Bei welcher Temperatur wird Stickstoff flüssig? Sind Gummibärchen sauer oder basisch? Die Antworten auf diese und viele weitere Fragen aus den Fächern Chemie, Physik, Mathematik, Biologie und Informatik haben diese Woche 45 Mädchen im Rahmen von girls@science erhalten: bei -196 Grad Celsius. Und die Gummibärchen sind sauer.

«Coole» Experimente im Labor

Auf unzähligen Postern im Foyer des Grossen Hörsaals im Departement für Physik der Uni Basel präsentierten am Donnerstag die Mädchen die Resultate ihrer Forschung. Voller Begeisterung und stolz erklärten sie ihren – manchmal inhaltlich eher überforderten – Eltern, Grosseltern und Geschwistern, was die ADFGX-Verschlüsselung ist, wie Gegenstände versilbert werden, wie eine Farbstoffsolarzelle funktioniert und wie der Legoroboter programmiert wird.

Der spielerische Zugang zur ernsthaften Wissenschaft kam bei den 10- bis 13-jährigen Mädchen gut an. «Wir haben den Farbstoff aus Cola rausgenommen», sagt Fiona, eine der vier Baslerinnen. «Das war cool. Getrunken haben wir sie aber nachher nicht mehr.» Die 12-Jährige hat sich eine Woche lang mit Chemie beschäftigt, ein Fach, das sie in der Schule noch gar nicht hat.

Anders war das für Lisa, die in der Mathematik-Gruppe war. «Eigentlich mag ich Mathe in der Schule nicht so gerne», die Woche habe ihr aber gut gefallen. Übernachtet haben die Mädchen aus der ganzen Schweiz in der Jugendherberge unter Obhut von sechs Betreuerinnen.

«Das Lustigste war, dass wir zusammen etwas machen durften», sind sich die drei einig. Aber ob es denn später mal ein Studium im Bereich der MINT-Fächer – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft oder Technik – sein wird, da gehen die Meinungen auseinander. Während Lisa und Ladina mit «vielleicht» und «weiss nicht» antworten, hat sich nur Fiona bereits für ein deutliches «ja, das will ich mal» entschieden.

Nachwuchs früh fördern

Genau das ist das Ziel der Studienwochen girls@science und boys@science, die von der Stiftung Schweizer Jugend forscht seit 2008 und 2009 organisiert werden: die Nachwuchsförderung in den naturwissenschaftlichen Fächern. Ob das wirklich klappt? «Dazu haben wir noch keine Auswertungen», sagt Fabienne Odermatt, Projektleiterin bei Schweizer Jugend forscht. Die ersten Jahrgänge haben eben erst die Matura absolviert, eine Erfolgskontrolle sei geplant. Sicher ist aber, dass die Studienwochen sehr beliebt sind. «Wir haben pro freien Platz etwa drei Bewerbungen», sagt Odermatt.

Freude an den Forschungswochen haben auch die Wissenschaftler der Uni Basel, die die Mädchen und eine Woche später die Jungen betreuen. Einer von ihnen ist Jonas Schönle. Er doktoriert in Chemie auf dem Gebiet der Chrom-Bisterpyridin-Komplexe. Schönle: «Die Labortage mit den Kindern sind eine tolle Abwechslung, auch wenn es sehr stressig ist. Für die leuchtenden Kinderaugen lohnt sich der Aufwand.»