Die Alben und Bücher von Mani Matter sind das tollste Kapital und haben für die schönsten Erfolge des Berner Zytglogge-Verlags gesorgt. Doch auch wenn nun Zytglogge an den Basler Schwabe-Verlag verkauft wird, müssen Fans nicht bangen: Zytglogge bleibt als Name und als Aktiengesellschaft erhalten – und damit kann man die CDs und Bücher von Mani Matter und all den anderen Zytglogge-Autoren und Chansonniers weiterhin an den gleichen Orten kaufen.

Hinter den Kulissen ändert sich aber einiges. Der Verlag gehört nun dem als Sachbuch-Verlag bekannten Schwabe, neu wird Thomas Gierl, der Schwabes jungen Belletristik-Verlag Johannes Petri leitet, auch für Zytglogge verantwortlich sein. Und doch scheint es, dass hier eine zukunftsfähige Liaison geschlossen wurde. Was man von anderen Verlagsübernahmen ja nicht unbedingt sagen kann. Erinnert sei an den Basler Wissenschaftsverlag Birkhäuser, der an Springer verkauft wurde, teilweise weiter- und weiterverkauft wurde – und von dem ausser dem Namen nicht mehr viel übrig blieb.

Der aufmüpfige Kleine

Zytglogge – das Label gibts seit 49 Jahren – ist eine Erfolgsgeschichte. Gegründet wurde er einst im Zytglogge-Theater, daher der Name, um Platten der Berner Chansonniers aufnehmen und vertreiben zu können. Auch Dodo Hug, Linard Bardill, Pippo Pollina und Marco Zappa sind bei Zytglogge.

Aus der Musik-Edition hatte sich unter der Leitung von Mitbegründer Hugo Ramseyer ein kleiner, aber geachteter Verlag entwickelt. «Wir waren stets bekannt für ein besonderes und etwas aufmüpfiges Programm», sagt Ramseyer. «Wir haben Autoren aufgebaut und populärwissenschaftliche Bücher über Theologie und Erziehung herausgegeben.» Das soll so bleiben. Und wenn die Berner Leserinnen und Leser um die lokale Schiene des Kleinverlages fürchten, beruhigt Thomas Gierl: «Bei Johannes Petri werden wir weiterhin Baslerisches herausgeben, bei Zytglogge Bernerisches. Aber sonst braucht es schon ein Feintuning, um die beiden Programme abzustimmen.» Krimis, Kinderbücher, primär Unterhaltendes werde wohl eher bei Petri sein.

Hugo Ramseyer wird dabei mitreden. Er bleibt – wie auch Bettina Kaeslin Ramseyer – im Verwaltungsrat. Und auch wenn die Übergabe erst im Juli 2015 stattfindet, wird er schon das Frühjahrsprogramm 2015 zusammen mit Thomas Gierl planen und weiterhin für «seine» Autoren als Lektor arbeiten.

Bekannte Autoren

Das mag in deren Ohren wie Weihnachten klingen – hatte Ramseyer doch diesen Sommer für sein Jubiläumsjahr 2015 einen Produktionsstopp angesagt und damit Leserinnen wie Autoren erschreckt – aber auch andere Verlage aufgeweckt. «Es haben sich spontan viele Interessenten gemeldet», erinnert sich Ramseyer. «Und so haben wir die Gelegenheit gepackt, um gleich eine Nachfolgelösung zu planen.» Einer der Interessenten war Schwabe-Inhaber Ruedi Bienz. «Der ist nicht gleich mit dem Checkbuch hergerannt», betont Verlagsleiter Thomas Gierl, sondern habe das Gespräch gesucht. «Und mit gutem Gespür die Einigung gefunden», sagt Ramseyer. Über den Verhandlungspreis wurde Stillschweigen vereinbart. Klar ist aber, Zytglogge gehört mit einem Jahresumsatz von einer bis anderthalb Millionen Franken zu den Kleinverlagen, ist aber doch deutlich grösser als der Johannes-Petri-Verlag mit 400'000 Franken Umsatz.

«Unser Programm kann eine gute Ergänzung bilden», ist der Zytglogge-Gründer überzeugt. Die Basler bekommen neu eine populäre und dank Mani Matter & Co. auch funktionierende Musik-Schiene. «Wir haben in puncto biografische Bücher und historische Romane gute Namen im Programm – gerade auch, weil wir viele Autorinnen und Autoren aufgebaut haben», sagt Ramseyer.» Maja Beutler, Gerhard Meier, Ernst Burren oder Franz Hohler sind literarische Urgesteine, die bei Zytglogge ihr treues Publikum haben. Auch populäre Schreiber wie Bernard Thurnheer oder Gisela Widmer kamen bei Zytglogge unter. Und neu passt Andreas Neeser mit seinem neuen Mundartbändchen bestens ins Programm. «Was die Mundart anbelangt, haben die Basler noch Aufholbedarf», meint Ramseyer im breiten Berndeutsch. An das werden sich die Basler gewöhnen – und wohl auch Mani Matter nicht auf Baseldeutsch umsynchronisieren.