Herr Flury, Manor hat sich in Basel stark für eine Verlängerung der Ladenöffnungszeiten am Samstag von 18 bis 20 Uhr eingesetzt. Weshalb?

Beat Flury: Der Samstag ist für uns der wichtigste Tag der Woche. An dem Tag machen wir am meisten Umsatz. Insbesondere in den Stunden am späteren Nachmittag. Das zeigen die Erfahrungen, die wir in der Stadt Zürich mit den längeren Ladenöffnungszeiten gemacht haben. Durch eine Verlängerung kann man mit bis zu 2,5 Prozent mehr Umsatz pro Jahr rechnen. Shopping ist ja heute keine reine Güterbeschaffung mehr, Shopping ist Entertainment.

Dann sind Sie überzeugt, dass das auch ein Kundenbedürfnis ist?

Absolut. Sonst würden die Geschäfte dann ja nicht öffnen. Das sieht man auch, wenn man in die Stadt geht. Offene Läden beleben die Stadt. Auch andere Geschäfte wie Restaurants oder Kinos profitieren.

Von den Geschäften ist zu hören, dass längere Ladenöffnungszeiten wichtiger sind als mehr Sonntagsverkäufe. Laufen die Sonntage schlecht?

Was in Basel sehr etabliert und auch für den Handel sehr wichtig ist, sind die zwei Sonntagsverkäufe im Dezember. Die sind sehr beliebt bei den Kunden und ja auch unbestritten. Dann gabs ja diese Pilotphase mit zwei weiteren Sonntagsverkäufen: einer während der Herbstmesse und einer während der Baselworld. Mit diesen waren wir auch zufrieden, aber dieser Samstag als Verkaufstag ist einfach noch wichtiger für uns. Für den Handel würden längere Ladenöffnungszeiten am Samstag mehr bringen, als diese zwei zusätzlichen Sonntagsverkäufe zu erhalten.

Im benachbarten Ausland haben die Geschäfte länger geöffnet. Wie stark merken Sie das?

Das ist ein wichtiges Thema beim Einkaufstourismus. Gerade in Deutschland hat man das Ladenschlussgesetz ja faktisch aufgehoben. Da gibt es Läden, die am Samstag bis 24 Uhr offen haben. Wir denken, dass das viel zu lange ist. Aber wir glauben auch, dass diese zwei fehlenden Stunden am Samstag zu zusätzlichem Einkaufstourismus im Ausland führten. Die gestern beschlossene Verlängerung am Samstag ist eine wirksame Massnahme. Damit kann man dem Trend, im Ausland einzukaufen, etwas entgegensetzen. Nicht zuletzt werden dadurch Arbeitsplätze erhalten und Steuereinnahmen in Basel generiert.

Sie wollen mit den Ladenöffnungszeiten also den tiefen Euro bekämpfen?

Das ist einfach einer von mehreren Standortfaktoren, bei dem man die Gelegenheit hat, sofort etwas zu ändern. Den Euro-Wechselkurs können wir nur sehr schwer beeinflussen und auch unbezahlte Parkplätze wie im nahegelegenen Ausland können wir in der Innenstadt nicht schaffen.

Aber für die Angestellten ist es ja ein relativ grosser Unterschied, ob sie am Samstag um 18 Uhr oder um 20 Uhr nach Hause können.

Die Angestellten arbeiten immer gleich lang. Bei Manor sind es 41 Stunden pro Woche. Auch hier zeigen die Erfahrungen aus Zürich, dass es genügend Angestellte gibt, die am Samstag auch gerne die spätere Schicht übernehmen. Wir haben bei uns ausserdem im Rahmen unserer Mitarbeiterbefragung die Mitarbeiterzufriedenheit angefragt. Da zeigte sich: Dort wo die Läden am Samstag schon um vier schliessen, wie etwa in Neuenburg oder Fribourg, ist die Mitarbeiterzufriedenheit nicht höher als in liberaleren Kantonen.

Gibt es denn keinen Konflikt zwischen grossen Geschäften wie Manor und kleineren, die vielleicht nicht die Möglichkeit haben, mehr Personal einzustellen?

Ich denke, dass an einem Samstag von 18 bis 20 Uhr so viele Personen in der Stadt unterwegs sind, dass es sich für alle Geschäfte lohnt, von der bereits vorhanden Frequenz zu profitieren.