Amantara

«Lust kommt im Alltag zu kurz» - Tantra-Masseure wollen Abhilfe leisten

Im goldenen Massageraum von Tobias Biland und Veronika Andritchenko: Auf der Matratze mit den drei Kissen liegen nach einem Vorgespräch jeweils die Kunden hin.

Im goldenen Massageraum von Tobias Biland und Veronika Andritchenko: Auf der Matratze mit den drei Kissen liegen nach einem Vorgespräch jeweils die Kunden hin.

Sie bewegen sich in der lustvollen Grauzone zwischen Sex und Spiritualität, Liebe und teurer Dienstleistung: Tantra-Masseure wollen Menschen eine bessere Sexualität lehren. Sie arbeiten nackt – auch in Basel.

Der 39-jährige Aargauer Tobias Biland und die 43-jährige Russin Veronika Andritchenko bieten professionelle Tantra-Massagen an. Als Amantara GmbH erzielen die ehemalige Gärtnerin und der Ex-Koch in Basel gute Umsätze.

Ihre Räume befinden sich in einem grossen Industriebau beim Dreispitzareal. Einquartiert haben sich dort auch ein Floristen-Lieferant, eine christliche Gemeinschaft und eine Firma für Bürobedarf. Nach dem Gang durchs kahle Treppenhaus öffnet sich eine andere Welt: Kerzen schimmern im Halbdunkel des goldenen Massageraums, in dem Biland und Andritchenko von ihrer Arbeit erzählen. In manchen deutschen Bundesländern gilt diese juristisch als Prostitution.

Herr Biland, während der Arbeit sind Sie nackt, genauso wie Ihre Kunden. Der ganze Körper wird massiert, Orgasmen sind kein Tabu. Sind Tantra-Massagen also eine sexuelle Dienstleistung?

Tobias Biland: Ich sehe die Tantra-Massage eher als Unterstützung. Sie hilft Menschen dabei, ihre eigene Sexualität zu entwickeln.

Das heisst?

Veronika Andritchenko: Viele Menschen leiden unter starren sexuellen Mustern. Das ergibt ein Ungleichgewicht und kann zu Störungen führen, in der Beziehung zum Beispiel. Tantra ist die Lehre der Sexualität. Als Tantra-Masseure lassen wir die Menschen ihre sexuellen Muster erkennen, damit sie sie korrigieren können.

Die klassische Sportmassage verfolgt andere Ziele.

Biland: Die Sportmassage beschäftigt sich vor allem mit den Muskeln, andere wiederum tun der Wirbelsäule gut. Doch solche Massagen hören bei der Hüfte auf, obwohl dieser Teil auch zum Menschen gehört. Diese Auslassung hinterlässt oft schlechte Gefühle. Die Tantra-Massage ist hingegen ein ganzheitliches Erlebnis. Sie will die sexuelle Kraft wecken und auch fördern. Denn die Lust kommt in unserem Alltag oft zu kurz.

Na und? Im Alltag kommt vieles zu kurz. Man kann nun mal nicht alle Bedürfnisse befriedigen.

Biland: Sehr viele Krankheiten entstehen, weil die Sexualität nicht gelebt wird. Oder weil man in einer langjährigen Partnerschaft nicht darüber spricht. Ein offenerer Umgang mit dem Thema wäre hilfreich.

An welche Krankheiten denken Sie?

Biland: An Depressionen und Minderwertigkeitskomplexe zum Beispiel. Viele Menschen haben auch eine Sprechblockade: Sie können nicht über die eigenen Gefühle reden, fühlen sich selber nicht mehr. Das kann bis zur Impotenz führen.

Welche Probleme haben denn Ihre Kunden?

Biland: Die Frauen, die zu uns kommen, haben oft Schwierigkeiten, Orgasmen zu erreichen. Männer möchten hingegen lernen, die Ejakulation herauszuzögern, weil sie jeweils zu früh kommen.

Und nach einer Stunde bei Ihnen ist das Problem gelöst?

Andritchenko: Nein, es ist wie in der Physiotherapie. Bei solchen Fällen erstellen wir ein Konzept und empfehlen mehrmals zu uns zu kommen, zum Beispiel zehn Mal.

Das klingt schon fast so, als sollten sich die Krankenkassen mittels Zusatzversicherung an den Kosten beteiligen, die schliesslich über 230 Franken pro Stunde betragen. Wünschen Sie sich das?

Andritchenko: Ja, und ich bin optimistisch, dass das irgendwann kommt. Wir werden oft darauf angesprochen.
Biland: Natürlich wäre das für manche von Vorteil. Andererseits ist der Kunde ehrgeiziger, wenn er die Massage selber bezahlt. Würde die Krankenkasse diese Leistung übernehmen, kämen wohl mehr Menschen zu uns, die gar keine Veränderung ihrer Sexualität zum Ziel haben.

Sie kämpfen also nicht für eine Unterstützung durch die Krankenkassen?

Biland: Ein Schweizer Tantra-Verband entsteht gerade. Dieser hat aber die Qualitätssicherung zum Ziel. Es gibt leider auch unseriöse Anbieter, die keine richtige Tantra-Ausbildung haben oder aber Masseusen auf Honorar-Basis anstellen. Unsere Angestellten bei Amantara haben hingegen feste Arbeitsverträge.

Zurück zu Ihrer Kundschaft: Wie setzt sich diese zusammen? Wie alt sind die Kunden?

Andritchenko: Der Jüngste ist 20 Jahre alt, die Älteste 80 Jahre. Die grosse Masse bewegt sich zwischen 40 und 55 Jahren. Es sind auch alle Berufsgruppen vertreten.

Auch Politiker?

Biland: Wenn wir Ihnen sagen würden, dass auch Politiker dabei sind, fragen Sie sicher, wer das ist. Es hat wirklich alles dabei.

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