Vor dem Basler Strafgericht wehrte sich am Montag ein alter Hase im Geschäft gegen einen Strafbefehl: Die Staatsanwaltschaft hatte eine bedingte Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu 50 Franken sowie eine Busse von 1400 Franken ausgesprochen.

An Vorträgen verkaufte er in den Jahren 2011 und 2012 für 2900 Franken Präsentationskoffer, mit denen die Vorteile von LED-Leuchten gegenüber herkömmlichen Glühbirnen demonstriert werden sollten. Zusätzliche Leuchtmittel konnten die Verkäufer über einen internen Webshop beziehen. Der Zeitpunkt schien günstig, ein generelles Verbot der Glühlampen war in die Nähe gerückt.

Doch nicht nur mit Klinkenputzen im Freundeskreis oder bei Haushalten liess sich Geld verdienen, sondern auch mit dem Anwerben von weiteren Verkäufern: 800 Franken war die Provision pro Koffer, dazu kam eine Beförderung vom «Sales Representatives» zum «Supervisor». In den Präsentationen war die Rede vom «passiven Einkommen».
Der Mann bestritt aber vor Gericht, dass das Anwerben das Hauptziel gewesen sei. «Jeder durfte höchstens drei Koffer verkaufen, denn niemand kann zehn Personen gleichzeitig seriös betreuen. ‹Passives Einkommen› ist ein Fachwort im Network-Marketing, das man falsch verstehen kann», sagte er.

Auch aggressive Verkaufsmethoden bestritt er energisch, von 100 Teilnehmern seien vielleicht 20 ins Geschäft eingestiegen. «Wenn man Druck ausübt, dann hat man eine Abschlussquote von 80 Prozent. Das weiss ich aus früheren Erfahrungen», betonte er. Dass die Staatsanwaltschaft sein Geschäft einmal mit einem Schenkkreis verglichen hatte, bezeichnete er als Frechheit. Auch für das Eidgenössische Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hatte er nur Spott übrig - man habe ihm nie klar Auskunft erteilen können, was er denn dürfe.

Einzelrichter André Equey bestätigte jedoch den Strafbefehl, er reduzierte einzig die Busse auf 600 Franken. «Das Anwerben von neuen Teilnehmern stand klar im Vordergrund», urteilte er. Strafbar sei dies allerdings erst seit April 2012 gewesen. Einen Freispruch gab es hingegen für das Führen eines unseriösen Doktortitels. Der akademische Grad sei zwar offensichtlich auf den British Virgin Islands gekauft worden, doch die Baselbieter Staatsanwaltschaft hatte vor Jahren das Verfahren deswegen eingestellt - und darauf habe der Mann vertrauen dürfen.

An die Verhandlung kam der Verurteilte mit einem Sauerstoffgerät, er lebt inzwischen von einer Invalidenrente. Kosten von rund 3000 Franken bleiben an ihm hängen. Er kündigte an, das Urteil weiterzuziehen, falls dies seine Gesundheit erlaube.