein Fremder bei ihnen zu Hause ein- und ausgeht, ist ganz unterschiedlich. Einige zieht es aufs Sofa bei Freunden oder sie schlafen im Kinderbett im Elternhaus. Andere verreisen in den Urlaub – mit einem grosszügigen Ferienbudget.