Die Öffentlichkeit schreckte auf, als im letzten August in Basel ein 21-jähriger Häftling im Handgemenge die Waffe eines Polizisten ergriff und sich selbst umbrachte: Der Mann hatte im April 2013 mit Sturmmaske, Spiegelbrille, Latexhandschuhen sowie einer Schreckschusspistole die Raiffeisenbank in Riehen ausgeraubt, und im letzten Sommer war er dabei, als man spätnachts bei der Catering-Firma der Messe Basel einen 310 Kilogramm schweren Tresor abgeschleppt hat.

Am Mittwoch sass nun sein 30-jähriger Kumpel vor Gericht, er hatte ebenfalls beim selben Caterer als Koch gearbeitet und mit dem Verstorbenen in einer Wohngemeinschaft gewohnt. Die Staatsanwaltschaft sieht ihn als Mittäter beim Bankraub: Kurz zuvor hatte er die Raiffeisenbank betreten, die Angestellten abgelenkt und dem Haupttäter während des Überfalles den Rücken freigehalten. Er hingegen betonte vor Gericht, er sei nur deshalb in der Bank gewesen, weil er seinen Freund vom Überfall habe abhalten wollen. Weshalb er allerdings am selben Abend rund 5000 Euro der gesamten Beute von 22'000 Euro erhalten hatte, konnte er vor Gericht nicht erklären.

Auf die Spur der Täter führte erst ein grosser Tresorklau: Im vergangenen Juni gingen die zwei Männer kurz nach Mitternacht bei ihrer Arbeitgeberin vorbei und transportierten mit einem Rollwagens und dem "geliehenen" Firmentransporter kurzerhand einen 310 Kilogramm schweren Tresor ab. Der 30-jährige erklärte dazu, der Arbeitgeber habe ihm Überstunden nicht korrekt ausbezahlt, und er sei lediglich auf der Suche nach Dokumenten gewesen. Den Tresor habe man dann spontan mitgehen lassen, geplant habe man das nicht.

In einem Arlesheimer Industriegebiet versuchten sie dann tagelang erfolglos, mit Kältespray, Winkelschleifer und Trennscheiben den Tresor aufzubrechen. Einem Lageristen fiel der herumstehende Firmenwagen auf, Ende Juni 2013 wurden die zwei Männer am Arbeitsplatz verhaftet. Wie sich herausstellte, befand sich in dem Tresor Bargeld von rund 250'000 Franken.

Staatsanwalt Sasha Stauffer verwies die Erklärungen des Mannes ins Reich der Märchen und forderte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten wegen bandenmässigen Diebstahles sowie der Mittäterschaft an einem schweren, bandenmässigen Raub.

Der Verteidiger hingegen betonte, es habe sich um ungeplante und teilweise verzweifelte Aktionen gehandelt. "Von einem gemeinsamen Tatplan der beiden Männer kann keine Rede sein", sagte er. Die Aktion mit dem Tresor habe sein Mandant aus Frust gestartet, er sei zuvor von seinem Arbeitgeber ausgebeutet worden. Wegen Diebstahl und Hehlerei sei eine bedingte Geldstrafe auszusprechen. Das Urteil wird am Donnerstag gefällt.