Vorfasnacht

Mal bitterböse, mal fast weltmeisterlich – s Mimösli unter Strom

Häschtäg Zwanzigachtzää – das Mimösli ist hoch modern und begibt sich auf die Weltbühne.

«Z Basel im Mimösli singe mir Kalinka us voller Bruscht.» Der Tenor forderte inbrünstig und gestenreich das Premierenpublikum zum Mitsingen auf. Der gegen Ende euphorisierte Saal gehorchte. «Kalinka, Kalinka» hallte es durch das Häbse-Theater. Immer schneller, immer lauter.

Es war ein würdiger Abschluss eines Abends, der das Publikum auf eine Reise mitnahm, vom Trottoir in der Dalbe und den noch immer parkierten Tesla in der Garage, über fliegende Schweizer Fussballer, weinende Italiener, stolze Franzosen, frustrierte Deutsche bis nach Russland zwischen Strenge und Lockerheit.

Unter dem Motto #2018 werden kein lokales Fettnäpfchen unkommentiert gelassen, keine Fussballversager verschont und alltagstypische Figuren überzeichnet dargestellt. Dabei wird immer wieder mit der Digitalisierung kokettiert, die auch ihre Tücken aufweisen kann. Davon kann insbesondere die Polizei ein Liedchen singen.

Im Prolog, der die Lachmuskeln des Publikums innert kürzester Zeit auf Betriebstemperatur bringt, kommentiert das Ensemble mit Häschtägs versehen die Schandtaten der Basler Politik, die Metoo-Debatte und natürlich die serbelnden rotblauen Kicker.

Auch musikalisch begibt sich das Mimösli auf Reisen, die vor den Toren Moskaus endet, wo das tenorische Gesangsquartett «Forellen» den Pfeiferinnen von «piccognito» zuerst streng den Marsch bläst, um nach ein paar Gläsern Wodka angeheitert ein musikalisches Fest zu feiern. Der hoch dekorierte Akkordeonist Vassily Dück läuft dabei zur Hochform auf.

Wie verwandelt

Rahmestiggli und die musikalischen Einlagen haben über die knapp drei Stunden eines gemeinsam: sie werden nach der Pause um mindestens eine Klasse besser. Während der erste Teil bis auf den Prolog von den Pointen her und auch musikalisch das gewisse Etwas vermissen lässt, trumpft der zweite Teil genau in diesen Bereichen auf. S Mimösli kommt dann wie verwandelt daher.

Die Trommel- und Pfeifeinlagen werden von soliden Vorstellungen zu fantasievollen und mit viel Witz aufgeführten Darbietungen. Gleich nach der Pause zelebrieren «d Rötzilisegge vo Stickstoff» mit «Hand und Fuess» Vorfasnachtsmusik in R(h)einkultur. Dafür brauchen sie nur gerade ihre Ellbogen, Arme, Hände, Finger, Füsse, Löffel, Teller und ein paar knackige Rüebli, um temporeich und schlagfertig ihren Hunger zu demonstrieren.

«Piccognito» pfeifen begleitet von Heinz Wirz am Piano ein WM-Medley der besonderen Art. Wer sagt denn, dass Piccolos immer am Mund gehalten werden müssen? «Bring en hei», «Karli no-ne Gool» und «Waka Waka» werden so zu weltmeisterlichen Fasnachtshits.

Treffpunkt auf dem Barfi

Nicht ganz weltmeisterlich, aber sicherlich bereits in guter Fasnachts-Frühform, präsentierten sich «d Muulwiirf» und «s spitzig Ryssblei» als Schnitzelbänke. Bitterböse singen sie über gehörnte Silbereisen, ferngesteuerte Teslas und die unter Strom stehenden BVB.

Das eingespielte Mimösli-Ensemble mit Häbse Hersberger, Dani von Wattenwyl, Maik van Epple, Nicole Loretan, Hedy Kaufmann, Carlos Amstutz und Michael Eckerle läuft vor allem in «079» und «KSIF» zur Hochform auf, als die Telefonkabinen auf dem Barfüsserplatz für den stets enttäuschten Bachelor mit Rose, dem fremdgehenden Ehemann, dem jungen Grossmaul Kevin und einem alten Mann auf der Suche nach Kleingeld zum Treffpunkt werden.

In «KSIF», einer «Kommission für mehr Swissness im Fussball», ringt der Fussballverband nach den Querelen um Lösungen. das Jubelproblem einiger Spieler einfach: «Einfach keine Tore mehr schiessen.»

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