BScene
Marc Krebs: «Die BScene ist von Revolte weit entfernt»

Der Musikjournalist und Autor Marc Krebs gehört zu den ausgewiesenen Kennern der hiesigen Musikszene. Lesen Sie im Interview, wie er die 16. Ausgabe der BScene einschätzt und weshalb er keine Highlights des diesjährigen Clubfestivals nennen will.

Sebastian Moos
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Musikjournalist Marc Krebs:

Musikjournalist Marc Krebs:

Marc Krebs, wie beurteilen Sie die diesjährige BScene?

Marc Krebs: Sie ist stilistisch vielfältig und breit, aber überraschungsarm bei der Club-Wahl; abgesehen von der 8-Bar. Ich finde es eine gute Entscheidung, diesen jungen Konzertort einzubeziehen.

Sie sprechen von Vielfalt und Breite. Sehen Sie gleichwohl Tendenzen im Line-Up?

Ja, mich dünkt, dass heuer viele Formationen ihre BScene-Premiere feiern können. Das freut mich, auch wenn es mich daran erinnert, dass ich langsam ein alter Sack bin.

Nennen Sie uns trotzdem ein paar Highlights des BScene-Programms?

Das Schöne an der BScene ist, dass man keine Highlights prognostizieren kann und soll. Man lässt sich treiben, weicht vielleicht von der geplanten Route ab und entdeckt zufällig Neues. Ich erinnere mich daran, dass ich am ersten Festival, 1996, zufällig an einem Konzert landete, in dem ein Experimentalmusiker mit Samples und einer singenden Säge spielte. Das war damals ziemlich abgefahren, überraschend und genau darum geht es nicht zuletzt bei der BScene: Für die Möglichkeit Entdeckungen zu machen.

Vermissen Sie Namen im Line-Up?

Nein. Es ist richtig und wichtig, dass keine Band eine Garantie hat, an der BScene auftreten zu können. Mich dünkt aber, dass es ältere Musiker bei der Jury schwer haben, ungeachtet ihrer Qualität. Ein ganzheitlicheres Abbild der Szene würde ich begrüssen, auch weil es eine Wertschätzung wäre für jene Musiker, die seit den 70er-Jahren leidenschaftlich Musik machen und wichtige Entwicklungen vorgespurt haben.

A propos Entwicklungen: Wie hat sich die BScene in den letzten 16 Jahren entwickelt?

Die BScene ist grösser und bedeutender geworden. Alle involvierten Leute haben viel geleistet. Meiner Meinung nach bräuchte es aber keine überregionalen oder internationalen Künstler. Oder wenn, dann wäre ein konkreter Austausch mit einer anderen Stadt wünschenswert. Davon könnten auch Basler Bands profitieren. Was ich sehr bedaure: dass man es am gleichen Wochenende wie das M4Music in Zürich durchführt.

Die BScene ist grösser geworden, schreibt aber zugleich: «Wir wollen anecken und keine Anpassung.»

Die BScene schreibt sich jedes Jahr einen neuen Slogan auf die Fahne, davon darf man sich nicht blenden lassen. Wenn der Anlass nicht angepasst wäre, dann würde viel stärker der Zufall regieren, würden illegale Keller bespielt etc. Von einer Revolte ist die BScene weit entfernt. Man kann dem wachsenden Festival vielleicht eine gewisse Trägheit vorhalten. Aber es wird auch grosse Arbeit geleistet: Die BScene ist eine wichtige Nabelschau: für die Musiker, die Clubs und das Publikum.