«Es wird uns wahrscheinlich nicht in jedem Fall gelingen, eine Lösung zu finden», blickte Sicherheitsdirektor Baschi Dürr (FDP) am Mittwochabend vor Gewerbetreibenden in die Zukunft des Basler Verkehrskonzepts Innenstadt.

Ab Januar 2014 kommt man nur noch unter der Woche von 6 bis 11 Uhr und am Samstag von 6 bis 9 Uhr motorisiert in die Basler Innenstadt. Taxis, Hotelgäste und Gehbehinderte dürfen weiterhin immer ohne Bewilligung zufahren, wie auch die Anwohnerschaft und Mieter von Parkplätzen.

Eine Bewilligung benötigt man für Baustellen, Veranstaltungen oder als Handwerker und in dringenden Fällen. Private Gesundheits- und Sicherheitsdienste sowie Marktfahrer erhalten Dauerbewilligungen.

Dürr sieht auch Härtefälle, «die politisch nicht genügen». Sprich: Fälle, die eintreffen werden, aber von den Politikern so nicht gewollt waren.

«Wenn Sie für eine Veranstaltung Canapés anliefern müssen, erhalten Sie selbstverständlich eine Bewilligung», nannte Beat Loosli, Leiter des Einsatzzuges der Polizei, ein konkretes Beispiel.

Bei einem anderen Frischprodukt wird aber keine Ausnahmebewilligung zugelassen: Den Blumen. Serge van Egmond von Blumen Dufour machte eine Wettbewerbsverzerrung geltend: «Wenn wir nach 11 Uhr keine Kunden mehr beliefern können, bzw. frische Blumen anliefern lassen können, ist die Hälfte des Umsatzes weg. Ich kann die Blumensträusse nicht per Hand verteilen.» Für seine letzte Aussage: «Man wird aus der Stadt gedrängt wie im Mittelalter», erhielt er Applaus.

Sandro Hoffmann repariert Kassensysteme, auch für Kunden in der Innenstadt. «Die Kasse sucht sich aus, wann sie kaputt geht», meinte er, in Anspielung darauf, dass nur von 6 bis 11 Uhr zugefahren werden darf.

«Kriege ich dafür eine Dauerbewilligung? Eine Kurzbewilligung braucht ja 24 Stunden bis zur Ausstellung.» Klare Antwort von Loosli: «Nein». Der provokative Zwischenruf: «Dann ist ja gut, dass wir alle nur halbtags arbeiten». Gelächter. Spontaner Applaus.

Ein ähnliches Problem hat ein Zahnarzt in der Freien Strasse, wenn er Notfalldienst hat. «Muss ich meinen Patienten sagen, dass sie zuerst eine Zufahrtsbewilligung lösen müssen?» «Ihre Patienten können den Verkehrsdienst vorher anrufen, dann gibt es keine Busse», erläuterte Bernhard Frey Jäggi, Leiter Verkehr bei der Kantonspolizei Basel-Stadt.

Jedes Mal eine Bewilligung zu lösen, koste Geld, wirft ein Zuhörer ein. «Ja», die klare Antwort von Frey Jäggi. Zwanzig Franken kostet eine Bewilligung, es können aber gleich mehrere Daten in einer Bewilligung aufgenommen werden.

Für einzelne Gewerbetreibende ist klar, dass es nicht das Gewerbe ist, das die Innenstadt verstopft, sondern die Auswärtigen. Von der Polizei wurde mehr Durchgreifen gefordert. Mit den restriktiven Zufahrtszeiten am Morgen, wird in dieser Zeit die Innenstadt mit Lieferwagen zugeparkt sein.

Ein Veranstaltungsbesucher forderte die Anwesenden zu einer kleinen Abstimmung auf: «Wer das toll findet, soll die Hand erheben!». Alle Hände blieben unten. «Wer das eine Katastrophe findet, soll die Hand erheben!». Vielen Hände schossen in die Höhe.

Ein anderer provozierte Regierungsrat Dürr mit den Worten «Haben Sie Angst sich zu stellen», da er nicht aktiv in die Diskussion eingriff.

Dürr erklärte sachlich und ruhig: «Das sind die politischen Vorgaben, ob sie richtig oder falsch sind.» Oder wie es Frey Jäggi vorher ausdrückte: «Als treue Staatsdiener folgen wir dem Grossen Rat».

Für einen älteren Geschäftsinhaber war nach der Veranstaltung klar: «Ich werde mein Geschäft aufgeben». Er sagte es, mochte sich nicht weiter erklären und trottete wie ein geprügelter Hund aus dem Saal.