Marilyn Manson

Marilyn Manson in Basel - kann der Schockrocker noch provozieren?

Marilyn Manson schockiert das Volk – und es gewöhnt sich daran.

Marilyn Manson schockiert das Volk – und es gewöhnt sich daran.

Heute Abend beehrt Marilyn Manson zusammen mit Rob Zombie die St. Jakobshalle in Basel. Doch wie provokativ ist Schockrocker Manson noch? Das Publikum kennt seine Auftritte inzwischen und hat genaue Erwartungen - Manson erfüllt sie. Der Schock-Effekt tritt in dem Hintergrund. Mansons Show ist vor allem gutes Marketing.

Als «Twins of Evil» kündet der Veranstalter die beiden Gruselrocker Marilyn Manson und Rob Zombie an und bedient sich damit immer noch der gleichen Klischees, wie Manson sie seit Beginn seiner Karriere erfolgreich selbst gepflegt hat. Weisse Schminke, verschieden farbige Kontaktlinsen und natürlich der Name, zusammengesetzt aus Sexsymbol (Marilyn Monroe) und Massenmörder (Charles Manson), ein System, nach dem auch die Namen der anderen Bandmitglieder gebildet werden.

«Ein Gesamtkunstwerk, das sich von Album zu Album verändert hat», wie es der Medienwissenschaftler Daniel Klug beschreibt. Je nach Albumtitel kamen entsprechende Accessoires dazu, so bei «machanical ani-mals» zum Beispiel mechanische Prothesen.

Schock auf der visuellen Ebene

«Der Schock liegt eher auf der visuellen Ebene», erklärt Klug. «Musikalisch macht Manson genau wie Alice Cooper Mainstream-Rock.» Es ist also das Ausstellen von gesellschaftlichen Randthemen und relativ leicht konsumierbare Musik, die Mansons Erfolg ausmachten. Und natürlich die Reaktion der christlich-konservativen Rechten und der Medien, die seine Botschaften von Gewalt und Satanismus verdammten oder ihn wegen seiner Liaison mit dem Burlesque-Star Ditta von Teese in die Klatschspalten hievten.

Vor ihm gab es Ozzy Osbourne oder eben Alice Cooper, der mit seiner Horrorshow seit fast vierzig Jahren unterwegs ist und immer noch Erfolg hat. Zu einer solchen Stilikone hat es aber nur Manson gebracht. Klug erklärt dies damit, dass Manson amerikanische Stereotypen umkehrte, die der Allgemeinheit bekannt waren, wie Christentum, Homophobie und Körperkult. Damit konnte er ein Millionenpublikum erreichen. Zudem fokussierte er alles auf seine Person. Nicht die Show an sich und auch nicht unbedingt die Musik, sondern die Kunstfigur Marilyn Manson war und ist der primäre Verkaufsgrund, sowohl bei den Alben als auch bei den Konzerten.

Ausgefeilter als Alice Cooper

Entsprechend ist Mansons eigene Optik viel ausgefeilter und schockierender als die eines Cooper, der eigentlich nur Make-up trägt. Dabei ist unbestritten, dass zumindest seine ersten Alben hervorragend produziert und musikalisch bestechend waren. Nicht zuletzt seine Adaptionen von «Sweet Dreams» und «Tainted Love» trugen einen wesentlichen Teil zu seinem Massenerfolg bei. Mit der musikalischen Qualität nahm aber erstaunlicherweise auch die Deutlichkeit seiner Botschaften ab. Dies mag damit zusammenhängen, dass er nach dem Massaker an der Columbine Highschool mitverantwortlich gemacht worden war für die Taten der Trenchcoat Mafia. Noch immer eindrücklich, wie er sich im Film von Michael Moore rechtfertigt und seine Kritiker an die Wand argumentiert.
Allerdings «birgt die Provokation immer die Gefahr der Zustimmung», erläutert Klug. Man könne nicht davon ausgehen, dass die Botschaften als das gelesen werden, was sie sind, eben Provokationen.

Satanskirche als Marketing

Auch seine Ehrenmitgliedschaft in der Church of Satan sieht Klug eher als Marketing-Argument. «Die Leute wollen Spektakel, das war schon immer so, auch Elvis war eine Schockprovokation.» Und wie bei Elvis hat man sich auch bei Manson an die Masche gewöhnt, obwohl er sich immer wieder neu zu erfinden versucht.

«Es hat sich auf beiden Seiten eingependelt», meint Klug, «das Publikum hat gewisse Erwartungen und er erfüllt sie.» Oder auch nicht: Laut Klug kam Manson vor einigen Jahren in München auf die Bühne, zerstörte zehn Mikrofone und ging wieder, worauf das Publikum die Bühne stürmte.

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