Schäferstündchen
Machtpolitik schlägt Sachpolitik

Tobit Schäfer
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Tobit Schäfer: «Leider gewinnt man aktuell den Eindruck, dass die Verantwortlichen nichts aus vergangenen Fehlern gelernt haben.» (Archivbild)

Tobit Schäfer: «Leider gewinnt man aktuell den Eindruck, dass die Verantwortlichen nichts aus vergangenen Fehlern gelernt haben.» (Archivbild)

KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

«Im Präsidialdepartement kann man viel Unsinn anrichten», kritisierte der alt Grossratspräsident Roland Stark in der gestrigen bz pointiert die gegenwärtigen Zustände im Basler Rathaus. Die SP Basel-Stadt, die Stark in den Achtzigerjahren präsidierte, nimmt solchen Unsinn achselzuckend in Kauf, solange damit die rot-grüne Mehrheit im Regierungsrat gesichert werden kann. Das ist hinlänglich bekannt und durchaus legitim. Die bürgerlichen Parteien würden genauso handeln, was reine Theorie bleiben wird, denn eine bürgerliche Mehrheit ist bei den anstehenden Wahlen nicht zu erwarten.

Machtpolitik schlägt Sachpolitik. Das mag zynisch klingen, aber schon der Dramatiker Oscar Wilde lehrte uns: «Zynismus ist die Kunst, die Dinge so zu sehen, wie sie sind, und nicht, wie sie sein sollten.» Vor diesem Hintergrund muss man auch die jüngste Basler Politposse betrachten, die Freistellung des Direktors des Historischen Museum Basel (HMB) Marc Fehlmann durch die Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann.

Dass der umstrittene wie streitbare Fehlmann in der von Intrigen geprägten Fehde mit der durchweg überfordert wirkenden Ackermann früher oder später unterliegen würde, war absehbar. Ebenso absehbar war, dass rot-grüne Funktionärinnen und Funktionäre den Freistellungsbeschluss der Regierungspräsidentin unkritisch – weil uninteressiert – billigen.

Obwohl sich die Parteien entgegen einer ersten Aussage von Ackermann nicht einvernehmlich geeinigt haben, bleibt in der Causa Fehlmann wohl einzig die Frage zu klären, wie viele Jahreslöhne die Freistellung die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler kosten wird. Das basel-städtische Personalgesetz sieht zwar bei unbegründeter Kündigung noch immer einen Anspruch auf Weiterbeschäftigung vor, dennoch rechnet niemand mit der Rückkehr des Direktors ins Museum. Wesentlich wichtiger ist aber ohnehin die Frage, wie es inhaltlich, finanziell und organisatorisch weitergehen soll mit dem HMB.

Schliesslich darf man sich von den zeitweise provinziell anmutenden Diskussionen in den vergangenen Monaten und Jahren nicht täuschen lassen. Das HMB ist eine der identitätsstiftenden Kulturinstitutionen dieser Stadt. Seine Bestände von Weltrang zeugen davon, dass Basel schon immer Anziehungspunkt war von Menschen, Gütern und Ideen aus der Fremde. Seine Aufgabe, durch kritische Geschichtsschreibung eine anregende Auseinandersetzung mit gesellschaftsrelevanten Themen zu ermöglichen, ist von elementarer Bedeutung.

Damit das HMB seiner Aufgabe endlich wieder gerecht werden kann, ist aber deutlich mehr notwendig, als sich von einer einzelnen Person zu trennen. Das hat sich bereits gezeigt, nachdem man vor fünf Jahren die damalige Direktorin Marie-Paul Jungblut freigestellt hatte, die wie Fehlmann während gerade einmal drei Jahren im Amt war. Leider gewinnt man aktuell den Eindruck, dass die Verantwortlichen nichts aus vergangenen Fehlern gelernt haben.