Fondation Beyeler
«Magazin»-Chefredaktor entlockt Gartenträume prominenter Künstler

Sie ist ein Blickfang, voller Lebendigkeit und dominiert gar den Berower Park der Fondation Beyeler in Riehen: Die zwölf Meter hohe Blumenskulptur von Jeff Koons zieht alle Blicke auf sich.

Christian Fluri
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Sie lebt und wuchert, Jeff Koons Blumenskulptur «Split Rocker». Jean-Jacques Nobs/Fondation Beyeler

Sie lebt und wuchert, Jeff Koons Blumenskulptur «Split Rocker». Jean-Jacques Nobs/Fondation Beyeler

«Split-Rocker» ist ein animalisches Janusgesicht – die eine Hälfte gleicht einem Pferd oder Pony, die andere einem Dinosaurier. Das prachtvolle, farbenreiche Kunstwerk ist gebaut aus einer Vielfalt an Blumen, aus Blumenerde, Geotextil und Chromstahl.

Jeff Koons hat es gemeinsam mit Gärtnern aus Basel-Stadt und Baselland zu seiner Ausstellung in der Fondation Beyeler eingerichtet. Das riesige Blumengebilde ist von praller, wuchernder Lebendigkeit. Zwischen den beiden Kopfhälften des zwiespältigen Wesens klafft ein dunkles Tor, das unsere Fantasie in leichten Schauer versetzt.

Ein Garten in Wort und Bild

«Split-Rocker» wird im Herbst welken und im Oktober aus dem Park der Fondation Beyeler verschwinden. Ein von der Fondation herausgegebenes prächtiges Magazin bewahrt die Erinnerung daran.

Das von Finn Canonica, dem Chefredaktor von «Das Magazin», redaktionell betreute Schmuckstück leistet darüber hinaus grossen Mehrwert: 17 Künstlerinnen und Künstler von Olaf Breuning über Miriam Kahn, Suhasini Kejrival, Claudia & Julia Müller, Pipilotti Rist bis zu Andro Wekua erzählen von ihrer Liebe zum Garten und nennen die Blumen, Bäume, Pflanzen, die ihnen besonders ans Herz gewachsen sind. Vom Schweizer Parfümeur Andy Tauer erfahren wir viel über die Düfte, die die Pflanzen aussenden – als sexuelles Lockmittel.

Die Freude der Betrachter

Jeff Koons erklärt im Interview mit Canonica, dass seine Skulptur in ihrer Monumentalität und schnellen Vergänglichkeit auch eine Kunst der Verschwendung sei. 2008 errichtete Koons «Split-Rocker» bereits im Park von Versailles, dieser Hochburg von barocker Kunst und schönster Verschwendung. Koons: «Ludwig XIV wäre der Typ gewesen, der sich so etwas wünscht.» Man stellt sich beim Lesen sein Lächeln vor.

«Split Rocker» sei im Versailles-Park gestanden «wie eine barocke Fantasie des Sonnenkönigs». Der US-Amerikaner will mit seiner Blumenskulptur – wie mit seiner Kunst überhaupt – vor allem eines erreichen: «Ich will die Freude in den Gesichtern der Betrachter sehen.»

Viel zur Pracht des Heftes tragen die kunstvollen Fotografien von Andri Pol bei. Die Garten-Betrachtungen der Publizisten Max Küng und Jakob Augstein runden das Ganze bestens ab. Und auf der Rückseite gibt es «Split-Rocker» zum Ausmalen.

«Split-Rocker»-Magazin Fondation Beyeler, Konzept: Finn Canonica und Michael Bader, 2012, Fr. 5.–.
Jeff Koons Ausstellung in der Fondation Beyeler, bis 2.September.