Zukunftsberufe

«Man ist viel unter der Erde: in Kanälen oder Pumpstationen»

Viktor Barbosa lernt seit diesem Sommer, wie man das Basler Kanalsystem säubern und warten muss. Platzangst hat er keine.

Viktor Barbosa lernt seit diesem Sommer, wie man das Basler Kanalsystem säubern und warten muss. Platzangst hat er keine.

Auf dem Lehrstellenmarkt gibt es viele neue und überraschende Berufe. Viktor Barbosa absolviert seine Lehre als Entwässerungstechnolog. Die dreijährige Grundausbildung zum Entwässerungstechnolog fordert gute Noten in Mathematik und Deutsch.

Unter der Stadt Basel befindet sich ein rund 800 Kilometer langes System von Schächten, Rohren und Kanälen. Die einen sind eng, die anderen so gross, dass man sie begehen kann. Dort fliesst das Abwasser der ganzen Stadt in die Kläranlage. Eigentlich kein Ort, an dem man gerne sein möchte. Seit dem Beginn seiner Lehre im August arbeitet Viktor Barbosa genau dort. Denn diese Infrastruktur muss gewartet werden, auch damit die Umwelt vor den städtischen Abwässern geschützt wird. Die Reinigung und Wartung der Kanäle wird in Zukunft die Aufgabe des Entwässerungstechnologen sein. Ein Beruf, den es offiziell erst seit diesem Jahr gibt. Die ersten Entwässerungstechnologen werden in drei Jahren ihre Lehre abschliessen. Einer von ihnen ist Viktor Barbosa.

Er ist der erste Basler, der diesen Beruf beim Bau- und Verkehrsdepartement lernt. Dass vor ihm noch niemand diese Ausbildung gemacht hat, war für Barbosa kein Hindernis: «Ich bin durch das Branchenbüro auf den Beruf gestossen und die Schnupperlehre hat mich überzeugt.» Überzeugt hat ihn auch die Abwechslung, die der Beruf mit sich bringt: Mit der Kanalkamera die engen Rohre zu untersuchen gehört ebenso zur Arbeit, wie selbst in Vollmontur in die Dohle hinunterzusteigen. «Man ist viel unter der Erde: in Kanälen, Bauwerken oder Pumpstationen», erzählt Barbosa. Das läge nicht allen. «Das Wichtigste ist, keine Platzangst zu haben und keinen Ekel vor Dreck und Tieren wie Kakerlaken, Spinnen oder Ratten.» Von denen wimmelt es bekannterweise in der unterirdischen Welt.

Fitness, Deutsch und Mathe

Auch die unangenehmen Gerüche in den Abwassergängen haben lange am Image der Kanalarbeiter gekratzt und dürften so manchen abgeschreckt haben, sich den Beruf näher anzuschauen. Für Barbosa ist das kein Problem. Er beschwichtigt: «Man gewöhnt sich ziemlich schnell daran.» Wichtig sei jedoch, eine gute Ausdauer zu haben. «Wenn man unterirdisch arbeitet, hat man weniger Sauerstoff und deshalb ist die Arbeit anstrengender.»

Die dreijährige Grundausbildung zum Entwässerungstechnologen fordert eine abgeschlossene obligatorische Schulpflicht und gute Noten in Mathematik und Deutsch. Neu geschaffen wurde auch die zweijährige Ausbildung zum Entwässerungspraktiker. Das sind zwei neue Berufe der Kanalunterhaltsbranche. Diese ist überzeugt, dass in Zukunft die professionelle Wartung der Kanäle eine wichtige Rolle spielt.

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