Am Freitagnachmittag wurde für die SBB zur Gewissheit, was sich seit Jahren abzeichnete: Die Last auf der Basler Margarethenbrücke muss sofort reduziert werden. Ab sofort bleibt die Brücke für den Tramverkehr gesperrt. Der kurzfristige Beschluss stürzt die Basler Verkehrs-Betriebe ins Chaos.
Es war ein Entscheid in letzter Minute: Am Freitagabend vor dem viel frequentierten ersten Schulferien-Wochenende wurde die Margarethenbrücke beim Bahnhof SBB in Basel für den Tramverkehr gesperrt. Die kurzfristige Aktion bringt die SBB in Erklärungsnot – auch auf die entsprechende Erstmeldung in der bz hin folgten bereits diverse empörte Kommentare.
Man habe doch schon länger gewusst, dass die Brücke sanierungsbedürftig sei, schreibt eine Leserin. Am Samstagmorgen hielten die SBB in Basel eine kurzfristig einberufene Medienkonferenz zur Brückensperrung ab. 2021 habe man die Beeinträchtigungen an der Brücke in statischen Analysen noch der Stufe 3 zugeteilt, also als «tragbar» bewertet, sagte Anna Oprandi, Leiterin für Kunstbauten bei den SBB. Doch jetzt habe sich diese Bewertung stark verschlechtert: «Stand jetzt befinden wir uns bei Stufe 5.»
Das bedeutet: Neue Statik-Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Gerbergelenke an der Brücke die Last von Tram- und Schwerverkehr nicht mehr tragen könnten. Oder anders gesagt: Die SBB können nicht mehr ausschliessen, dass das Bauwerk bei Belastungen, wie sie Trams mit sich bringen, einstürzt.
Schon Ende Mai hatten die SBB bekannt gegeben, dass die Brücke nicht mehr uneingeschränkt befahren werden dürfe. Seither durften Trams nicht mehr kreuzen, auch Cars und LKW war die Überquerung untersagt.
Betroffen von der neuen Massnahme seien vorwiegend die Linien 2 und 16, erklärte an der Medienkonferenz Benjamin Schmid, Mediensprecher der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB). Der Beschluss habe für die BVB einschneidende Folgen, insbesondere, da er auf ein Wochenende falle. Die Umleitungen und die Planungen der Busersatz-Kurse seien zwar bereits eingeleitet worden. Es dürfte jedoch in den kommenden Tagen noch zu Einschränkungen kommen, sagt Schmid. Er räumte ein: «Wir kommen ans Limit.»
Die SBB hätten schnell handeln müssen», sagte Oprandi. «Durch die Lastreduktion ist die Brücke nun sicher.» Pläne zur Sanierung der Brücke seien bereits in Abklärung. Die Arbeiten, die voraussichtlich im Herbst beginnen werden, hätten keine Einschränkungen des verbleibenden Brückenverkehrs zur Folge. Autos, Velos sowie Fussgängerinnen und Fussgänger dürfen den Übergang also weiterhin uneingeschränkt benutzen.
Ebenfalls am Samstag äusserte sich Michel Mesmer, Leiter Planung und Produktion der BVB. Er machte seinem Ärger darüber Luft, dass sich die Angestellten des Unternehmens teilweise «üblen Gehässigkeiten» frustrierter Kundinnen Kunden ausgesetzt sähen. Dies führe dann doch zu einem Kopfkratzen zum generellen Umgang mit «unseren Dienstleistern im Service Public», schreibt Mesmer auf dem sozialen Netzwerk Linkedin.
Einmal mehr leisteten die Mitarbeitenden der BVB weit über den Feierabend und an freien Wochenenden vollen Einsatz, um die Auswirkung der Sperrung so gering wie möglich seien. «Das kann man durchaus auch mal wertschätzen und seinen Frust bei sich behalten.»