Der Handlungsbedarf ist gross. Davon ist Daniel Egloff überzeugt: «Wir haben an unserem Schalter im Bahnhof SBB jeden Tag zehn bis zwölf Touristen, die ganz verzweifelt sind», erzählt der Direktor von Basel Tourismus. Die Gäste aus dem Ausland haben in der Schweiz viel Geld ausgegeben.

Bei ihrer Ausreise können sie dann zumindest die Mehrwertsteuer zurückfordern. Oder besser: Sie könnten. Denn die Hürden des Bundes sind teilweise ziemlich hoch. «Die Rückforderung ist oft nicht oder nur mit erheblichem Aufwand möglich», weiss der Basler LDP-Nationalrat Christoph Eymann. Das sorge bei vielen für grossen Ärger. «Für das Ferienziel Schweiz ist das rufschädigend.»

Vor verschlossenen Türen

Aber von Anfang an: Seit zwei bis drei Jahren bereisen Touristen aus China, Indien oder den Golfstaaten Europa immer öfter individuell mit der Bahn und sind weniger in geführten Gruppen unterwegs. Fahren sie von Wien über Interlaken und Luzern nach Paris, erfolgt der Grenzübertritt oftmals in Basel. «Wer dann beispielsweise in der bekannten Bijouterie Bucherer in Luzern zwei Rolex-Uhren für je 20'000 Franken kauft, braucht bei der Ausreise einen Stempel, um die Mehrwertsteuer von 7,7 Prozent zurückfordern zu können», erklärt Egloff. Immerhin macht das in solchen Fällen gleich mehrere Hundert Franken aus.

Das Problem: Touristen können das benötigte Formular nur auf einer bedienten Zollstelle abstempeln lassen. «Für viele Ausreisende ist das ein Problem», sagt Eymann. Denn selbst während der Bürozeiten sei die Zollstelle nur unregelmässig besetzt.

«Wir hatten schon Fälle, in denen Touristen stundenlang vor der Zollstelle gewartet haben», ergänzt Tourismusdirektor Egloff. Andere hätten am Bahnhof ihr Gepäck deponiert, seien mit dem Bus an den Euro-Airport gefahren, wo der Zoll durchgehend geöffnet ist, hätten dort ihre Ausfuhrbestätigung abstempeln lassen und seien dann mit dem Bus wieder zurück an den Bahnhof gefahren.

«Das ist ärgerlich für die Touristen», kommentiert Eymann. Nicht selten erhielten die Tourismusbüros deswegen Reklamationen. «Tatsächlich kommen immer wieder Touristen händeringend zu uns», bestätigt Egloff. Basel Tourismus aber könne nicht selber helfen, da nur der Zoll die Formulare abstempeln darf. Das Problem aber trete immer öfter auf. «Das kann doch nicht sein.»

Auch Barbara Gisi ist die Situation bekannt. «In Basel ist es am schlimmsten. Wir kennen das Problem aber auch in Genf oder in Chiasso», sagt die Direktorin des Schweizer Tourismusverbands.

Gerade bei einem solchen Kundensegment sei es wichtig, gute Dienstleistungen anbieten zu können. Immerhin sei gerade der Shoppingtourismus weiter am Wachsen und sei deshalb für die Schweiz sehr interessant.

«Bisher aber scheinen die Behörden zu unterschätzen, wie viele Leute von diesen administrativen Hürden betroffen sind», sagt Gisi. Sie hofft nun auf Goodwill beim Bund. Es brauche aber wohl noch etwas Überzeugungsarbeit.

Das Verhalten der Behörden sei zwar nicht unkorrekt, betont Eymann. Es sei aber auch nicht sehr kundenfreundlich: «Eine Korrektur drängt sich auf.» In Absprache mit dem Schweizer Tourismusverband ist der Nationalrat nun an den Bundesrat gelangt. Per Interpellation fragt er an, ob sich das Verfahren kundenfreundlicher gestalten lasse.

Keine gute Dienstleistung

Angeregt wird etwa, die Öffnungszeiten der Zollbüros zu verlängern. Als Alternative wird vorgeschlagen, die Ausstellung der Ausfuhrbestätigung direkt an Tourismusbüros zu delegieren. «Tatsache ist: Heute wird keine gute Dienstleistung angeboten», findet Eymann.

Immerhin profitiere die Schweiz von den zum Teil grossen Einkäufen durch die ausländischen Gäste. Für einzelne Landesteile sei der Tourismus von grosser volkswirtschaftlicher Bedeutung.

Noch aber glaubt Eymann nicht so recht an einen Erfolg: «Ich werde das Gefühl nicht los, dass gar kein Interesse daran besteht, etwas zu ändern», sagt er. «Offenbar behält man das Geld lieber in der eigenen Kasse. Immerhin geht es schweizweit um Millionen.»

Tourismusdirektor Egloff dagegen glaubt durchaus noch an Besserung, viel sei ja nicht nötig. «Und alles andere wäre auch nicht seriös.»