Ernst Beyeler war die Sorge um die Wälder unserer Erde ein vitales Anliegen. Im Stiftungsrat seiner Stiftung «Kunst für den Tropenwald» erlebe ich Marcel Tanner immer wieder, wie er sich zwischen Kongressen in Kanada, Arbeiten in Ifakara und Workshops in Ostasien in vollem Engagement jede Zeit nimmt für Themen, die vermeintlich nichts mit seiner Aufgabe als Leiter des «Tropeli» zu tun haben. Aber eben nur vermeintlich, denn für ihn gehören der Mensch und sein verantwortungsvoller Umgang mit der Natur in jeder Beziehung nahtlos zusammen.

Vor allem ist ihm die praktische und wirkungsvolle Umsetzung der Forschung und Lehre das wohl wichtigste Anliegen. Das einzigartige Werk, in den letzten Kriegsjahren von Rudolf Geigy geschaffen, und von Thierry Freyvogel und Antoine Degrémont im Sinn und Geist der Gründung weitergeführt, erlebte in Marcel Tanners 18 Jahren Quantensprünge in jeder Hinsicht. Vom ursprünglichen Schwerpunkt der Forschungsarbeit in Tansania richtete das Tropeninstitut seinen Fokus auf globale Forschungs- und Dienstleistungsprojekte und entwickelte sich zu einem global anerkannten Kompetenzzentrum.

Vom «Tropeli» zum Swiss TPH

Schon Tanners damaliger Aufbau des Departements «Epidemiology and Public Health» wies den Weg zur Arbeit an der Verbesserung der weltweiten Gesundheit. Mit der Integration des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Basler Uni wurde ein weiterer Schritt getan, und zu Recht erfolgte die Umbenennung des «Tropeli» in «Schweizerisches Tropen- und Public Health Institute (TPH)». Auf die Bezeichnung «Schweiz» dürfen wir zwar stolz sein, aber sie tönt bescheiden. Unter Marcel Tanner hat sich das Institut endgültig eine unverzichtbare Stellung im internationalen Kampf gegen epidemiologische Krankheiten erarbeitet.

Mit massgeblicher Beteiligung des TPH sind Malaria-Erkrankungen drastisch zurückgegangen; bei der Aussenstation des TPH in Ifakara (Ifakara heisst «Ort zum Sterben») ist die Säuglingssterblichkeit um einen Drittel gesunken. Der erste Impfstoff gegen Malaria steht vor der Registrierung. Die Schlafkrankheit ist auf dem Weg zur endgültigen Eliminierung. Marcel Tanner kennt keine Grenzen (auch nicht als Baselbieter in Basel). «Wir leben nicht in der Ersten, Zweiten oder Dritten Welt. Wir leben in einer Welt» heisst das Credo von Marcel Tanner.

Im Institut arbeiten heute 750 Menschen mit 62 verschiedenen Pässen. Sie alle haben als gemeinsames Ziel die Verbesserung der Gesundheit der Menschen auf diesem einen Planeten. Angespornt durch das Charisma von Marcel Tanner forschen sie, lehren sie und arbeiten vor allem an Wegen der wirkungsvollen Umsetzung der wissenschaftlichen Erkenntnisse. Und jetzt geht Marcel Tanner in Rente. Welch schreckliche und vor allem völlig unpassende Bezeichnung! Er gibt die Verantwortung für sein Lebenswerk in beste, mit ihm zusammen erprobte Hände weiter, und zwar mit einer finanziellen Basis, wie sie das Institut noch nie gekannt hat, und mit vorgespurten Bauplänen für eine solide Entwicklung.

Nun findet Marcel Tanner mehr Zeit für seine Professur an der Basler Universität und für internationale Mandate als höchst willkommener Motor, für grenzenlose Forschung, Lehre, und vor allem Umsetzung im Dienst der Gesundheit. Hoffentlich findet er auch noch mehr Zeit für seine Familie und die Grosskinder, fürs Tennisspiel mit seiner Gattin Suzanne und für unbeschwerte Tage im Wallis oder beim Skifahren in Mürren. Denn Marcel Tanner ist nicht nur ein rastloser Weltbürger, sondern er liebt auch die eigenen Wurzeln. Und sei es auch als kritischer Vortester von Schnitzelbängglern, mit denen er als Helgebueb auch schon auf der Drummelibühne stand.