Basel
Mädchenfussball-Projekt: «Kick it like Beckham» macht Schule

In den Schulhäusern Dreirosen und Kleinhüningen spielen Mädchen über Mittag gemeinsam Fussball. Dadurch erhalten auch Schülerinnen mit Migrationshintergund Zugang zum Sportunterricht, die sich keine Mitgliedschaft in einem Verein leisten können.

Noemi Lea Landolt
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Fussball, Fangis und Spass: Mädchen machen Sport über Mittag.

Fussball, Fangis und Spass: Mädchen machen Sport über Mittag.

Martin Töngi

Bälle fliegen durch die Turnhalle, Schülerinnen rennen wild durcheinander, kreischen und lachen. Es ist Mittagspause. Die gut zwanzig Mädchen gehen alle im Primarschulhaus Dreirosen in die 2. bis 5. Klasse. Seit dem 21. Oktober machen sie immer am Mittwoch über Mittag gemeinsam eine Stunde Sport.

Kursleiterin Milena Florentin bläst in die Trillerpfeife. Die Mädchen unterbrechen ihr Spiel, setzen sich in einen Kreis. Zum Aufwärmen gibt es eine Runde «Spalentor-Fangis». Wer den Fängerinnen nicht entkommt, muss mit gespreizten Beinen stehen bleiben und darauf hoffen, von einem anderen Mädchen befreit zu werden, das den Fussball durch das «Spalentor» zwischen den zwei Beinen «schuttet».

Zugang zum Sport ermöglichen

Das Mädchenfussballprojekt «Kick-It+» ist ein Angebot der Stiftung Idée-Sport, des Sportamts Basel-Stadt und der Christoph Merian Stiftung. Es richtet sich an alle Mädchen, welche die Primarschule Dreirosen besuchen. Die meisten von ihnen haben einen Migrationshintergrund. «Wir führen unser Projekt absichtlich an den Primarschulen Dreirosen und Kleinhüningen durch, weil wir hier auch jene Kinder erreichen, deren Eltern sich unter Umständen keine Mitgliedschaft in einem Sportverein leisten können», sagt Projektleiterin Isabelle Widmer.

Ziel von «Kick-It+» ist es, Mädchen aus bildungsfernen und sozial benachteiligten Familien den Zugang zum Sport zu ermöglichen. Denn wie eine Studie des Bundesamts für Sport zeigt, sind Mädchen mit Migrationshintergrund nur selten Mitglied in Sportvereinen und treiben weniger Sport als Schweizerinnen und Jungen mit Migrationshintergrund. Bei den 10- bis 14-jährigen Mädchen mit Migrationshintergrund treiben 25 Prozent nie Sport (Schweizerinnen: 13 Prozent), bei den 15- bis 19-Jährigen sogar 42 Prozent (Schweizerinnen: 21 Prozent). Die Studie zeigt aber auch: 57 Prozent der Ausländerinnen würden gerne Sport treiben und da setzt «Kick-It+» an: «Hier können Mädchen im Rahmen des freiwilligen Schulsports Fussball unter ihresgleichen spielen», sagt Isabelle Widmer.

Juniorcoachs als Brückenbauer

Als Nächstes steht ein Parcours auf dem Programm. Zusammen mit drei Juniorcoaches, alles Oberstufenschülerinnen an der Theobald Baerwart Schule, schleppen die Mädchen Bänkli, Matten, gelbe Pylonen und ein Goal in die Turnhalle. Dass die Stiftung mit Juniorcoaches zusammenarbeitet, ist Teil des Konzepts: «Die Oberstufenschülerinnen können so erste Arbeitserfahrungen sammeln», sagt Widmer.

«Andererseits sind sie Vorbilder und können dank ihres vielfältigen kulturellen Hintergrunds die Brücke zu den Primarschülerinnen schlagen.» Den drei Juniorcoaches scheint ihr Nebenjob Spass zu machen. Sie engagieren sich aus Freude am Fussball oder weil sie gerne mit Kindern arbeiten. Zusätzlich verdienen sie ein kleines Sackgeld – am Anfang fünf Franken, später, wenn sie mehr Aufgaben übernehmen, zehn Franken.

Unterdessen ist beim Slalom Fussspitzengefühl gefragt, beim Seilhüpfen Ausdauer und vor dem Goal Treffsicherheit. Die Wangen der Mädchen röten sich vor Anstrengung. Ganz ausgepowert sind sie aber noch nicht: Zum Schluss steht noch ein Fussballmatch auf dem Programm.