Regierungswahl

Martina Bernasconi: «Ich finde, ich bin eine schillernde Persönlichkeit»

Martina Bernasconi (2.v.l.) erreicht mit über 35 Prozent Stimmenanteil einen Achtungserfolg

Martina Bernasconi (2.v.l.) erreicht mit über 35 Prozent Stimmenanteil einen Achtungserfolg

Herausforderin Martina Bernasconi (GLP) hat im zweiten Wahlgang um den Sitz von Regierungsrat Carlo Conti (CVP) 11 692 Stimmen geholt. Das sind 35.8 Prozent der Stimmen - ein Achtungserfolg.

Frau Bernasconi, Sie sind jetzt in der Situation eines Fussballers, der, nachdem er auf dem Platz mit seiner Mannschaft verloren hat, gefragt wird: Wie enttäuscht sind Sie?

Martina Bernasconi: Ich bin gar nicht enttäuscht. Ich finde, es ist phänomenal, was ich für einen Endspurt hingelegt habe. Das Resultat lässt sich absolut sehen. Es war ein Kampf von David gegen Goliath. Ich bin zu wenig bibelversiert, um zu wissen, ob es da auch ein weibliches Pendant gibt. Ich bin immer noch in einem Hoch. Ich habe so tolle Unterstützung von verschiedensten Einzelpersonen erhalten. Für mich hat es bei den Verbänden gehapert und bei den Netzwerken, die Männer halt schon viel stärker haben. Die haben auch diesmal funktioniert. Es ist mir nicht gelungen, das flächendeckend aufzubrechen.

Inwiefern war die Parteizugehörigkeit ausschlaggebend?

Die GLP ist eine kleine Partei mit etwa 5% Wählern, die CVP ist aber nicht viel grösser. Die CVP hat aber seit jeh einen Regierungsratssitz. Das wäre aus meiner Sicht gelegentlich zu ändern. Am Anfang meiner Kampagne habe ich oft von Wählern gehört, dass sie mich der Grünliberalen Partei wegen nicht wählen wollen. Im Laufe des Wahlkampfs hat sich das relativiert, immer mehr Menschen haben gemerkt, dass es nicht um die Partei, sondern um die Person geht. Die Menschen haben gemerkt, dass ich eine peppige und erfahrene Frau bin, der man ansieht, dass sie nicht nur politische denken, sondern auch umsetzen kann. In dem Sinn habe ich für die Grünliberalen im Wahlkampf Boden gut machen können. Wir Grünliberalen haben gewonnen und haben zeigen können, welches genau unsere Anliegen sind.

Der Frauenbonus hat nicht gestochen. Hat die Solidarität unter den Frauen nicht funktioniert?

Es gibt ja auch Männer, die Frauen wählen, weil sie das nicht in Ordnung finden. Ich kann nur von meinem Strassenwahlkampf sprechen, Da habe ich sehr viele positive Stimmen vernommen. Man war sich einig, dass wir eine zweite Frau in der Regierung brauchen. Das waren jetzt halt die Männerbünde und die traditionellen Verbände, die sich einmal mehr mit Geld und Verstrickungen geschafft haben, ihr Schäflein unter Dach zu bringen. Ich finde es schade, wir haben eine Chance für eine zweite Frau im Regierungsrat verpasst. Aber in zwei Jahren sind Gesamterneuerungswahlen, dann kommt sicher eine zweite Frau.

Sind Sie diese zweite Frau?

Das weiss ich nicht, das müssen wir zuerst parteiintern diskutieren, ob wir antreten und ob das mit mir sein wird. Wir werden sehen. Ich kann Ihnen aber versichern: Martina Bernasconi ist nicht am Ende ihrer Politischen Karriere.

Es ist kein Erfolg, aber es ist ein Achtungserfolg, was machen Sie konkret daraus?

Ein Achtungserfolg ist auch ein Erfolg. Ich nehme wahnsinnig viel mit für mein persönliches und mein politisches Leben. Für mich war der Wahlkampf ein Gewinn und ich habe ihn auch von Herrn Engelberger her als fair empfunden.

Der Wahlkampf war fair, aber vielleicht auch etwas langweilig. Haben Sie sich zu wenig unterschieden?

Ich finde, ich bin eine ganz andere Persönlichkeit als Herr Engelberger. Ich finde, ich bin eine schillernde Persönlichkeit und alles andere als langweilig. Ich nehme das überhaupt nicht auf meine Kappe, wenn man sagt, der Wahlkampf sei langweilig gewesen.

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