Martina Meinicke, worüber reden wir an diesem wunderbaren Frühlingsabend?

(lacht) Über Temperatur. Da fällt mir spontan nur etwas Medizinisches ein.

Im Ernst? ...Wie kalt ist das Rheinwasser grade?

Der Fährimaa sagt 14 Grad.

Würden Sie bei diesen Wassertemperaturen schwimmen gehen?

Brrr, nein, nicht mehr. Ich war mal in der Aare bei 14 Grad Wassertemperatur und bin fast erfroren. Aber so ab 19 Grad gehe ich gerne im Rhein schwimmen.

Zu welcher Jahreszeit fühlen Sie sich am wohlsten?

Im Hochsommer, ab 30 Grad aufwärts. Je heisser und trockener, desto besser.

Dann sind Sie in Basel am falschen Ort.

Hier kann es auch sehr heiss werden.

Auswandern ist also keine Option.

«Sag niemals nie», das habe ich gelernt. Aber momentan steht das keineswegs zur Diskussion. Ich liebe diese Stadt, lebe seit 26 Jahren hier.

Wo sind Sie aufgewachsen?

In Köln, als Auslandschweizerin. Als ich fast erwachsen war, ging meine Familie retour in die Schweiz, nach Basel. Dass man hier im Rhein schwimmen kann, fand ich grossartig. In Köln ist das undenkbar.

Erzählen Sie uns von Ihrem ersten Erlebnis auf einer Basler Fähre?

Puh, keine Ahnung, wann das war. Ich mag mich noch an das Gefühl erinnern, es war wie Ferien, das ist auch noch heute so. Die «Wild Maa» nutze ich sehr oft, ich arbeite am St. Alban-Rheinweg. Und die «Vogel Gryff», weil das Rheinbord bei der Kaserne mein Lieblingsplatz zum Chillen ist.

Welches ist Ihre Lieblingsfähre?

Eine gemeine Frage (lacht). Jede hat ihren eigenen Reiz. Die eher schattige Münster-Fähre etwa hat etwas Mystisches an sich, die «Ueli» mit Pächter Remy etwas sympathisch Schräges. Die Atmosphäre lebt von den Mannen und Frauen, die da arbeiten. Diese bringen verschiedene Flairs rein.

Bald könnte eine fünfte Fähre dazu kommen, gestiftet von Novartis, zwischen Hafenkran und Campus. Würden Sie das begrüssen?

Grundsätzlich ja. Allerdings muss sichergestellt werden, dass die «Ueli» bei der Dreirosenbrücke nicht darunter leidet. Sie ist schon heute die am schwächsten frequentierte Fähre.

Seit einem halben Jahr sind Sie Präsidentin des Fähri-Vereins. Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

Dass wir mehr Mitglieder gewinnen können. Derzeit zählt der Verein knapp 4200 Mitglieder, das ist zu wenig. Wir brauchen 4000, um zu überleben, um die Fähren und Anlegestellen instand halten zu können. Ich möchte deutlich über diese Schwelle kommen.

Die bestehenden Mitglieder zu halten, dürfte nicht schwierig sein.

Wir müssen in die Zukunft blicken, brauchen dringend mehr Junge. Davon hat es im Verein viel zu wenig. Und die Bevölkerung soll einen engeren Bezug zu den Fähren bekommen.

Warum fehlt dieser Bezug? Genutzt werden die Fähren von Menschen jeden Alters.

Sehen Sie: Ich kenne niemanden, dem sie nicht gefallen. Ihr Dasein nehmen allerdings viele als selbstverständlich hin, ihnen ist nicht bewusst, dass die Fähren privatfinanziert werden durch die Vereinsbeiträge, und dass wir im Vorstand alle ehrenamtlich arbeiten. Vielen denken, der Kanton subventioniert mit.

Und dem ist nicht so. Ärgert Sie das?

Nein, im Gegenteil. So sind wir unabhängig. Aber wenn es hart auf hart kommen sollte, würden wir anklopfen. Die Fähren gehören letztendlich zum Basler Kulturgut.

Sie sind Marketingfachfrau. Wie wollen Sie die Jungen ins Boot holen? Mit der veralteten Webseite wird das schwierig... Da sind Sie nicht einmal als Präsidentin aufgeführt, sondern nur als Mitglied des Vorstands.

Ja ich weiss, peinliche Sache! Das ist unsere letzte grosse «Baustelle». Ziel ist, dass wir zur nächsten Generalversammlung im Frühling einen neuen Internetauftritt präsentieren können. Ausserdem habe ich die Aktivitäten des Vereins auf Facebook bereits stark ausgebaut. Ein Instagram-Account soll auch bald eröffnet werden.

Und in der realen Welt?

Geplant ist eine Flyeraktion, welche die verschiedenen Eventmöglichkeiten auf den Fähren aufzeigt. Etwa Geburtstage, Fondueessen, aber auch Taufen und Bestattungen. Das wurde nie explizit kommuniziert. Weitere Ideen, um die Bevölkerung mehr einzubinden, werden diskutiert. Wichtig bei all diesen Aktivitäten ist, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen, sprich der Verein, die Stiftung, die Pächter und der Fähri-Laden am Rheinsprung. Zugunsten eines harmonischen Gesamtbilds.

Der Laden hätte Ende August Eröffnung feiern sollen. Was ist passiert?

Laut Inhaberin Maria Taubic musste unvorhergesehen die alte Kanalisation saniert werden. Während der Herbstmesse und dem Weihnachtsmarkt wird sie nun vorübergehend mit einem Minimalangebot öffnen. Die definitive Eröffnung ist auf Februar/März 2018 geplant.

Sie sind in weiteren Vereinen aktiv, bei der Geographisch-Ethnologischen Gesellschaft Basel sitzen Sie zum Beispiel im Vorstand. Woher kommt dieser Drive, sich für die Stadt zu engagieren?

Weil es mir Spass macht, weil ich aktiv am Stadtleben teilhaben und es auf meine Art positiv beeinflussen möchte.

Wie bekommen Sie alles unter einen Hut? Sie sind zu 100 Prozent berufstätig und alleinerziehende Mutter.

Es klingt nach viel, ja. Aber es ist nur eine Frage des guten Zeitmanagements. Und solange mir meine Aufgaben Freude bereiten, will ich nichts daran ändern.

Zeit für Hobbys bleibt sicher nicht.

Doch, genug! Ich gehe joggen, mache Aerobic. Im Theater des Teufelhofs bin ich Dauergast. Und im Sommer war ich Bungee-jumpen. Manchmal muss man aus der eigenen Komfortzone raus. 

Apropos: Werden Sie die Herbstmesse besuchen?

Ja sicher, mit meiner 15-jährigen Tochter. Allerdings wird mir auf allem ausser auf Achterbahnen übel... Da springe ich doch lieber ins eiskalte Wasser!