Herr Mutschler, worüber plaudern wir?

Über Glaube.

Woran glauben Sie?

Ich sage immer: Man muss nicht glauben, sondern wissen. Ich bin ein Mensch der Taten, der aufgrund von Informationen, die er sich verschafft, agiert. Der Glaube füllt oft diese Lücke zwischen Unwissenheit und Information. Mein Bestreben war es stets, diese Lücke zu füllen.

Klingt sehr kopflastig.

Stimmt, ich bin ein Kopfmensch. Es gibt aber auch Situationen, da höre ich auf meinen Bauch. Die Mischung ist entscheidend. Wenn man sich zu stark auf Fakten verlässt, gehen Emotionen verloren. Und die sind im Leben auch wichtig.

Sie traten im 2016 den Job als Manager des Stücki Areals an mit dem wankenden Einkaufszentrum. Was hat Sie daran glauben lassen, dass Sie das Steuer herumreissen können? Und hat da auch der Bauch mitgeredet?

Ja, sicher. Das gute Gefühl hat überwogen. Mir lagen damals die Informationen der Eigentümerin des Areals vor, dass das Einkaufszentrum und die bestehenden Labor- und Bürogebäude unter der Leitung von Wincasa zum Stücki Park umgewandelt wird. Einem Zentrum für Innovation, Erlebnis, Gesundheit, Gastronomie und Einkauf, einem Wirtschaftsstandort, wo dereinst 4000 Menschen arbeiten, einkaufen, ihre Freizeit verbringen. Wären mir diese Informationen nicht vorgelegen, hätte ich diese Herausforderung mit meinem Team nicht angenommen. Alleine der Glauben, dass etwas gut kommt, reicht nicht.

Haben Einkaufscenter in der Schweiz gar keine Zukunft mehr?

Das lässt sich meines Erachtens nicht mit «Nein» oder «Ja» beantworten. Der Erfolg hängt von so vielen Faktoren ab, vom Standort, vom Einzugsgebiet vom Potenzial einer Region, von der Einzigartigkeit des Angebots. Wenn es das sonst in einer Region nicht gibt, kann das durchaus Konsumenten anziehen.

Zwischen dem Euro-Airport und Saint-Louis soll 2024 ein riesiges Einkaufszentrum eröffnen. Wie schätzen Sie dessen Erfolgschancen ein?

Mir liegen nicht genug Informationen vor, um das zu beurteilen.

Was sagt Ihr Bauchgefühl?

(lacht) Persönlich war ich schon erstaunt ob der Grösse. Und im Hinblick darauf, dass ja auch in Weil ein Einkaufszentrum gebaut wird, ist das sicher mutig. Andererseits: Wenn man die Entwicklung in dieser trinationalen Region anschaut und was noch alles entstehen wird in den kommenden Jahren, sehe ich durchaus Chancen, dass ein Center von diesem Format funktionieren kann. Es muss indes unbedingt, wie ich vorher gesagt habe, ein Angebot kommen, das nicht austauschbar ist, das es nicht bereits überall gibt, insbesondere nicht in der Region.

Wo kaufen Sie eigentlich ein?

Ich nutze sämtliche Kanäle, mag aber den klassischen Weg, also in den Laden zu gehen und persönlich beraten zu werden. Es gibt für mich nichts Schöneres, als samstags über den Markt zu schlendern. Nicht nur in Basel auf dem Marktplatz. Auch in Saint Louis und Lörrach sind die Märkte wirklich toll. Aber klar: Auch ich habe schon online eingekauft, allerdings eher selten. Es macht mir nicht so Spass. Da fehlt die Interaktion mit einem Verkäufer, das Schwatzen mit einem Markthändler.

Hand aufs Herz: Als Sie noch nicht hier arbeiteten, sind Sie mal ins Stücki-Center einkaufen gegangen?

Vielleicht zwei oder drei Mal. Ich wohne in Oberwil, das Einkaufszentrum lag nicht auf dem Weg und es bot auch wenig an, dass ich nicht an einem anderen Ort hätte bekommen können. Das Angebot war eben zunehmend austauschbar...

...und damit zurück zum Stücki Park. Eine grosse Baustelle zurzeit. In vier Jahren soll die Transformation abgeschlossen sein, die zweite Bauphase steht gerade an. Wird der Zeitplan eingehalten?

Ja, wir sind sogar schneller unterwegs. Gerade war die Aufrichte der ersten zwei von vier zusätzlichen Büro- und Laborgebäuden. Schon jetzt sind positive Effekte der Verwandlung spürbar.

Zum Beispiel?

Das Village, das Dorf im ehemaligen Center, wo wir jetzt sitzen, ist fast vollvermietet. Der Raum ist luftiger geworden, die Besucherfrequenz gut. Und alle reagieren positiv, Besucher, Mitarbeiter, Anwohner. Das Multiplex-Kino, das jetzt gebaut wird, wird auch viele Leute anziehen.

Heute geht doch niemand mehr ins Kino.

Der Betreiber hat sich für diesen Standort entschieden. Ich bin überzeugt, dass es gut wirtschaften wird. Ausserdem können die Räume für Events und Seminare gebucht werden.

Wie steht es um das gastronomische Angebot? Das soll im kommenden Jahr hier im Bereich des Village deutlich ausgebaut werden, angesichts der vielen Menschen, die im Stücki Park bald arbeiten werden. Welche Formate kommen?

Wir stehen noch in Verhandlungen, deshalb will ich heute noch nichts dazu sagen.

Was glauben Sie: Wann wird die Basler Bevölkerung beim Namen «Stücki» nicht mehr an ein leeres Einkaufszentrum denken, sondern an einen Wirtschaftsstandort?

Oh, das braucht Zeit. Und ein grosses Engagement meines Teams, um ein Umdenken herbeizuführen. Unsere Absicht ist es etwa, mit speziellen Events den Besuchern die neue Vielfalt des Parks bekannt zu machen, damit sie die Veränderung sehen. Das können dereinst Indoor-Samstagsmärkte sein oder auch Blues-Konzerte am Samstag. Areal-Management hat auch viel mit Inszenierung zu tun.

Sie haben zu Beginn dieses Gesprächs gesagt, man muss nicht glauben, sondern wissen. Dann nehme ich an, dass Sie auch nicht gläubig sind.

Nein. Aber ich bin immer noch Mitglied der Kirche, ich bin Protestant.

Warum treten Sie nicht aus?

(überlegt lange) Weil ich überzeugt davon bin, dass die Kirche vielen Menschen eine Stütze sein kann. Da leiste ich gerne einen Beitrag.