Eigenschaften, die für Diktatorengattinnen hilfreich sind: Totale Ausblendung der Realität. Komplette Abwesenheit von Selbstironie und Selbstzweifeln. Freude an einem intensiven Hobby, zum Beispiel Schuhe sammeln.

Nur so lassen sich extreme Widersprüche aushalten, nur so kann man einem hyperperversen Lebensstil frönen und trotzdem gut schlafen. Sich persönlich bereichern, den Ehemann ein bisschen foltern, verfolgen, Menschen verschwinden lassen. Zwischendurch aus vergoldeten Palästen zu den Armen steigen und danach sagen, dass man sich netterweise extra chic für sie gemacht habe, damit die «auch mal etwas Schönes zu sehen bekommen». Etwa so hat es einmal Imelda Marcos formuliert, die Gattin des früheren philippinischen Diktators Ferdinand Marcos.

Der textungetreue Dolmetscher

Für ihre Groteske über Diktatorengattinnen musste die Autorin Theresia Walser kaum etwas dazudichten. In «Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel», das am Dienstag auf der Kleinen Bühne des Theater Basels premierte, ist eigentlich nur das Szenario eine Erfindung: Ein Zusammentreffen von Margot Honecker, Imelda Marcos sowie Leïla Ben Ali, die zusätzlich mit Zügen von Asma Al-Assad sowie Suzanne Mubarak angereichert worden ist. Die drei Frauen, so stellt es sich Walser vor, tauschen sich kurz vor einem Auftritt aus – mit Hilfe eines Dolmetschers (Florian von Manteuffel), der es mit der textgetreuen Übersetzung alles andere als genau nimmt. Mal trägt er mit freien Erfindungen zur Eskalation bei, mal mit Verharmlosungen zur Deeskalation.

Getreue optische Kopien

Fast alles andere liefern die echten Vorlagen. Denn die Wahrheit, sie lässt sich im Fall dieser drei Personen der Zeitgeschichte kaum überbieten. Dass Imelda Marcos sich nach einem Attentat auf sie über die Hässlichkeit des dafür benutzt Messers beschwert – wahr. Dass Margot Honecker über die Mauertoten sagt, sie hätten ja nicht über die Mauer zu klettern brauchen – wahr. Dass Leïla Ben Ali sich beschwert, sie sei nach Ausbrechen der Revolution ohne nichts aus ihrem Palast in Tunis geflüchtet – wahr. (Gemäss Medienberichten soll die Familie 1,5 Tonnen Gold mit ins Exil genommen haben.)

Die Aussagen dreier mächtiger Frauen, die sich nicht entblöden, die menschenverachtendsten, schwachsinnigsten Dinge zu sagen, hat Theresia Walser, wie es so ihre Spezialität ist, zu einem Pointenfeuerwerk verdichtet.

Und nicht nur sind die gesprochenen Sätze der Realität entnommen, auch die drei Schauspielerinnen sind äusserst wahrheitsgetreue Replika der echten Vorbilder. Frisuren, Kleidungsstil und Mimik ahmen sie sehr genau den Originalen nach. Franziska Hackl ist die spröde, magere Frau Margot mit dem lila Haar. Nicola Kirsch die auf Business gestylte, elegante Frau Leila. Und bei Katja Jungs Frau Marcos meint man, ein schweres, süssliches Parfüm riechen zu können, so sehr ist sie das Spitting Image der Frau mit den 1060 Paaren Schuhen: von der Bienenkorbfrisur, über den oft seltsam geöffneten Mund, den Klunkerschmuck bis auf die etwas zu auffällig umrahmten Lippen.

Noch mehr als in Walsers BIZ-Satire «Turm zu Basel», die wenige Tage zuvor im Schauspielhaus uraufgeführt worden ist, hält sich derselbe Regisseur Sebastian Schug mit inszenieren zurück. Etwas mehr Gestaltung, etwas mehr tonale und andere Nuancen hätten dem Abend aber gut getan. Denn so süffig-lustig dieser Text ist, so schnell ist das Muster durchschaut, so sehr bräuchte es noch ein paar dramaturgische Eingriffe: um die Spannung zu halten, um uns das Lachen im Hals festzustecken, um uns das Grauen hinter der Groteske spüren zu lassen.

Weitere Daten: 25.9. sowie 16. und 23. 10. Das Stück lief in dieser Inszenierung erstmals 2014 am Schauspielhaus Wien.