Strafgericht

Mann erhält knapp fünf Jahre für Messer-Attacke auf der Claramatte

Dreimal stiess der Mann seinem Kontrahenten mit dem Messer in den Rücken. (Symbolbild)

Dreimal stiess der Mann seinem Kontrahenten mit dem Messer in den Rücken. (Symbolbild)

Im vergangenen Juli rammte ein Mann einem Kontrahenten auf der Claramatte dreimal ein Messer in den Rücken. Gestern erhielt er dafür eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten.

Es war ein simpler Streit unter leicht Angetrunkenen auf der Claramatte an einem lauen Sommerabend: Ein Mann mischt sich ein, während ein anderer Mann in Ruhe mit einer Frau plaudern möchte. Der Streit wird schärfer, es wird geschubst, es setzt Ohrfeigen, doch irgendwann kann die Gruppe den Streit halbwegs schlichten und es kehrt wieder Ruhe ein. Doch plötzlich eskaliert die Geschichte: Der geohrfeigte 31-Jährige entfernt sich, kehrt wieder zurück und rammt seinem Kontrahenten ein Messer in den oberen Rücken. Danach flieht er.

Als der 31-Jährige wenige Minuten später von der Polizei an der Feldbergstrasse verhaftet wurde, fand man weder die Tatwaffe noch Blutspuren an den Kleidern. Das Opfer erlitt drei Stichverletzungen oberhalb des rechten Schulterblattes, mindestens zwei dieser Stiche führten zur Öffnung der rechten Brusthöhle mit einem entsprechenden Kollaps des Lungenflügels. Laut einem Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin war die Verletzung akut lebensgefährlich. Das Opfer konnte nach rund zwei Wochen wieder aus dem Spital entlassen werden.

Gestern vor dem Strafgericht bestritt der 31-jährige die Stiche, die ganze Gruppe der Claramatte hätte ihn fälschlicherweise beschuldigt.

«Warum sagen die denn alle, Sie haben mit dem Messer zugestochen?», fragte ihn Gerichtspräsident Lucius Hagemann. Er zuckte mit den Schultern und murmelte, er habe nichts gemacht. Auch seine Verteidigerin betonte, es bestünden Zweifel an der Täterschaft ihres Mandanten. «Man darf nicht einfach jemanden verurteilen, weil man keinen anderen hat, der es gewesen sein könnte», meinte sie. Falls ihn das Gericht dennoch verurteile, solle man einen milder zu bestrafenden versuchten Totschlag in Betracht ziehen: Der Mann habe nachweislich drei Ohrfeigen kassiert, die zur Verletzung seines Trommelfells geführt hätten. Er habe entsprechend in einer heftigen Gemütsbewegung überreagiert.

Staatsanwalt Sasha Stauffer hingegen forderte wegen versuchter vorsätzlicher Tötung eine Freiheitsstrafe von 6,5 Jahren. Die Zeugen seien glaubwürdig, er habe dreimal auf einen wehrlosen Menschen eingestochen. Es sei lediglich dem Zufall zu verdanken, dass das Opfer überlebt habe.

Die fünf Richter fällten einen Schuldspruch wegen versuchter vorsätzlicher Tötung, beliessen es aber bei einer Strafe von vier Jahren und neun Monaten. Das Gericht ging von Eventualvorsatz aus, der Mann habe den Tod des Kontrahenten in Kauf genommen. Das Opfer erhält eine Genugtuung von 5000 Franken. Wie Lucius Hagemann sagte, habe das Gericht keine Zweifel an der Täterschaft gehabt. «Er hat dreimal heftig zugestochen. Das unterstreicht die Ernsthaftigkeit der Attacke», so Hagemann. Der Mann war erst im vergangenen Februar wegen Körperverletzung bereits zu einer bedingten Strafe von elf Monaten verurteilt worden: Diese Strafe muss er nun ebenfalls absitzen. Das gesamte Urteil kann er noch weiterziehen, doch auch die Staatsanwaltschaft kann in der zweiten Instanz noch ein höheres Strafmass verlangen.

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