Strafgericht

Mann muss Geldstrafe bezahlen, weil er Polizisten mit Laserpointer blendete

Laserpointer können sehr gefährlich sein. (Symbolbild)

Laserpointer können sehr gefährlich sein. (Symbolbild)

Ein Mann blendete im Gundeli mit einem Laserpointer eine Tramführerin und die Polizei. Vor Gericht wurde die Tat zwar nicht als versuchte Körperverletzung taxiert, doch auch nicht als Bagatelle. Der Angeklagte muss eine Geldstrafe zahlen.

Das Ding sieht aus wie ein leicht überdimensionierter Kugelschreiber, und der 23-jährige Besitzer hatte es von einem Unbekannten im Kleinbasel gekauft -- dabei habe der den Kaufpreis von 50 auf 30 Franken runtergehandelt. Doch der Kugelschreiber ist ein Laserpointer der stärkeren Sorte, und erste Leuchtversuche in der Nacht hatten ein teures Ende.

«Es war eine Dummheit. Ich wollte einfach ein wenig rumspielen», sagte der 23-Jährige am Montag vor Gericht. Im März 2012 zielte er mit seinem Laserpointer spätabends am Tellplatz im Gundeldinger Quartier auf die Führerkabine eines in Richtung Stadt fahrenden 16er-Trams. Wenige Minuten später leuchtete er bei der Haltestelle Bruderholzstrasse in die Gundeldingerstrasse hinein und blendete so die Fahrer zweier Autos. In beiden Fahrzeugen sassen allerdings Polizisten, und bei der Personenkontrolle fand man den Laserpointer wenige Meter vom Mann entfernt unauffällig auf einer Mauer liegen.

Augenlicht nicht gefährdet

Die Staatsanwaltschaft sah einen richtungsweisenden Musterfall: Sie klagte den Mann unter anderem wegen versuchter schwerer Körperverletzung an. Er habe in Kauf genommen, bei den Fahrzeuglenkern irreversible Augenschäden zu verursachen. An der Hauptverhandlung selbst trat sie nicht auf, sie verlangte aber schriftlich eine Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung.

Das Eidgenössische Institut für Metrologie hatte den Laserpointer tatsächlich als gefährlich (Klasse 3b) und ungenügend gekennzeichnet eingestuft. Der Grenzwert punkto Augengefährdung würde allerdings nur erreicht, wenn ein Sicherheitsabstand von 40 Metern unterschritten werde. «Hier betrug der Abstand im ersten Fall 200 Meter, im zweiten Fall mindestens 150 Meter. Das ist ein Vielfaches der empfohlenen Sicherheitsabstände», fasste Gerichtspräsident Dominik Kiener zusammen. Deshalb sei das Augenlicht objektiv gesehen nicht gefährdet gewesen, zudem könne man auch nicht von einer versuchten Körperverletzung ausgehen.

«Es war mehr naiv als kriminell», meinte Kiener. Dennoch reichte es für eine Verurteilung wegen Störung des Verkehrs sowie Gewalt gegen Beamte: Der Mann wusste zwar nicht, dass Polizisten im Auto sassen, doch die Tramführerin gilt strafrechtlich als Beamte. Die Geldstrafe von 120 zu 90 Tagessätzen wurde bedingt ausgesprochen, doch eine bedingt ausgesprochene Vorstrafe von knapp 3000 Franken wurde widerrufen. Dazu kommen rund 2000 Franken an Verfahrenskosten.

Erstes solches Urteil in der Schweiz

«Früher hat man als Pfadi mit der Maglite im Wald herumgestrahlt. Sie sind aber nicht mehr 14, sondern 23 Jahre alt», sagte Kiener. Problematisch seien die Geräte auch, weil damit an Demonstrationen regelmässig Polizisten behindert würden. Die Basler Polizei beschloss im vergangenen Dezember, für ihre Mitarbeiter 200 Schutzbrillen zum Stückpreis von 1000 Franken zu kaufen. Sowohl der Verurteilte als auch die Staatsanwaltschaft können das Urteil noch weiterziehen.

Es war bislang die erste Verurteilung eines Gerichts in der Schweiz wegen einer Blendung mit einem Laserpointer. Das Eidgenössische Starkstrominspektorat hat im Jahr 2011 die Einfuhr von Laserpointern der Klasse 3b und stärker verboten. Über ein generelles Besitzverbot streitet die Politik auf Bundesebene seit Jahren.

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