Kunst

«Mache Sy s’Beschte druss!» – wie die Privatsammlung Probst ins Museum kam

Frank Probst war Verwaltungsrat der Sandoz AG, seine Gattin Alma begeistert von Kunst. In den 1960er-Jahren erwarben sie bei Galerist Ernst Beyeler diskret Bilder von namhaften Malern wie Paul Klee oder Pablo Picasso und hängten sie zu Hause auf.

Es ist ein Glücksfall für die Christoph Merian Stiftung (CMS), ein Glücksfall fürs Kunstmuseum und für Basel: Das Ehepaar Frank und Alma Probst-Lauber hat die CMS als Alleinerbin eingesetzt und sein ganzes Vermögen, 120 Millionen Franken, hinterlassen. Es ist dies die höchstdotierte Schenkung, welche die CMS, die Mutter aller Basler Stiftungen, je erhalten hat. Dabei sind in dieser Summe noch nicht einmal die Bilder enthalten, die gestern erstmals öffentlich gezeigt worden sind.

Das Ehepaar Probst wohnte in Arlesheim, erarbeitete sein Geld aber in der Stadt. Frank Probst war Verwaltungsrat der Sandoz AG (heute: Novartis). In den 1960er-Jahren erwarb das Paar bei Galerist Ernst Beyeler Bilder von Picasso, Dubuffet oder Léger.

Frank Probst soll zwar ein wenig gezögert haben angesichts der Summen, welche die Werke dieser namhaften Maler schon damals kosteten. Doch seine kunstinteressierte Gattin leistete erfolgreich Überzeugungsarbeit. Die Kunstwerke blieben immer in ihrem Privatbesitz. Nur wenige Menschen wussten, was bei ihnen an den Wänden hing.

Ja, was denn zum Beispiel?

Da ist ein unbenanntes Gemälde von Paul Klee, Öl auf Leinwand, 67,5 mal 92 Zentimeter gross. Ein Bild aus dessen produktivster Schaffensphase, 1933, wie Josef Helfenstein erzählt. Er muss es wissen: Vor seiner Zeit als Direktor des Basler Kunstmuseums erforschte er Klee und arbeitete an dessen Werkkatalog mit. «Klee schuf in besagtem Jahr fast 500 Werke», weiss Helfenstein, «darunter aber nur wenige Gemälde.»

Alma Probst-Lauber besass eines der Hauptwerke aus dieser Zeit. Seine Existenz sei bekannt gewesen, sagt Helfenstein. «Aber trotz intensiver Nachforschungen konnten wir Forscher es nicht auffinden.» Er hätte sich nicht ausmalen können, dass er dieses als Museumsdirektor dereinst inventarisieren kann.

Wie das kam? Frank Probst starb 2011, seine Gattin 2017. Das kinderlose Paar vermachte alles, auch seine sieben bedeutsamen Kunstwerke der CMS. Versicherungswert der Bilder: 20,34 Millionen Franken.

Der Stifterin lagen die Kunstwerke am Herzen. Alma Probst-Lauber habe die Bilder stundenlang betrachtet, jeden Tag. Am intensivsten schaute sie Pablo Picassos «Femme dans un fauteuil» an. Das Bild – Bleistift auf Papier – ist das wertvollste der kleinen, aber feinen Privatsammlung. Es würde auf dem Kunstmarkt einen zweistelligen Millionenbetrag einbringen.

Picasso schuf es im Jahr 1953, zwischen zwei Beziehungen, was man durchaus hineininterpretieren kann. Ernst Beyeler soll es ungern verkauft haben. Er bereute es und versuchte, das Werk zurückzugewinnen, wie Alma Probst-Lauber erzählte. Doch das kam für sie nicht infrage, für keinen Preis der Welt.

Kunst für Basel, nicht Katar

So sehr ihr die Kunst am Herzen lag, so überraschend die Information, dass sie beim Nachlass keine Auflagen machte. «Das weitere Schicksal dieser Bilder hat sie ausdrücklich der CMS überlassen», sagt Stiftungspräsident Lukas Faesch. «Mache Sy s’Beschte druss!», habe die Besitzerin vor ihrem Tod noch gesagt.

Die CMS nahm sich die Devise der Spender zu Herzen: «Aus Basel, für Basel.» So entschied man sich dagegen, die Kunstschätze zu veräussern. Auch, weil man vermeiden wollte, dass diese am Ende in einem privaten Gemach in Katar landen könnten, wie hinter vorgehaltener Hand zu erfahren ist.

Die Schenkung als Bekenntnis

Die Anspielung bezieht sich auf die jüngere Geschichte einer anderen Basler Kunstsammlung: jener des Staechelin Family Trust. Dieser hat 2015 Paul Gauguins Bild «Nafea faa ipoipo» für geschätzte 200 Millionen Franken an den Emir von Katar verkauft.

Zuvor hatte sich das Kunstmuseum Basel lange Zeit um diese Leihgabe gekümmert, sie gehegt, gepflegt, gezeigt, versichert und zu ihrer Wertsteigerung beigetragen. Das Museum musste jedoch mit ansehen, wie es hohe Kosten und Risiken trug, aber keinen bleibenden Gewinn davon tragen konnte.

Im Fall der Bilder aus der Sammlung Probst droht das Kunstmuseum nicht brüskiert zu werden. Es ist ausgeschlossen, dass die wertvollen Gemälde wieder abtransportiert werden, denn die sieben Werke sind ein Geschenk, keine Leihgaben. Damit will die CMS ganz bewusst ein Zeichen setzen. «Basels Bevölkerung soll die Möglichkeit erhalten, diese bislang unbekannten Werke zu entdecken», begründet Lukas Faesch den Entscheid, den die Kommission am 1. Februar gefällt hat.

Für Museumsdirektor Josef Helfenstein ist das Geschenk an die öffentliche Kunstsammlung daher nicht nur ein Glücksfall, sondern auch ein Trost. Und eine riesige Freude. Denn die Werke befinden sich in einem ausgezeichneten Zustand, sie seien nahezu unberührt und ergänzen die Sammlung ideal: Sowohl Alberto Giacomettis «Portrait de Caroline» (1962), Jean Dubuffets «Déterminations incertaines» (1965) oder Fernand Légers «Composition» (1937) reihen sich bestens in die bisherigen Bestände ein. Ganz zu schweigen von den drei Picassos, womit sich die «Liebesgeschichte von Picasso und Basel fortsetzt», wie Direktor Helfenstein schwärmt.

Die Öffentlichkeit selber bekommt die Werke in einem Jahr zu sehen. Bis dahin widmet sich das Museum unter anderem der Provenienzforschung.

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