Theater Basel
Martin Batzer: «Baselland nicht auf dem Buckel des Theaters erziehen»

Das Theater Basel appelliert in einem offenen Brief an die Politik in Basel, das Theater nach dem Baselbieter Nein zur Subventionserhöhung nicht im Stich zu lassen. Verwaltungspräsident Martin Batzer nimmt Stellung.

Christian Fluri
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Martin Batzer – hier an der GV des Theaters Basel – appelliert an die Basler Politik. Kenneth Nars

Martin Batzer – hier an der GV des Theaters Basel – appelliert an die Basler Politik. Kenneth Nars

Der offene Brief ist als eine Art Petition angelegt: Er kann von der Website heruntergeladen werden und soll von möglichst vielen Theaterbesucherinnen und -besuchern unterzeichnet werden. Verwaltungsratspräsident Martin Ch. Batzer erklärt den Grund der Aktion.

Herr Batzer, weshalb fordern Sie die Politik in einem offenen Brief auf, das Theater zu unterstützen?

Martin Ch. Batzer: Wir müssen das Baselbieter Nein zu den Theatersubventionen als Fakt akzeptieren. Aber es darf nicht sein, dass Basel-Stadt nun auf dem Buckel des Theaters Basel, dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und auf dem Buckel unseres grossen Publikums das Baselbiet erziehen will. Basel kann sich ja nicht selbst eine Zehe abschneiden und dann zum Baselbiet sagen: «Seht, wie sehr das schmerzt.» Diese Gefahr droht, der wollen wir begegnen.

Sie haben den Brief wie eine Petition gestaltet, hoffen, dass er von möglichst vielen Menschen unterschrieben wird?

Das Theater Basel ist in der ganzen Region breit abgestützt und ist nicht elitär. Es wird getragen von der Bevölkerung aus der ganzen Region, von Baslern, Baselbietern, Solothurnern, Aargauern, von Badensern und Elsässern. Das renommierte Haus für die Stärke der Region und seines Zentrums von grosser Bedeutung.

Sind Sie enttäuscht von der etwas laschen Reaktion der Politik darauf, dass das Theater in Gefahr ist? Oder ist Ihnen das Tempo, mit dem die Politik in Basel einen neuen Subventionsvertrag ausarbeitet, schlicht zu langsam?

Nach dem Entscheid geht der neue Vorschlag in die Kommission und kommt erst dann vors Parlament. Das dauert. Wir aber haben keine Zeit. Die neue Saison beginnt im August und dafür haben wir noch keinen Subventionsvertrag. Bereits vor drei Jahren haben wir die Regierungen und Parlamente beider Basel vor dieser Situation gewarnt, haben sie gebeten das Geschäft früh genug zu behandeln. Doch die Politik behandelt es in letzter Minute, und das Referendum in Baselland kostete nochmals sechs Monate. Nun stehen wir genau vor der verheerenden Situation, vor der wir gewarnt haben.

Nun weiss das Theater ein halbes Jahr vor Saisonstart nicht, wie viel Geld es zur Verfügung hat?

Hier geht es um Menschen, um Arbeitsstellen. Es geht doch nicht, dass die Politik die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dieser Unsicherheit lässt. Ich verstehe diese Menschen, die auf ihrem Anspruch bestehen, wenigstens zu wissen, wie es weiter geht, ob sie im August noch einen Job hier haben.

Sie fordern die Basler Politik auf, mit Ihnen einen Finanzierungsplan auszuarbeiten. Haben Sie Vorstellungen davon?

Beide Kantone müssen nochmals über die Bücher. Sicher wird Basel-Stadt nicht einfach die nun fehlenden vier Millionen Franken übernehmen. Aber Basel-Stadt muss sich für eine Übergangszeit etwas überlegen. Zudem habe ich vernommen, Baselland habe 2010 wieder viel mehr Steuern eingenommen. Damit würde auch die Kulturpauschale, die an die Stadt geht, grösser. Doch, ob es sich hier um Gerüchte handelt, ob es wahr ist, dass weiss derzeit nur die Baselbieter Regierung. Wichtig ist uns, dass die Politik nun schnell aktiv wird.

Weil Sie in völliger Planungsunsicherheit stecken?

Es ist schlimmer. Wir müssen Verpflichtungen eingehen, damit wir im August unserem Publikum das bieten können, was von uns verlangt wird. Wir müssen mit Künstlerinnen und Künstlern Verträge abschliessen und können sie nicht mit Versprechungen vertrösten, sonst kommen sie nicht. Gute Künstler sind nicht von heute auf morgen zu finden.

Sie warten also dringend auf den Entscheid der Basler Regierung?

Am kommenden Dienstag will die Regierung entscheiden. Insbesondere ist es für uns wichtig, Planungssicherheit für die Zukunft zu haben, dies kann nur mit längerfristigen Zusagen erzielt werden.