Frauenanteil

Männlich oder weiblich – wer wird Wessels' Nachfolge? Sozialdemokraten ringen mit der Frauenfrage

Wird die Nachfolge auf Wessels vielleicht doch weiblich sein?

Wird die Nachfolge auf Wessels vielleicht doch weiblich sein?

Wer soll auf Hans-Peter Wessels folgen? Die Favoriten sind Männer, doch der Ruf nach einer Frau ist lauter denn je. «Es geht darum, als Frau hinzustehen und zu sagen: Ja, ich kann und will das», ist die SP-Grossrätin Kerstin Wenk überzeugt.

Der angekündigte Rücktritt von Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels eröffnet eine Lücke im Regierungsrat. Noch ist nicht klar, wer von der SP sich kommendes Jahr den Sitz sichern will. Klar ist indes: Als favorisierte SP-Kandidaten werden Kaspar Sutter und Beat Jans gehandelt. Somit befinden sich zwei Männer an der Spitze im Rennen um den frei werdenden Posten. Das mag überraschen, ist die SP in letzter Zeit doch vor allem als Gleichstellungspartei aufgetreten.

Noch im Wahlkampf vor rund zwei Wochen machten sich die Sozialdemokraten explizit für ihre Frauen stark. Heute Abend wird die SP ein Speed-Dating veranstalten. Weibliche Parteimitglieder, die sich potenziell für eine Kandidatur bei den Grossratswahlen 2020 interessieren, können dort SP-Grossrätinnen all ihre Fragen zur Kandidatur und der Arbeit im Grossen Rat stellen. Von dieser sonst so präsenten Frauenförderung ist in der Diskussion um die Neubesetzung des Amts noch nichts zu sehen. Parteipräsident Pascal Pfister möchte einer allfälligen parteiinternen Diskussion nichts voranstellen. «Inwiefern die Geschlechterfrage zum Thema wird, wird sich zeigen», sagt er.

Ausserdem erwähnt er die 50:50-Quote, die die SP vor rund einem Jahr für all ihre internen und externen Posten festlegte. Da mit Tanja Soland allerdings schon einer von drei Sitzen im Regierungsrat mit einer Frau besetzt ist, hat diese Quote auf die Besetzung eines dritten Sitzes keinen Einfluss.

Parteiintern wird es zu Diskussionen kommen

Nationalrat Beat Jans sagt auf Anfrage, er werde sich für seine Überlegungen zu einer allfälligen Kandidatur genügend Zeit nehmen. Fragen zur Geschlechtervertretung werde er «selbstverständlich» in seine Überlegungen miteinbeziehen. Bei den SP-Frauen ist der Wunsch nach einer Frauenkandidatur derweil gross.

Noch sei das Thema parteiintern zwar nicht diskutiert worden, sagt die ehemalige SP-Grossrätin Dominique König, die sich als Vorkämpferin in Sachen Frauenrechte einen Namen machte. «Die Diskussion wird auf jeden Fall noch kommen.» Sie hofft auf eine Frauenkandidatur: «Ich würde es begrüssen, wenn die SP eine Frau portiert.» Bei der Wahl durch die Delegiertenversammlung werde sie deswegen wohl auch eine Frau unterstützen.

SP sieht auch die Bürgerlichen in der Pflicht

Eine, die offen Interesse an Wessels’ Amt bekundet, ist SP-Grossrätin Kerstin Wenk. «Ich denke, ein Wechsel hin zu zwei SP-Frauen und einem Mann liegt durchaus drin», sagt sie. Eine weitere Frau seitens SP in der Regierung wäre ein Signal nach aussen. «Es geht darum, als Frau hinzustehen und zu sagen: Ja, ich kann und will das.»

Auch Grossrätin Sarah Wyss hat Interesse am Posten geäussert. Grundsätzlich sei für sie die Geschlechterfrage in diesem Zusammenhang nicht vorrangig. Aufgrund der allgemeinen Unterrepräsentation der Frauen in der Politik würde sie eine Kandidatin allerdings begrüssen: «Wenn ein Mann und eine Frau mit den gleichen Kompetenzen antreten, würde ich die Frau bevorzugen.»

Grossrat Kaspar Sutter nimmt betreffend der Genderfrage die Bürgerlichen in die Pflicht: «Wenn Rot-Grün mit zwei Frauen und zwei Männern kommt, dann ist dies ein klares Zeichen für die Gleichstellung. Stark gefordert bei der Gleichstellung ist in Basel hingegen das bürgerliche Lager.» Und auch Dominique König sagt: «Es kann nicht sein, dass immer nur die linken Parteien Frauen aufstellen.» Hier brauche es ein Powerplay mit den Bürgerlichen. LDP, FDP und CVP besetzten zurzeit alle ihre Plätze mit Männern.

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