Im Herbst trat sie noch für die Grünliberalen zum Regierungswahlkampf an, wo sie letztlich klar unterlag. Die Ankündigung der Grossrätin, ihre Partei zu verlassen und sich der FDP anzuschliessen, schlug hohe Wellen. Im Interview nimmt Martina Bernasconi Stellung.

Frau Bernasconi, Ihr Rücktritt aus der Fraktion der Grünliberalen kam sehr plötzlich. Was ist die Vorgeschichte dieses Bruchs?

Martina Bernasconi: Uneinigkeit mit Einzelnen aus dem Vorstand gab es schon vor einem Jahr, als es um die Nachfolge von David Wüest-Rudin als Präsident ging. Aus meiner Sicht wollten insbesondere die Vizepräsidenten Emmanuel Ullmann und Johannes Vontobel nicht, dass ich das Präsidium übernehme und motivierten Katja Christ, den Job zu machen. Als ich davon erfuhr, war ich sehr getroffen: Zu mir sagten sie nie, dass sie mich nicht als Präsidentin sehen. Ich trat damals aufgrund dieses Vorfalls als Vizepräsidentin und Vorstandsmitglied zurück, was nie an die Medien gelangt ist. .

Ein halbes Jahr später aber traten Sie für die GLP zu den Regierungswahlen an.

Ja, das war aber lange nicht klar. Wobei ich betonen muss: Mit Frau Christ hatte ich nie Probleme, sie hat sich nie in den Vordergrund gedrängt. Auch innerhalb der Fraktion war die Stimmung gut. Ich bin mir bewusst, dass mein Weggang für die GLP ungut, wenn nicht schädlich ist. Ich hätte mir eine bessere Lösung gewünscht – sah aber für mich keinen anderen Weg.

Wie meinen Sie das?

Für mich ist schwer verständlich, dass es uns nicht gelang, jemanden in unsere Fraktion zu holen oder eine Fraktionsgemeinschaft einzugehen. Aus meiner Sicht hat der Vorstand versucht, aus der Not eine Tugend zu machen: Fraktionslosigkeit sei auch eine Chance zur Profilierung und Unabhängigkeit. Für mich kam nie infrage, fraktionslose Grossrätin zu sein. Ich will mitgestalten und das kann man in den Kommissionen. Ohne Fraktion gibt es aber keine Kommissionssitze.

Aber Sie wurden auch für Ihre Partei gewählt.

Ja, das ist sicher so. Die Partei hat mich im Regierungswahlkampf zu wenig unterstützt, das kann ich jetzt auch sagen.

Unsere Recherchen zeigen: Im Regierungswahlkampf 2016 hat die Partei 10 000 Franken eingesetzt. 2012, gegen Lukas Engelberger, waren es zwischen 15 000 und 20 000. Dazu kommt noch das Gesamtbudget der beiden letzten Nationalratswahlen, das jeweils auch 50 000 betrug, von dem Sie ebenfalls profitierten.

Ich hatte keine Kampagne, kein Team. Ich fühlte mich alleine gelassen. Und ich habe selbst investiert.

In der GLP soll es Stimmen geben, die Rückzahlungen von Ihnen verlangen. Wie stehen Sie dazu?

Ich werde der GLP kein Geld für den vergangenen Regierungswahlkampf geben.

Bleiben wir kurz beim Geld. Sie verdienen mit Sitzungsgeldern aus der Kommission jährlich etwa 25 000 Franken. Der GLP abgeben mussten sie 2500 Franken. Kommt das in
etwa hin?

Vermutlich, ja.

Gab es also auch einen persönlichen finanziellen Anreiz, sich der FDP-Fraktion anzuschliessen?

Klar. Kommissionsarbeit ist zeitintensiv und wenn man wie ich in mehreren Kommissionen arbeitet, kommt auch finanziell etwas zusammen. Wäre ich bei der GLP geblieben, würde ich wie die drei verbliebenen Grossräte keine Entschädigung mehr erhalten und die GLP würde auch keine oder eine viel geringere Mandatsabgabe bekommen. Für die Partei ist dies finanziell schwierig, sie wird sich vermutlich kein Sekretariat mehr leisten können. Aber das hat nichts zu tun mit meinem Übertritt. Und ja, ich muss es so sagen: Mein Übertritt zur FDP ist letztendlich egoistisch. Aber die Arbeit in den Kommissionen ist mein Antrieb.

Wie beurteilen Sie die Zukunft Ihrer ehemaligen Partei, der GLP?

Ich halte es für eine Illusion, dass die GLP in der nächsten Legislatur das Zünglein an der Waage sein kann. Das mag mathematisch stimmen, die Realität sieht aber anders aus. Die Politik machen die grossen Parteien und die Grenzen verlaufen nicht immer gleich. Mit vier Grossräten wäre es nicht möglich gewesen, entscheidenden Einfluss gelten zu machen. Ich würde den Grünliberalen aber gönnen, wenn sie wieder Fraktionsstärke erlangen würden.

Würden Sie wieder zurückwechseln?

Nein, ausgeschlossen. Ich war in den letzten Tagen einem Shitstorm ausgesetzt, aber dafür habe ich Verständnis. Das muss ich ertragen können.

Der Vorwurf lautete: Dieser Wechsel vor Legislaturbeginn ist undemokratisch. Stimmen Sie dem zu?

Nein. Die FDP hat mir zugesichert: Ich muss mich inhaltlich nicht ändern. Die Alternative für mich wäre gewesen: Zurücktreten.

Wieso die FDP? Die CVP wäre Ihnen näher.

Ich habe nichts Christliches. Mit der FDP verbindet mich mehr. Jetzt werde ich erst mal schauen, ob ich mich dort wohlfühle. Wenn nicht, trete ich ganz aus dem Grossen Rat zurück. Wenn doch, trete ich in spätestens einem Jahr der FDP bei.

Sie haben gerade einen Wahlkampf gegen die FDP hinter sich. Gibt es kein böses Blut in der FDP?

Ich habe keinen Wahlkampf gegen jemanden geführt, sondern für mich. Ich habe Baschi Dürr (FDP) und Hans-Peter Wessels (SP) im zweiten Wahlkampf gewählt.

Lorenz Nägelin aber nicht. Befürworten Sie den Schulterschluss?

Ja, ich hätte auch ein Zusammengehen von der GLP mit der SVP gut gefunden.

Haben Sie das Gefühl, der GLP etwas zu schulden?

Nein.