Kommentar

Maskenpflicht in Läden: Streit auf einem Nebenschauplatz

Mit der Sorglosigkeit der vergangenen Sommerwochen ist es vorerst vorbei.

Mit der Sorglosigkeit der vergangenen Sommerwochen ist es vorerst vorbei.

Sie lässt die Emotionen hochgehen, die Maskenpflicht, die seit gestern in den Basler Läden gilt. Dabei ist sie gar nicht geeignet, um eine Grundsatzdebatte über die Einschränkung der Freiheitsrechte zu führen. Zehn Minuten Mund-/Nasenschutz während des Einkaufs – das darf in Zeiten wie diesen von allen Gesunden eingefordert werden.

Die Maskenpflicht in Läden ist aber auch nicht geeignet, die Fallzahlen zu bremsen. Wie auch? Unter Experten herrscht Einigkeit, dass die Ansteckungsgefahr bei flüchtigen Begegnungen wie in Läden, wo der 1,5-Meter-Abstand nur kurz unterschritten wird, minim ist. Der Basler Epidemiologe Marcel Salathé sprach, nachdem in Zürich der Streit eskaliert war, auf Twitter von einem «Nebenschauplatz».

Einen grösseren Effekt hätte eine Maskenpflicht dort, wo sich Menschen länger drinnen aufhalten: in der Schule, am Arbeitsplatz, bei Familienzusammenkünften, in Clubs und Bars. Doch solche Massnahmen würden unser Leben tatsächlich einschränken.

Wer dachte, das Virus lasse sich bei unverändertem Freizeitverhalten mit ein bisschen Masketragen im ÖV verjagen, der wurde eines Besseren belehrt. Mit der Maskenpflicht in Läden wird es dasselbe sein. Steigen die Fallzahlen weiter an, werden wir schmerzhafte Diskussionen führen müssen: neben einer erweiterten Maskenpflicht über die erneute Einschränkung sozialer Kontakte oder die Rückkehr ins Homeoffice.

Klar ist: Mit der Sorglosigkeit der vergangenen Sommerwochen ist es vorerst vorbei.

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