«Wir waren Tag und Nacht im Einsatz. Danach hatten die Leute erst mal genug.» Lucie Dordet ist verantwortlich für die Basler Gruppe von En Marche (EM), der politischen Bewegung von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Die Rede ist vom Wahlkampf für die französischen Präsidentschaft- und die Parlamentswahlen, die vor rund einem halben Jahr stattfanden.

Weil die 200 000 Schweizer Auslandsfranzosen stimmberechtigt sind, hat das Engagement der Basler EM-Gruppe Früchte getragen. Nach dem klaren Wahlsieg von Macron konnte sich auch der Parlaments-Kandidat für die Schweiz, Joachim Son-Forget, deutlich mit 75 Prozent der Stimmen durchsetzen. «Nachdem wir unsere Bürgerpflicht getan haben, die Extreme zu verhindern, war der grosse Schwung erst mal weg», analysiert Dordet.

20 Jahre ist sie jung, stammt aus dem Grossraum Paris und studiert in Muttenz im trinationalen Studiengang Bauingenieurwesen. Für Politik interessiert sich Lucie Dordet schon länger. Sich für En Marche zu engagieren, hat sie im letzten Februar entschieden, nachdem sie ein Buch über Emmanuel Macron gelesen hatte. Son-Forget, selber erst Mitte 30, hat sie dann zur Gruppenverantwortlichen gemacht. Vielleicht auch ein Hinweis darauf, dass sich da etwas Besonderes im politischen Leben Frankreichs tut.

Um die fünfzig Mitglieder hat die Gruppe in der Region Basel heute, zehn bis fünfzehn sind aktiv. Etliche sind um die vierzig Jahre alt und stammen aus dem gebildeten Mittelstand. Es gibt aber auch französisch-schweizerisch Doppelbürger, die schon pensioniert sind. Für viele ist es das erste politische Engagement. Sie hatten den Eindruck, Frankreich befinde sich in der Sackgasse und wollten etwas dagegen tun. Lucie Dordet ist mit Abstand die jüngste.

Zu wenig Plätze in Basler Schulen

In Basel bleibt Dordet nur noch kurze Zeit. Ende Januar geht die Ausbildung in Karlsruhe weiter. Ihre Rolle als Animator werden dann zwei Personen in einer Co-Leitung übernommen. Eine von ihnen ist Marie-Clély Ladini (50), eine Französischlehrerin. «Wir wollen uns um die Sorgen der Franzosen in Basel kümmern. So gibt es zum Beispiel nicht immer genügend Plätze in französischsprachigen Schulen.» Wichtig sei es für die Auslandsfranzosen auch, die Entwicklung beim Erbrecht zu verfolgen. Schliesslich gingen etliche später wieder zurück nach Frankreich.

Noch ist EM keine normale Partei und die Idee einer Bewegung, die regelmässig ihre Ideen in die Regierungsarbeit einspeist, ist lebendig. «Es hat sich etwas verändert gegenüber früher. Wir werden vom Präsidenten gehört», betont Ladini. Vor den Wahlen gab es Ateliers zu unterschiedlichen Themen wie Bildung, Schule oder Steuern, jetzt wird die Gruppe regelmässig zu Themenbereichen wie die Wohnungspolitik befragt. Die Antworten werden über eine Software online erhoben.

Überhaupt läuft vieles über die sozialen Netzwerke. 16 Gruppen hat En Marche in der Schweiz. Die verantwortlichen Animateure können über eine geschützte Plattform miteinander kommunizieren. Will die Gruppe selber ein Thema in den politischen Prozess einspeisen, ist das jederzeit möglich.

Lucie Dordet sieht auch die Grenzen der Mitbestimmung. «Es gibt 66 Millionen Franzosen. Da kann man unmöglich auf alle hören.» Das es einfach sei, nur mit einem Klick Mitglied von EM zu werden und dass es keine Beiträge gibt, findet sie gut. «Die Leute haben oft Mühe, den Schritt zu machen, sich zu engagieren. So können wir leicht auf sie zugehen.»

Macron weiss, was er will

Dass Macron zuletzt insbesondere von den Medien immer mehr unter Beschuss genommen wurde, stört sie nicht. «Früher wurde das Amt des Präsidenten hochgradig mediatisiert. Macron aber weiss, was er will. Es geht ihm vor allem darum, seine Ideen zu vertreten und durchzusetzen.»

Der Député Son-Forget kommt in der Regel jeden Monat zu Gast in einer andere Schweizer Stadt. «Die Treffen sind mit 50 bis 60 Personen gut besucht, werden gefilmt und auf Facebook gestellt», erzählt er.

Die Basler Gruppe trifft sich normalerweise jeden dritten Mittwoch des Monats im Train Bleu am Centralbahnplatz. Das nächste Treffen ist für den 17. Januar um 19.30 Uhr geplant.