Körperverletzung
Mangels Beweisen wird Bar-Rouge-Türsteher freigesprochen

Was genau in einer Nacht im September 2012 vor dem Basler Messeturm passiert ist, wird wohl nie genau geklärt werden: Das Strafgericht sprach gestern einen 32-jährigen Sicherheitsangestellten der Bar Rouge mangels Beweisen von allen Vorwürfen frei.

Patrick Rudin
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Der Türsteher der Bar Rouge soll laut Anklage Körperverletzung begangen haben.

Der Türsteher der Bar Rouge soll laut Anklage Körperverletzung begangen haben.

Keystone

Angeklagt war er wegen Körperverletzung: Er soll einem Betrunkenen sein Knie mit voller Wucht in dessen Kopf gerammt haben. Als gegen ein Uhr morgens die Polizei eintraf, blutete das Opfer jedenfalls, im Spital diagnostizierte man später einen Kieferbruch.

Laut dem Polizeirapport liess man die insgesamt fünf Security-Leute der Bar Rouge kurz antreten, das Opfer identifizierte daraufhin an Ort und Stelle den 32-Jährigen als Täter. Blutspuren konnte die Polizei allerdings bei keinem der Verdächtigen entdecken.

"Ich war der Grösste in der Gruppe. Und der Betrunkene hat auf mich gezeigt", meinte der Angeklagte dazu gestern vor dem Basler Strafgericht schulterzuckend.

Zeugen sprechen für Angeklagten

Er bestritt allerdings, zuvor an dem Abend überhaupt Kontakt mit dem Betrunkenen gehabt zu haben. "Wir waren zu fünft -- zwei unten und drei oben. An dem Abend war ich gar nicht unten beim Eingang, ich arbeitete oben in der Bar", sagte er.

Auch ein Arbeitskollege bestätigte gestern als Zeuge, der Angeklagte sei erst heruntergekommen, als die Polizei bereits da war. Er selbst habe den Betrunkenen nicht reinlassen wollen, daraufhin sei dieser beleidigend geworden, habe sich schliesslich auf den Boden geworfen und dann die Polizei angerufen.

"Er hat schon geblutet als er bei uns angekommen ist", sagte der Zeuge.

Das Opfer identifizierte den Angeklagten vor Gericht als Schläger, meinte allerdings, er habe erst nach dem Schlag dessen Gesicht gesehen. An die damalige nächtliche Identifizierung mit der Polizei konnte er sich nicht erinnern.

Getrunken habe er in dieser Nacht nicht viel, allerdings mass man damals bei ihm einen Blutalkoholgehalt von 1,7 Promille. Ob es eine längere verbale Auseinandersetzung gab war unklar: Das Opfer sprach fliessend Dialekt, die beiden Sicherheitsangestellten hingegen benötigten für die Gerichtsverhandlung eine Dolmetscherin.

Kostenloser Freispruch

Die Staatsanwaltschaft hatte wegen einfacher Körperverletzung eine bedingte Freiheitsstrafe von 12 Monaten gefordert. Der Verteidiger des Sicherheitsangestellten betonte, sein Mandant arbeite schon seit vier Jahren ohne Vorkommnisse in diesem Bereich, und die blossen Aussagen seien für eine Verurteilung nicht ausreichend.

Einzelrichter Lucius Hagemann sah das ebenso und fällte daher einen kostenlosen Freispruch, auch die Verteidigerkosten gehen zu lasten des Staates. Die Täteridentifizierung durch das Opfer sei zweifelhaft geblieben, auch die Grössenangaben würden nicht auf den Angeklagten zutreffen.

Klar sei nur, dass das Opfer vor dem Messeturm durch einen Schlag verletzt worden war. Sowohl die Staatsanwaltschaft wie auch das Opfer können den Freispruch noch weiterziehen.