Basel/Baselland
Lungenliga-Chef: «Wir erhielten wiederholt Morddrohungen»

Seit 17 Jahren führt Urs Brütsch (55) die Lungenliga beider Basel. Nun wechselt er von Basel nach Bern: Er wird Leiter Prävention der Krebsliga Schweiz. Im Interview blickt er auf die harten Auseinandersetzungen in Basel zurück.

Andreas Maurer
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Urs Brütsch.

Urs Brütsch.

Nicole Nars-Zimmer

Herr Brütsch, der Zeitpunkt für Ihren Rücktritt ist günstig: Der Raucherverein Fümoar hat vor Bundesgericht verloren, die Basler Restaurants werden rauchfrei, Sie wurden überflüssig.

Urs Brütsch: Das werden wir sehen. Der Verein Fümoar hat ja schon eine neue Initiative angekündet. Wir sind frustriert, dass er sich nicht endlich seinem Schicksal ergibt. Die Lungenliga möchte zwar keine finanziellen Mittel mehr einsetzen. Sie ist jedoch jederzeit bereit, der Situation entsprechend zu handeln. Das hängt nicht von mir als Person ab.

Als Gesundheitsapostel waren Sie ein Feindbild. Wie haben Sie die Auseinandersetzungen persönlich erlebt?

Zuerst das Positive: Wir haben quer durch alle politischen Lager eine grosse Unterstützung erhalten und in der Region vier Abstimmungen gewonnen. Folglich unterstützt die Mehrheit der Bevölkerung unsere Anliegen. Negativ war die Erfahrung, wie viele Unwahrheiten die Gegenseite verbreitet hatte. Wir erhielten sogar wiederholt Morddrohungen per Mail. Das ging schon an die Substanz.

Wie haben sie darauf reagiert?

Wir haben uns die Mails mit der Polizei angeschaut. Und ich habe im Parkhaus öfter nach links und rechts geschaut. Das lässt einen nicht kalt.

Können Sie nachvollziehen, dass Sie derart polarisieren?

Ja natürlich. Ich bin selber auch ein freiheitsliebender Mensch und schätze Begrenzungen nicht. In diesem Fall gewichtet die Lungenliga den Gesundheitsschutz jedoch höher als die individuelle Freiheit. Einer unserer Aufträge ist es, wirksame Prävention zu leisten. In der Mehrheit der Kantone, etwa in Baselland, war das überhaupt kein Problem, in Basel-Stadt hingegen ein halber Weltuntergang. Basel tickt tatsächlich anders.

Dafür erhielt die Lungenliga beider Basel die Gelegenheit, sich als politische Kampforganisation zu profilieren.

Die Lungenliga vertritt gesundheitspolitische Anliegen, wo es nötig ist. Das Fümoar-Thema hat aber zu einer völligen Verzerrung geführt: Man hat fast nur noch unsere sehr begrenzte politische Arbeit wahrgenommen. Diese machte nur ein Prozent unseres Umsatzes aus. Unsere Kernaufgaben sind die Vermietung von Atemtherapiegeräten an 4000 Kunden. Etwa 2500 Leute benutzen zum Beispiel ein Atemtherapiegerät von uns gegen Schlafapnoe. Tausend Lernende beteiligen sich am Projekt rauchfreie Lehre. Viele Firmen nutzen unsere erfolgreichen Rauchstopp-Trainings für die betriebliche Gesundheitsförderung. Das wird zu wenig wahrgenommen.

Die «Schweiz am Sonntag» berichtete über die hohen Cheflöhne von Hilfswerken. Wie viel verdienen Sie?

Ein Vergleich der Löhne von Führungsleuten von Non-Profit-Organisationen des Freiburger Instituts für Verbandsmanagement zeigte 2011 ein Mittel des Gehalts von 158'000 Franken. Da liege ich leicht darunter. Wir bewegen uns also im Mittelfeld der Non-Profit-Organisationen.

Die Lungenliga bettelt ständig um Spenden. Da könnten Sie doch einen Teil Ihres knapp 160'000 Franken teuren Lohnes der Lungenliga überlassen.

Wir müssen für gut ausgebildete und kompetente Mitarbeitende marktgerechte Löhne zahlen, auch für Geschäftsführende. Meinen «freiwilligen» Beitrag an die Lungenliga leiste ich mit einem hohen Arbeitseinsatz, sprich unbezahlten Überstunden.