Basel
Matthyas Jenny hat genug: Er schliesst Buchhandlung und verlässt Basel

Der Autor und Buchhändler Matthyas Jenny schliesst im Herbst seine Bachletten-Buchhandlung und will sogar Basel verlassen. Wieso plötzlich dieser abrupte Bruch mit seiner Heimatstadt?

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Matthyas Jenny in seiner Buchhandlung in Basel (Archivbild).

Matthyas Jenny in seiner Buchhandlung in Basel (Archivbild).

Juri Junkov

Matthyas Jenny ist in Basel eine Institution. In Sachen Literatur kam ihm am Rheinknie niemand etwas vormachen: Wegen ihm gibt es in Basel ein Literaturhaus, er gründete das Internationale Literaturfestival in Basel (1997), das Internationale Lyrikfestival Basel (2001) und die Buchmesse BuchBasel (2003). Daneben hat er den eigenen Verlag Nachtmaschine geführt. "Nachtmaschine" deshalb, weil er als Alleinerziehender Vater nur nachts arbeiten konnte. Zudem führt er mit der Bachletten Buchhandlung die kleinste ihrer Art in Basel. Nicht zuletzt ist er auch Autor und hat kürzlich sein neuestes Buch "Die Ankunft der Nacht" publiziert.

Doch damit soll nun alles Schluss sein. Matthyas Jenny, der im Juni seinen 70. Geburtstag feiert, schliesst per Ende September die Bachletten Buchhandlung, welche er seit acht Jahren führt – seit seine Frau, die Buchhändlerin Ursula Wernle, gestorben ist. Dies berichtete das SRF Regionaljournal. «Seit dem 15. Januar ist alles anders», erklärt Jenny. Seit dem Absinken des Eurokurses kämen noch weniger Kunden, seien die Bücher noch weniger Wert. Was gibt es noch zu verdienen? «Gar nichts», sagt er, «keinen Franken mehr; es ist eine saublöde Zeit.»

Tönt man an, dass es bedauerlich sei, dass seine Buchhandlung zugehe, erwidert Jenny lakonisch: «Es gibt keine Romantik im Buchhandel.» Er sei komplett allergisch auf Sprüche in der Art, dass Bücher doch so gut röchen oder dass eine Buchhandlung ein sinnlicher Ort sei. «Das kann ich nicht mehr hören. Eine Buchhandlung ist ein ganz normales Geschäft wie jedes andere auch.»

Nur eben leider inzwischen ein Verlustgeschäft. Sogar die grösste Buchhandlung der Stadt, Thalia, schliesst ein Stockwerk. Die Buchhandlung Labyrinth hofft noch auf ein Wunder. Sollte es nicht eintreten – Gönner sind gesucht –, wird auch sie bald die Schotten dichtmachen. «Wer in dieser Branche noch behauptet, es laufe gut, sagt nicht die Wahrheit», sagt Jenny.

Doch Jenny will nicht nur seine Buchhandlung schliessen, sondern gleich auch Basel den Rücken kehren. Er wolle sicher nichts mehr in der Schweiz und schon gar nicht mehr in Basel etwas anreissen, sagt er gegenüber dem SRF. Er habe einige Ideen für zukünftige Projekte, aber noch sei keines spruchreif. «Nur Basel werde ich mit meinen Ideen sicher nicht mehr behelligen.»

Er klingt enttäuscht von seiner Heimatstadt. Immer wieder hat er in seinen letzten Interviews durchblicken lassen, dass ihm der Kultur- und Literaturbetrieb hier zu brav und langweilig geworden sei, die Szene zu verfilzt. Jetzt sagt er schlicht: «Ich habe hier mein Zeug gemacht. Es ist Zeit für Neues anderswo.» Zum Beispiel für ein Literatur-Landhaus in Italien, in dem Autoren aus Europa zu Gast sind – «aber keine Schweizer Autoren». Schon länger träumt er zudem von einer Reise nach Indonesien. Und die Lebensgeschichte seiner Familie wolle er zu Ende schreiben. (fam/spe)

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