Entstehung
«Mattys» entstand während der Industriellen Revolution in nur zehn Jahren

Das Matthäusquartier entstand für einen Stadtteil verhältnismässig schnell. Es ist eines jener Wohnviertel, das während der Industriellen Revolution für die Arbeiter gebaut wurde, die nach Basel strömten.

Muriel Mercier
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Das Matthäusquartier mit der imposanten Kirche in einer frühen Luftaufnahme.

Das Matthäusquartier mit der imposanten Kirche in einer frühen Luftaufnahme.

bz Basellandschaftliche Zeitung

Bis ins Jahr 1870 konzentrierten sich die wenigen Häuser in der Gegend des späteren Quartiers entlang der Achsen Klybeck- und Hammerstrasse. Die Klybeckstrasse führte in das kleine Fischerdorf Kleinhüningen, die Hammerstrasse in die deutsche Nachbargemeinde Weil am Rhein. Bevor man mit den Bauarbeiten des Quartiers begann, wurde die Fläche hauptsächlich als Weide- und Ackerland sowie für private Gärten genutzt.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde das Quartier ausserhalb der ehemaligen Stadtmauern erbaut - 1910 stand bereits das ganze Viertel. Konsequenz des Tempos: Viele Bauten kamen einheitlich daher, denn die Strassenzüge wurden als Gesamtensemble geplant und gebaut. Das Erscheinungsbild wurde in den 60er Jahren allerdings wieder zerstört und durch gesichtslose Neubauten ersetzt.

Die Originalgebäude zeichnen sich heute noch dadurch aus, dass es neben reinen Wohnhäusern sehr viele Bauten mit Ladenlokalen oder Restaurants gibt. Hinzu kommen zahlreiche Werkstätten, die sich oft in den Hinterhöfen befanden - und es immer noch tun.

Sehr wenig Grünflächen

Der Charakter eines Wohn- und Gewerbeviertels hat sich im Matthäusquartier also bis heute erhalten - genauso wie die dürftige Ausstattung mit Frei- und Grünflächen. Bei den Überbauungen sorgte man damals nämlich nur gerade für ein bisschen Platz rund um die Matthäuskirche sowie um die Dreirosenanlage an der Nordgrenze des Viertels. Letztere wurde allerdings vor nicht allzu langer Zeit neu gestaltet und bietet heute eine schöne Park- und Spielanlage für Kinder und Jugendliche.

Doch auch im Matthäusquartier gibt es Ecken, wo man sich gemütlich hinsetzen und einen freien Nachmittag geniessen kann. Der alleeartige Untere Rheinweg bietet eine schöne Strecke, die zum Flanieren in freier Natur einlädt. Aufgrund der privilegierten Lage ist es naheliegend, dass sich in Rheinnähe eher gehobene, entweder renovierte oder neu erstellte Wohnbauten befinden.

Viele Baustellen

Der nördliche Bereich des Matthäusquartiers ist zwischen 1994 und 2000 durch den Bau der Nordtangente stark beeinträchtigt worden. Nach Abschluss der Bauarbeiten für die unterirdische Autobahn wurde der öffentliche Raum oberhalb des Tunnels jedoch begrünt und neu gestaltet.

Sind Grünflächen eher Mangelware im «Mattys» - wie das Quartier liebevoll auf «Baseldytsch» genannt wird -, ist die Personendichte dafür immens. Mit 400 Personen pro Hektar weist das Viertel die höchste Bevölkerungsdichte der Stadt auf. Somit zählt es gar zu den am dichtesten besiedelten Gebieten der Schweiz.

Rund 16 000 Personen leben dort, 50,4 Prozent davon sind Ausländer. Unter anderen überdurchschnittlich viele Inder: 947 von insgesamt 1732 im Kanton angemeldeten Indern leben im Matthäus, aber auch im Rosental oder Clara. Ein Merkmal des Quartiers ist das grosse soziale Engagement, das viele Vereine und auch Private anbieten.

Speziell in Sachen Integration wird viel unternommen. Unter anderen gibt es an der Klybeckstrasse 95 das Kultur- und Begegnungszentrum Union, wo Feste gefeiert und Tänze aus aller Welt geprobt werden oder sich jedermann einfach nur austauschen kann.

Das «Mattys» ist mit dem Bläsi (Bläsi-Anlage, Matthäuskirche), dem Dreirosen (Dreirosenanlage, Breisacherstrasse), Flora (Erasmusplatz, Unterer Rheinweg) und der Haltingerstrasse (Klybeckstrasse, Riehenring) in vier Wohnbezirke unterteilt.