Markus Lehmann
Markus Lehmann tritt am Montag als CVP-Präsident ab - Eine Bilanz

Am Montag übergibt Markus Lehmann das Präsidium der Basler CVP an Lukas Engelberger. Lehmann hat eine wechselvolle Politkarriere hinter sich. Kürzer treten dürfte er nun kaum, denn er bleibt Gross- und Nationalrat. Der Stil der CVP dürfte sich unter Engelberger ändern.

Nicolas Drechsler
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Markus Lehmann gibt das CVP-Präsidium nach mehr als 10 Jahren ab.

Markus Lehmann gibt das CVP-Präsidium nach mehr als 10 Jahren ab.

bz-Archiv

Am Montag geht eine Konstante der letzten zwanzig Jahre Basler Politik in die Teilpension. Markus Lehmann übergibt das Präsidium der CVP an Lukas Engelberger. Damit dürfte der Nationalrat und Grossrat aber sein Pensum nur minim reduzieren. Zumal Lehmann nicht den Eindruck machte, er wolle sich aus einem der beiden Parlamente zurückziehen.

Der gelernte Chemikant kann auf eine beachtliche Bilanz zurückblicken, unter seiner Führung stabilisierte sich die Basler CVP entgegen dem nationalen Trend und es gelang ihm, das Trauma des 1995 an die Grünen verlorenen Nationalratssitzes vergessen zu machen. Lehmann, der die CVP seit 2001 präsidierte, wurde 2011 selbst in die grosse Kammer gewählt.

Einstieg über eigene Initiative

Der Beginn der politischen Karriere von Markus Lehmann ist in seiner Freude am Sport zu suchen: 1990 forderte der ehemalige Handball-Nationalspieler eine zweite Woche Schulferien an der Fasnacht. Und die Initiative kam durch. Lehmann schloss sich der CVP an und wurde 1996 in den Grossen Rat gewählt.

Damals trug der politische Spätzünder Lehmann noch einen Schnurrbart. Und zwar nicht die distinguierte Carlo-Conti-Variante, sondern die Spezies, die damals Polizisten-Schnauz hiess und heute gerne als Porno-Balken bezeichnet wird. Der frühe Lehmann gebrauchte noch mehr schräge Sport-Analogien in seinen politischen Statements, als die heutige Variante und polterte für CVP-Verhältnisse deutlich lauter als gewohnt. Unvergessen auch die Intimfeindschaft, die Markus Lehmann Ende der 90er-Jahre zur damaligen SP-Regierungsrätin Veronica Schaller pflegte. «Das kommt von Schaller, ist also schlecht», war ein Satz, den man immer wieder von ihm hörte.

Neuer Stil im Präsidium

Als der Versicherungsbroker 2001 das Parteipräsidium übernahm, war deshalb nicht allen in der Partei ganz wohl dabei. Insbesondere der soziale und der Grüne Flügel hatten ihre Zweifel, ob Lehmann der Richtige sei, das Präsidium von der inzwischen verstorbenen Sonja Kaiser zu erben. Und in der Tat, Lehmann tat das bis dahin Undenkbare, er suchte den Schulterschluss mit der erstarkenden SVP unter ihrer umstrittenen Präsidentin Angelika Zanolari. Bei den Ständeratswahlen 2003 traten die Bürgerlichen und die SVP gemeinsam gegen die SP an und scheiterten grandios. Lehmann war angeschlagen.

Aber seither ist er weit gekommen: Der Schnauz ist weg, der Ton umgänglicher geworden. Aber viele der Positionen sind die alten geblieben. Lehmann ist immer noch auf dem wirtschaftsliberalen Flügel der Partei zu finden, sein Herz schlägt immer noch für den motorisierten Verkehr und er schätzt ein klares Wort immer noch höher ein, als eine verklausulierte Äusserung.

Vom Turbo zum Bremsklotz

Doch inzwischen ist er, der als erster mit der SVP in Kontakt trat, zum grössten Hemmschuh für eine übergreifende bürgerliche Allianz geworden. Mit SVP-Präsident Sebastian Frehner verbindet ihn eine auf gegenseitiger Abneigung beruhende Feindschaft, die beide zwar wieder und wieder vehement abstreiten, die aber dennoch deutlich spürbar ist.

So ist es keine Überraschung, dass viele im bürgerlichen Lager Hoffnungen auf den Abgang Lehmanns setzen. Nun scheint der Weg für eine bürgerliche Zusammenarbeit nach Liestaler Vorbild in Basel freier zu sein, als auch schon.

Der Ton dürfte wieder ändern

Dafür wird unter dem neuen Präsidenten Lukas Engelberger die CVP deutlich zurückhaltender daherkommen als unter Markus Lehmann.

Engelberger kommt, ganz im Gegensatz zu seinem Vorgänger, aus dem klassischen katholischen CVP-Umfeld, und hat sich aus der Jungpartei hochgedient. Der Anwalt und Roche-Angestellte ist blitzgescheit, stets höflich und fasst auch die schärfste Kritik noch in wohlklingende Sätze, die niemanden verletzen. Viel eher ein Mann nach dem Geschmack von CVP-Regierungsrat Carlo Conti also.