Diesmal ist alles anders. Malayka liegt auf der Seite und hilft nicht mehr mit, als die Herde sie nach dem Sturz wieder auf die Beine hieven will. Schon in der Vergangenheit fiel die altehrwürdige Elefantendame wegen Gelenkproblemen und Lähmungserscheinungen immer wieder um, doch stets kam sie entweder mithilfe der Artgenossen oder spätestens durch einen Feuerwehreinsatz wieder auf die Beine. Diesmal nicht. Nach gut einer Stunde Gestupse und Berüssel lassen Leitkuh Heri und die anderen von der 47-jährigen Elefantendame ab und verschwinden im Elefantenhaus. Kein gutes Zeichen.

Malayka ist bereits mehrere Male hingefallen. Das Video zeigt ihre Stürze und die Hilfe der Herde im Dezember 2015 und im Januar 2016.

Malayka ist bereits mehrere Male hingefallen. Das Video zeigt ihre Stürze und die Hilfe der Herde im Dezember 2015 und im Januar 2016.

Malayka hat in ihrem Leben vieles gesehen. Sie kommt in der afrikanischen Wildnis zur Welt. Vermutlich 1971, vermutlich im Kruger-Nationalpark in Südafrika. Aber ganz genau weiss das niemand. Noch als Elefantenbaby wird sie eingefangen und nach Europa verfrachtet. Dort führt ihr Weg in die Schweiz zum Circus Knie. Malayka verbringt ihre Jugend mit Training und Shows und freundet sich während dieser Zeit mit den Menschen an. Das merkt man auch, als sie 1984 im Zoo Basel eine neue Heimat findet. Anders als viele andere Elefanten in Gefangenschaft vertraut sie den Pflegern blind. Auch Kinder dürfen auf dem grossen Elefanten mit den besonders langen Stosszähnen reiten. Im Sommer spritzt Malayka die Besucher gerne auch mal mit Wasser an – wenn die Pfleger es erlauben.

Doch mit Ausnahme der seltenen Wasserschlachten ist Gemütlichkeit Malaykas Credo. Nie hegt sie Ansprüche, die Leitkuh zu sein. Obwohl sie älter ist und schönere Stosszähne als Heri hat, überlässt sie ihr kampflos die Führungsrolle. Auch auf Nachwuchs hat Malayka keine Lust. Mutter wird sie nie. Mit dem neuen Basler Bulle Jack flirtet Malayka zwar gerne, doch ihr Zyklus hat längst ausgesetzt. Eigentlich wollen die Tierpfleger den neuen strammen Jungbullen und die alte Dame gar nicht erst zusammen lassen, doch Malayka und Jack treffen sich oft am Gatter, beschnuppern sich und halten Rüssel. Obwohl sie keine Kinder mehr kriegen kann, findet Jack Malayka spannender als den Rest der Gruppe. Auch als die Pfleger dann die Tore öffnen, begegnet Jack der alten Dame jederzeit mit Respekt.

Untersucht und verbrannt

Nach über dreissig Jahren traditioneller Zoohaltung kommt Malayka am Ende ihres Lebens in den Genuss der neuen Elefantenanlage. Dort blüht sie so richtig auf. An guten Tagen jagt sie sogar den rangniedrigeren Weibchen auf der Aussenanlage hinterher, doch am 3. Januar 2018 geht Malayka die Kraft aus. Sie mag nicht mehr.

Nachdem die Herde die am Boden liegende Malayka zurücklässt, entscheiden Zolli-Kurator Adrian Baumayer und sein Team, die alte Dame von ihrem Leiden zu erlösen. Mit einem Betäubungsgewehr narkotisieren sie Malayka, um sich der Patientin anschliessend zu nähern.

Durch einen Katheter hinter dem Ohr wird Malayka eine an ihr Gewicht von 3,75 Tonnen angepasste, überdosierte Menge eines Betäubungsmittels eingeflösst. Rund 1,5 Liter Flüssigkeit strömen in den Elefanten, der wenige Minuten später für immer einschläft. Am Donnerstagmorgen wird der Kadaver von der Feuerwehr per Hubstapler in eine Mulde geladen, abgedeckt und zur medizinischen Untersuchung in die Tierpathologie nach Bern gefahren. Dort wird der Leichnam untersucht und dann in der Tierkadaverentsorgungsstation in Lyss verbrannt.