Fussball
Marco Streller: «Es war kein klarer Penalty»

Es war die Szene des Abends: In der 66. Minute tankt sich FCB-Captain Marco Streller im St.Galler Strafraum durch und kommt zu Fall. Schiedsrichter Kever zeigt auf den Punkt. Ein Entscheid, den vor allem die St.Galler nicht nachvollziehen konnten.

Sebastian Wendel
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Marco Streller verlädt St. Gallens Goalie Daniel Lopar und trifft zur Führung

Marco Streller verlädt St. Gallens Goalie Daniel Lopar und trifft zur Führung

Keystone / Georgios Kefalas

Es läuft die 66. Minute. Die meisten der 30062 Zuschauer im St. Jakob Park befinden die Aktion nach der Rettungstat eines St. Galler Verteidigers für beendet und erwarten den nächsten Basler Corner. Falsch gedacht: Plötzlich zeigt der Arm von Schiedsrichter Sascha Kever auf den Penaltypunkt. Aufgebracht stürmen die Gäste zum Unparteiischen und erfahren von diesem, dass Stephan Besle ein Foul an Basels Captain Marco Streller begangen haben soll. Die Wut der Ostschweizer und ihres Trainers Jeff Saibene ist verständlich. Besle liess den FCB-Captain zwar auflaufen, im Gegenzug stellt sich aber die Frage, was dem St. Galler im Getümmel anderes übrig blieb. Im Zweifel für den Angreifer; dieses ungeschriebene Gesetz wendete Kever hier eindrücklich an.

Fünfter Treffer mit der Maske

Dass der Gefoulte anschliessend nicht selber antreten soll, ist eine weitere, nicht schriftlich festgelegte Regel. Es ist eine, die für Marco Streller nicht gilt. Souverän schiesst er den FCB aus elf Metern in Führung und trifft damit auch im fünften Spiel, in dem er eine Maske zum Schutz der gebrochenen Nase trägt. Zuvor brachte ihm die schwarzweisse Spezialanfertigung schon in den Partien gegen YB, Videoton, GC und Thun Glück.

Strellers Sicht der Dinge? «Es gab eine Berührung, aber es war kein klarer Penalty.» Dass der 31-Jährige in der besagten Szene überhaupt noch auf dem Platz stand, war nicht selbstverständlich. Mitte der ersten Halbzeit wurde er am linken Fuss von den Stollen eines Gegenspielers getroffen, in der Pause tackerten die Ärzte die Wunde mit vier Stichen. «Hut ab, wie Marco trotz grosser Schmerzen zurückgekommen ist», sagte Murat Yakin.

Der Sieg war nicht gestohlen

Zum gestrigen Schlüsselmoment meinte der FCB-Trainer: «Ich war zu weit weg, um es beurteilen zu können.» Sein Gegenüber Jeff Saibene hat sich in der Szene mehr Fingerspitzengefühl des Schiedsrichters erhofft. «Es war die erste brenzlige Aktion des Spiels, und dann gibt er direkt Penalty», sagte er.

So zweifelhaft die Entstehung des Siegtreffers, gestohlen hat der FC Basel den Sieg im letzten Heimspiel der Saison nicht. Er hatte von Beginn an mehr Spielanteile, daraus folgend auch ein klares Chancenplus. David Degen mit einem Flachschuss, Zwillingsbruder Philipp kurz nach dem Wiederanpfiff und Fabian Schär nach einem ungenügend geklärten Freistoss von Alex Frei hätten die Partie schon vor Strellers Tor in die für Basel richtige Bahn lenken können. Danach verpassten wiederum David Degen und Mohamed Salah die Entscheidung.

Der FCB macht sicher einen Platz gut

Die Gäste brauchten ihre Energie bis zum 0:1 nur fürs Verteidigen, was ansprechend gelang. Erst danach trauten sie sich mehr zu und hatten in der 72. Minute durch Franck Etoundi die Riesenchance zum Ausgleich. «Es war ein typisches 0:0-Spiel», sagte Saibene, «dann aber gab es Penalty für Basel...»

Der FCB darf den gestrigen Erfolg als «glücklichen Arbeitssieg» abbuchen. Er hat nun dank der besseren Tordifferenz St. Gallen in der Tabelle überholt und schliesst die Vorrunde auf dem zweiten oder dritten Rang ab – je nachdem, wie Sion heute in Bern spielt. «Wir sind voll im Soll», sagt Yakin. Ein Fazit, das vorerst nur für die Meisterschaft gilt. Für eine rundum gelungene Herbstrunde müssen noch zwei Kraftakte positiv bestritten werden: Am kommenden Donnerstag braucht er FCB in Genk einen Punkt, um in der Europa League zu überwintern. Den Abschluss macht der Cup-Achtelfinal in Locarno.