«Es ist erstaunlich, dass beim Gewicht des Fahrzeugs nicht noch mehr passiert ist», sagte Gerichtspräsident Roland Strauss. Die drei Richter kamen zum Schluss, dass die 28-jährige Frau im Oktober 2017 gegen vier Uhr morgens einem betrunkenen Mann auf dem Trottoir zweimal übers Bein gefahren ist.

Zuvor hatte der Mann sie massiv beleidigt; sie passte ihn später mit ihrem Range Rover vor der Kantonalbank am Blumenrain ab. Nebst unabhängigen Zeugen liess sich die Tat auch durch Aufnahmen einer Überwachungskamera rekonstruieren. Das Gericht fällte einen Schuldspruch wegen versuchter schwerer Körperverletzung: Die Frau habe zwar nicht direkt beabsichtigt, den Mann zu verletzen, durch die «gefährliche Aktion» habe sie dies aber in Kauf genommen. «Das Vorgehen ist verwerflich. Es ist sehr gefährlich, das Auto als Waffe zu benutzen. Sie selbst hat sich in diesem Moment keinem Risiko ausgesetzt», sagte Strauss dazu.

Verzicht auf Landesverweis

Er räumte ein, es wäre allerdings nie so weit gekommen, wenn der Betrunkene die Frau zuvor nicht massiv beleidigt hätte. Grundsätzlich befanden die Richter den Antrag des Staatsanwalts auf eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten für angemessen. Ein vorstrafenfreies Vorleben wird normalerweise neutral gewertet, doch hier gaben die Richter nochmals einen Rabatt und kamen so schliesslich zu einer bedingten Strafe von 15 Monaten. «Das Gericht geht davon aus, dass es ein einmaliger Vorfall war», sagte der Gerichtspräsident. Weil die türkische Staatsbürgerin in Basel geboren und aufgewachsen ist, verzichtete das Gericht auf den im Gesetz zwingend vorgesehen Landesverweis. «Sie lebt hier mit Ehemann und Kind, hat eine Stelle und ist bestens integriert.

Der Härtefall ist offensichtlich», so Strauss. Die Frau hatte Pläne, sich einbürgern zu lassen. Diese wird sie vorerst auf Eis legen müssen. Dem Opfer muss sie 2200 Franken plus Anwaltskosten bezahlen, auch muss sie die Verfahrenskosten von rund 14’000 Franken übernehmen. Die verurteilte Frau kann den Schuldspruch noch weiterziehen.