Die Polizei markiert Präsenz. Und das hat Folgen: Im vergangenen Jahr kam es in Basel-Stadt zu weniger Raubdelikten als in den Vorjahren, gleichzeitig stiegen die Gewaltdelikte gegen Beamte um die Hälfte an. 2016 wurden 248 Fälle angezeigt, 2017 waren es 373. Zwei Drittel der Opfer waren Polizisten, der Rest Sicherheitsleute, Gefängnisaufseher oder BVB-Mitarbeiter.

Auch bei Drogendelikten zeigt die Kurve nach oben. Besonders krass ist der Anstieg beim beschlagnahmten Marihuana: Mit gut 115 Kilo Marihuana stellte die Polizei sechs Mal so viel «Gras» sicher wie im Vorjahr. Beim Kokain war es mit 20 Kilo fast ein Drittel mehr. Bloss beim Anbau verkündet die Staatsanwaltschaft eine Abnahme. 

Die sinkende Zahl von Raubüberfallen führt Hans Ammann auf die «verstärkte Polizeipräsenz und die konsequente Verfolgung der Delikte» zurück. Der Kriminalpolizei-Chef sagt: «Wahrscheinlich hielt sich die Polizei zur richtigen Zeit am richten Ort auf.»

Dies tut sie vermehrt – was aber nicht in allen Fällen eine abschreckende Wirkung hat, sondern auch das Gegenteil auslösen kann. Die stärkere Polizeipräsenz an «Hotspots» wie etwa dem Rheinbord führe teilweise zu heiklen Situationen. Besonders an Orten, wo Alkohol und Drogen im Spiel seien, komme es zu Gewalt gegen Polizisten, sagt Hans Ammann.

Drohen, Spucken, kein Respekt

Ein Teufelskreis. Er spricht von zwei Faktoren, die vermehrt zu Gewalt führen könnten: mangelnder Respekt vor staatlicher Autorität und zunehmende Aggressionsbereitschaft. Es handle sich bei all den Delikten um «wirkliche Gewalt», nicht bloss um Diensterschwerung. Das ginge von Spucken bis zu massiven Drohungen gegen Leib und Leben. Zuerst die Polizeikontrolle, dann die Aggression gegen die Polizei – und als Nebeneffekt vielleicht noch ein Drogenfund. Das sei mit ein Grund, weshalb so viel Marihuana beschlagnahmt worden sei. Ebenfalls unter «Delikte gegen Leib und Leben» fallen die drei Tötungsdelikte im vergangenen Jahr: der Doppelmord in einer Kleinbasler Bar und der Mord an einem Obdachlosen unter der Dreirosenbrücke.

Bei den Sexualdelikten sind die Zahlen mit zwischen 250 und 300 Fällen mehr oder weniger seit Jahren gleich hoch. Nur 2016 gab es einen «Ausreisser» nach oben. Auch die Betrugsfälle bewegen sich seit Jahren im gleichen Rahmen, wobei das Vorjahr auch da eine Ausnahme bildete – mit weniger Fällen. Internetbetrügereien und «falsche Polizisten» am Telefon liessen 2017 die Zahl auf 1163 Delikte steigen.  Vor Letzteren warnt die Staatsanwaltschaft weiterhin, in den letzten Tagen hätten sich wieder über 100 Leute gemeldet, bei denen die Betrüger ihre Masche versucht hatten.

Zwei grosse Cannabis-Verfahren

Für die Zunahme um sieben Prozent bei den Drogendelikten gibt es laut Thomas Homberger, Chef Betäubungsmittel-Dezernat, nebst den Zufallstreffern bei «Hotspots» noch weitere, ähnliche Gründe. So würden in den grenzüberschreitenden Trams immer wieder Personen kontrolliert, die – oft unbewusst – Drogen für den Eigenbedarf mit sich führten. Während die Kurve beim Schmuggel steigt, sinkt sie beim Handel. Das sei kein Widerspruch, sagt Homberger: «Handel ist schwerer zu beweisen.» Als Schmuggel gelte auch eine geringe Menge an Drogen für den eigenen Konsum. Es seien ausserdem zwei grosse Verfahren gelaufen, bei denen je über 40 Kilogramm Marihuana im Spiel gewesen seien. Das mache auf die insgesamt 115 Kilo einen grossen Brocken aus.

Während bei harten Drogen wie Heroin oder Kokain vor allem albanische und nigerianische Banden am Werk seien, mischten im Cannabis-Geschäft verschiedene Akteure mit. Darunter Händler aus Westeuropa und solche aus Schwarzafrika. Das Betäubungsmittel-Dezernat lege den Fokus auf die Drahtzieher, sagt Leiter Thomas Homberger. Für die Bearbeitung der hohen Anzahl an kleinen Cannabis-Delikten reiche bei der Staatsanwaltschaft eine Person aus.