Robert Crumb
Macho-Katzen und Amazonen: Comic-Legende am Gässli-Filmfestival

Giacun Caduff bringt Robert Crumb ans Gässli-Filmfestival nach Basel. Der Schöpfer von Fritz the Cat und anderen schrägen Comic-Figuren ist eine skurrile Persönlichkeit mit vielen Abgründen. Crumb wird an einem Podiumsgespräch teilnehmen.

Nicolas von Passavant
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Robert Crumb am Gässli-Filmfestival
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Crumb schuf diese Katzen.
Robert Crumb und sein deftiger Humor.

Robert Crumb am Gässli-Filmfestival

Interessante Jury-Gäste hat Giacun Caduff bislang für jede Ausgabe seines Gässli-Festivals gewinnen können. Dieses Jahr gelingt ihm aber nun ein eigentlicher Coup: Nicht nur reist der amerikanische Independent-Filmer Terry Zwigoff an, im Gepäck hat er den Star seines bekanntesten Films, den legendären Comic-Zeichner Robert Crumb. Beide werden am 31. August an einem Podiumsgespräch im Stadtkino Basel teilnehmen.

Cover für Janis Joplin

Berühmt wurde Crumb Ende der 60er-Jahre mit einem Albumcover für Janis Joplin und den Comic-Geschichten rund um die machohafte Katze «Fritz», die auch fürs Kino adaptiert wurden. Mit Hippiemusik habe er dabei aber gar nie etwas am Hut gehabt, erzählt Crumb in Zwigoffs Doku von 1994. Der Zeichner schätzt vielmehr den schon damals ausser Mode gekommenen frühen Country-Blues aus der Stringband-Ära. Und die «Fritz the Cat»-Verfilmung habe er so schlecht gefunden, dass er die Macho-Katze in einer der nächsten Geschichten von einer enttäuschten Liebhaberin mit einem Eispickel habe aus der Welt schaffen lassen. Seinen Einfluss auf die Entwicklung des Comics begründete denn auch vor allem seine Darstellung von Frauen: hünenhaft-dralle Amazonen, die winzige Männchen quälen.

In diesen oft wirren und brutalen Geschichten sahen seine Kritiker verstörende Männerfantasien jenseits allen guten Geschmacks. Andere indes entdeckten gerade in den behaarten Riesenfrauen einen erfrischend neuen Blick auf das weibliche Geschlecht: Jenseits von Schlankheitsfanatismus und devoten Gesten können sich diese Frauen behaupten.

Unabhängig von der moralischen Bewertung ist Robert Crumb comicgeschichtlich bedeutsam, weil er mit seinem stark subjektiven Zugang das Genre der Graphic Novel mitbegründete: Wie Goya der Malerei und E.T.A. Hoffmann der Literatur, eröffnete Crumb dem Comic Sphären des Psychisch-Dunklen, die man in diesem Medium so noch nie gesehen hatte. Entsprechend ratlos reagiert Crumb im Film auf eine Leserin, die ihm sagt, sie fände seine kruden Figuren niedlich. Crumb blickt scheu hinter seinen Brillengläsern hervor und zuckt mit den Schultern. Für ihn, antwortet er, seien es immer Albtraumfiguren gewesen.

Crumbs Auftritt ist eine Rarität

Dass Terry Zwigoff mit seinem Film einen so direkten Zugang zu Crumbs Phantasmen und Albträumen finden konnte, lag daran, dass sich die beiden schon lange kannten; Zwigoff spielte seit den 70er-Jahren mit Crumb in einer Retro-Stringband, und von dieser von Crumb so geschätzten Musik handelte auch Zwigoffs zunächst unbeachteter Erstling «Louie Bluie» (1985).

Die Freundschaft zwischen den beiden sei auch der Grund, dass Crumb überhaupt ins Stadtkino kommt, erzählt Giacun Caduff vom Gässli-Festival. Denn seit Crumb Anfang der 90er nach Südfrankreich ausgewandert ist, hätten Zwigoff und er sich nicht mehr oft gesehen. Und natürlich sei man nur dank Zwigoff überhaupt an Crumb herangekommen, denn dieser tritt kaum noch öffentlich auf. Für diese Publikumsscheu ist nicht zuletzt der Rummel bei der Veröffentlichung des Films vor zwanzig Jahren verantwortlich, der dem Zeichner damals zu viel wurde.

Für den Filmer Zwigoff hingegen bedeutete diese Aufmerksamkeit einen Karrieresprung: Zusammen mit dem Comiczeichner Daniel Clowes realisierte er 2001 «Ghost World» und verhalf der noch blutjungen Scarlett Johansson zum Durchbruch. Es folgten «Bad Santa» (2003) mit Billy Bob Thornton und 2006, als erneute Zusammenarbeit mit Clowes, «Art School Confidential», eine absurde Satire auf den Kunstbetrieb. Auf diese Komödie geht wiederum die Bekanntschaft mit dem Gässli-Festival-Erfinder Caduff zurück, der bei diesem Film Produktionsassistent war.

Was Zwigoff seither gemacht hat und wie Crumb den Rummel von damals heute sieht, wird man auch dank der Mithilfe des Cartoonmuseums Basel am 31. August erfahren können. Bereits ab dem 26. August zeigt das Stadtkino alle Filme von Zwigoff, und der Filmemacher steht auch da schon für Publikumsgespräche zur Verfügung.