Lysbüchel-Schulhaus
Rückkehr ohne Maskenpflicht: Hoffnung auf Normalität beim Schulstart in Basel

Am Montag war Schulstart im Lysbüchel-Schulhaus. Das Erziehungsdepartement will sich in diesem Jahr vor allem mit Themen befassen, die aufgrund der Pandemie in den Hintergrund traten.

Maximilian Karl Fankhauser
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Geschafft: Ein Schüler der Klasse 1a läuft unter Applaus des Lysbüchel-Schulhauses und Erziehungsdirektor Conradin Cramer (l.) zu seiner neuen Lehrerin.

Geschafft: Ein Schüler der Klasse 1a läuft unter Applaus des Lysbüchel-Schulhauses und Erziehungsdirektor Conradin Cramer (l.) zu seiner neuen Lehrerin.

Nicole Nars-Zimmer

«Es ist immer schön, zu sehen, wie die Kinderaugen leuchten, wenn sie unter den Girlanden hindurchgehen», erzählt Erziehungsdirektor Conradin Cramer und erinnert sich an seinen ersten Schultag zurück. Lange sei es her, doch vergessen könne er das Gefühl der Aufregung nie, «endlich zu den Grossen zu gehören, die in die Schule gehen dürfen.»

Der erste Schultag in der Lysbüchel-Primarschule steht ganz unter dem Zeichen der neugewonnen Normalität. Die Maskenpflicht für Lehrpersonal und Schüler ist aufgehoben worden. «Ich sehe die Notwendigkeit der Maske, aber es erleichtert den Alltag ungemein. Vor allem, wenn die Kinder lesen und schreiben lernen, ist es wichtig, wenn sie die Mundbewegungen der Lehrperson sehen», sagt Co-Schulleiterin Jacqueline Jourdan. Die Eltern und andere Begleitpersonen sind aber angehalten, weiterhin eine Maske auf dem Schulareal zu tragen. Ausserdem darf das Schulhaus von externen Personen nicht betreten werden. Somit ist die Ansage von Jourdan an die anwesenden Eltern klar: «Wenn sie ihre Kinder um 12 Uhr abholen, warten sie bitte draussen vor dem Eingang.» Bei der Co-Schulleiterin ist die Freude über den Wiederbeginn sichtbar: «Ich finde es jedes Mal berührend, die neuen Kinder und deren Eltern zu sehen. Man weiss: da kommt eine neue Generation.»

Und diese neue Generation wird gebührend empfangen. Nach Reden von Conradin Cramer und der Schulleitung wird von den älteren Klassen das «Lysbüchel-Lied» angestimmt. Nach der Gesangseinlage, die von Cramer kräftig unterstützt wird, formieren die 2.-Klässler ein Girlandenspalier. Nach und nach werden die Neuankömmlinge aufgezählt, laufen unter den Girlanden hindurch und werden unter tosendem Applaus von den jeweiligen Klassenlehrpersonen mit einer Sonnenblume in Empfang genommen. Es scheint, als hätten einige Erstklässler ihren eigenen Fanclub dabei.

Der Präsenzunterricht als Glücksfall

Rund 1 Kilometer Seil: Blick auf das dreistöckige Kletterkonstrukt

Rund 1 Kilometer Seil: Blick auf das dreistöckige Kletterkonstrukt

Maximilian Karl Fankhauser

Nach dem obligatorischen Klassenfoto beginnt er nun, der erste Schultag im neugebauten Lysbüchel-Schulhaus. Stolze sechs Etagen umfasst es, ein dreistöckiges Kletterkonstrukt, eine grosse Aula im vierten Stock und der Pausenplatz auf dem Dach. Das Schulhaus sei auch mit Hilfe der Lehrpersonen und der Schüler entstanden, so beispielsweise das Kletterkonstrukt: «Ein Schüler fertigte eine Skizze einer Rutschbahn vom Dach an», sagt Co-Schulleiter Christian Engels. Nach langem Überlegen sei diese Idee aber verworfen worden, daraus entstand die Idee des Kletterkonstrukts. «Insgesamt 1000 Meter Seil wurden darin versponnen», erzählt Engels.

In der grossen Aula, «ein Zentrum für das ganze Quartier», so Cramer, ist die Zukunft des Basler Schulsystems grosses Thema. Die Digitalisierung, ein wichtiger Punkt, soll weiter gefördert werden. «Die Lehrpersonen sind mit entsprechenden Geräten ausgerüstet worden», sagt Cramer. Nun seien die Schüler an der Reihe. Volksschulleiter Urs Bucher will die Themen, die aufgrund der Pandemie vernachlässigt werden mussten, wieder in Angriff nehmen. Bucher, seit einem Jahr im Amt, empfand dieses als sehr intensiv. «Die Kontaktaufnahme mit den Schulleitungen war nicht immer einfach, da keine Grossveranstaltungen möglich waren.» Für ihn aber sei es ein Glücksfall gewesen, dass das letzte Jahr im Präsenzunterricht stattgefunden habe.

Rund 1000 Schüler mehr in diesem Jahr

Sein Augenmerk liegt auf der Weiterentwicklung der integrativen Schule. «Dort wird das Personal ausgebaut, das sonderpädagogische Arbeit liefert.» Dies läge zum einen daran, dass es mehr Schüler gäbe, die sonderpädagogische Unterstützung bräuchten. «Des Weiteren gibt es neue Störungsbilder, wie zum Beispiel Autismus-Spektrum-Störungen. Dort wollen wir einen Schwerpunkt setzen, was den Umgang damit anbelangt.» Die Zahlen der Kinder mit solchem Störungsbild seien noch immer stark zunehmend, weswegen man auch mit anderen Kantonen in Kontakt sei.

Auch die Schulqualität ist Bucher ein grosses Anliegen. «Die Einführung des Lehrplan 21 kommt nun langsam zu ihrem Ende. Nun muss die Kompetenzorientierung gestärkt werden.» Dies geschehe mit Hilfe von Weiterbildungen, die den Lehrpersonen angeboten würden.

Der heutige Schulstart symbolisiert auch das Ende der Übergangsphase vom fünf- zum vierjährigen Gymnasium. Während die FMS den grössten Zuwachs verzeichnet, ist im Kanton Basel-Stadt mit 26525 die Zahl der Schüler um rund 1000 Kinder angestiegen. Und für diese Schüler gibt sich Cramer positiv gestimmt: «Ich bin zuversichtlich, dass für das Schulleben die Normalität jetzt weitgehend zurückkommen kann.»

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