Basel

Martina Bernasconi will ihre zweite Politkarriere krönen

Martina Bernasconi in ihrer Denkpraxis: «Werde ich gewählt, müsste ich diese aufgeben.»Kenneth Nars

Martina Bernasconi in ihrer Denkpraxis: «Werde ich gewählt, müsste ich diese aufgeben.»Kenneth Nars

Eigentlich wollte Martina Bernasconi eine Familie und Kinder – doch dann stieg sie wieder in die Politik ein. Nun kandidiert die ehemalige Grossrätin für den Basler Regierungsrat. Wie ihre Chancen stehen, weiss sie selbst am besten.

«Wenns sein muss, kann ich auch gemein sein zu Menschen», sagt Martina Bernasconi. Schnell fügt sie an: «Aber nur zu solchen, die es auch vertragen.» Selbst muss sie sich derzeit einiges anhören.

Die 49-jährige Grünliberale Grossrätin will in den Basler Regierungsrat. Um das zu schaffen, muss sie am CVP-Favoriten Lukas Engelberger vorbei. Doch ihr fehlten das Profil und die Inhalte, wird ihr vorgeworfen – nicht nur von politischen Gegnern. «Vor kurzem meinte eine Freundin, ich müsse besser kommunizieren, was ich eigentlich will», erzählt Bernasconi. «Dabei tue ich das doch, wo immer ich kann.» Sie ist überzeugt, dass sie kritischer beäugt wird als ihr Hauptkonkurrent Engelberger. «Ihn fragt niemand nach seinem politischen Profil.»

Und schon sind wir bei einem ihrer Kernthemen: die Ungleichheit zwischen Mann und Frau. Wird Bernasconi Nachfolgerin von Gesundheitsdirektor Carlo Conti, will sie beispielsweise einen Fokus auf die Generation 80+ legen. «Das sind häufig Frauen, die erst ihre Eltern und dann ihre Männer pflegen. Um sie kümmert sich dann aber niemand.»

Die Doktorarbeit blieb liegen

Bernasconi wäre neben Eva Herzog die zweite Frau in der siebenköpfigen Basler Regierung. Dabei war ihre zweite politische Karriere gar nicht vorgesehen. Ursprünglich politisierte sie nämlich für die Frauenliste Basel und trat danach aus dem Grossen Rat zurück. «Ich hätte gerne Kinder gehabt.» Doch ihr Partner hatte schon drei. «Als klar war, dass ich keine Familie haben werde, fing ich wieder an mit der Politik», sagt sie offen und keineswegs bitter.

Überhaupt ist Bernasconis Leben geprägt von Wendungen und Neuanfängen. In Basel zur Welt gekommen, zog sie mit sieben mit den Eltern nach Bern. Sie lernte zwar schnell Berndeutsch, fühlte sich aber nie richtig zu Hause. Als sie 14 war, kam sie ins katholische Internat Beromünster. Die Sehnsucht nach Basel ist immer geblieben. «Es war klar, dass ich hier studieren wollte», sagt sie, der man die Basler Herkunft nicht anhört.

Die Philosophin strebte eine akademische Karriere an, sie lebte in Berlin und New York. Doch gefallen hat es ihr nicht; die Doktorarbeit blieb unvollendet liegen. Der Ehrgeiz aber blieb. Bernasconi kam zurück nach Basel, wo sie ihre Denkpraxis aufbaute. Diese betreibt sie heute neben der Politik und einem 40-Prozent-Unterrichtspensum an einer Berufsfachschule Gesundheit.

Wahlchance? «Gleich null»

Am 18. Mai könnte sich ihr Leben wieder ändern. Dann wird gewählt. Überhaupt ist dieser Sonntag ein wichtiges Datum in Bernasconis Kalender. Die Schweiz stimmt nämlich über den Kampfjet Gripen und Basel über das Tram Erlenmatt ab. Ersteres bekämpft die Grünliberale – letzteres unterstützt sie, beides mit Vehemenz. Ist sie also eine Linke? «Grossrätin Heidi Mück warf mir vor, ich sei neoliberal», entgegnet Bernasconi. Der Grund: Sie ist gegen den Mindestlohn, über den am 18. Mai ebenfalls abgestimmt wird.

Es wird also ein Schicksalstag. Dass Bernasconi Aussenseiterin ist, weiss sie selber. Doch sie erinnert sich: «Als ich aus New York zurück nach Basel kam, fragte man mich, ob ich für die Frauenliste kandidieren wolle. «Was sind denn die Chancen, dass ich gewählt werde?», fragte sie zurück. «Gleich null», war die Antwort. Der Rest der Geschichte ist bekannt.

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