Denis Marcel Bitterli
Marionettentheater schafft, was das Schauspieltheater nicht kann

Nach einem turbulenten Jahr lanciert der neue Intendant Denis Marcel Bitterli die Saison am Marionettentheater.

Tobias Gfeller
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Möchte die bewegende Kunst des Figurentheaters sichtbarer machen: Intendant Denis Marcel Bitterli.

Möchte die bewegende Kunst des Figurentheaters sichtbarer machen: Intendant Denis Marcel Bitterli.

Juri Junkov/Fotograf

Denis Marcel Bitterli ist der erste Leiter des Marionettentheaters Basel, der als Intendant sowohl die künstlerische als auch die administrative Verantwortung trägt. Am Mittwoch beginnt seine erste Spielsaison.

Herr Bitterli, in Basel gibt es Dutzende andere Theater, die ich besuchen kann. Wieso soll ich ausgerechnet ins Marionettentheater, wo eigentlich gar keine Schauspieler zu sehen sind?

Denis Marcel Bitterli: Das Figurentheater lebt von seinem Spannungsfeld zwischen Leben und Tod. Dieses Mystische ist das Faszinierende am Marionettentheater. Es ist das Zusammenspiel von Spieler und Marionette, welches das Figurentheater einzigartig macht. Dieses Medium gibt es sonst nirgends anderswo.

Der Zuschauer bekommt aber dieses Zusammenspiel nur indirekt mit. Was hat er denn davon?

Das stimmt. Und genau dort möchte ich als Intendant ansetzen. Ich möchte das Figurentheater als doppeltes Theater mit Künstler und Figur noch mehr zum Thema machen. Es soll auch den lebendigen Marionettenspieler geben, der eine eigene Figur spielt oder einen Teil der Marionette darstellt. Dieses Zusammenspiel soll dann für das Publikum sichtbar sein. Der Zuschauer soll beide Ebenen des Figurentheaters zu sehen bekommen. Dieses «unmögliche Theater», wie man es auch nennt, ist genau das, was das Schauspieltheater nicht kann.

Wo möchten Sie inhaltlich mit dem Marionettentheater hin?

Das Figurentheater war ursprünglich ein politisches Theater des einfachen Volkes. Ich möchte auch Themen spielen, die aktuelle Probleme ansprechen. Ich möchte so zurück zu den Wurzeln des Puppentheaters. Das heisst aber nicht, dass ab jetzt nur noch politische Stücke aufgeführt werden.

Ich möchte die bewegende Kunst des Figurentheaters noch sichtbarer machen. Mit verschiedenen Materialen arbeiten. Es gibt auch andere Möglichkeiten als nur Holz, um Figuren zu gestalten. Ich habe auch vor, mit dem Marionettentheater auswärts in Schulen oder Institutionen zu spielen. Oder hier bei uns im Zehntenkeller spezielle Vorstellungen zu zeigen. Mit dem Figurentheater kann man auch mediativ arbeiten. Das hat mir meine Ausbildung zum Mediator gezeigt.

Ist das Marionettentheater eigentlich ein Kinder- oder ein Erwachsenentheater?

Ich sage ausdrücklich: Das Marionettentheater ist für Gross und Klein. Wir haben ein Familienprogramm an den Nachmittagen mit Stücken wie «Das Kleine Ich bin Ich», «Fasnachtsladäärne» oder «Pinocchio». Aber auch ein Abendprogramm mit dem «alten Puppenspiel vom Doktor Faust», «Hotel zu den zwei Welten» und den Kriminalgeschichten von Philip Maloney vom Radio SRF3.

Das Marionettentheater erlebte zuletzt ein schwieriges Jahr mit Unruhen in der Theaterleitung. Wie wollen Sie das Theater wieder in ruhigere Fahrwasser bringen?

Das letzte Jahr war wirklich turbulent. Dank dem sehr engagierten Ensemble und dem Vorstand, die beide ehrenamtlich arbeiten, konnte das Jahr dennoch gut über die Bühne gebracht werden. Ich habe drei Mitarbeiter und ein Ensemble mit 60 Mitgliedern. Dies erfordert einen enormen Kommunikationsaufwand und viele Absprachen. Ich möchte das Know-how auf noch mehr Menschen verteilen. Ich habe ein Betriebskonzept geschrieben, das klare betriebliche Strukturen garantieren soll.

Sie übernahmen das Amt des Intendanten trotz mehrerer anderer Engagements und der Arbeit als Schulleiter in Biel-Benken an. Was hat sie schliesslich zurück in den Zehntenkeller am Münsterplatz 8 geführt?

Ich war in den 1980er Jahren unter dem Gründer des Marionettentheaters Richard Koelner sieben Jahre lang im Spielensemble tätig. Das Theater mit seiner wunderbaren Lokalität am Münsterplatz hat mich schon in Kindes- und Jugendtagen fasziniert. Ich hegte deshalb schon lange den Wunsch in mir, dieses einmal leiten zu können. Ich arbeitete dann 20 Jahre «ausser Haus» und machte unter anderem die Theaterausbildung zum Puppenspieler. Das Amt des Schulleiters in Biel-Benken gebe ich nun aufgrund des Engagements im Marionettentheater zu Teilen ab. Ich spürte in mir immer mehr, dass ich das kreative Schaffen vermisse.