Seit 2008 lebt Claus Theo Gärtner mit seiner Schweizer Ehefrau Sarah Gärtner neben Berlin zum grossen Teil in Basel im St. Johann. Im Rhein zu schwimmen aber hat er bisher noch nicht geschafft. «Da müsste er schon 25 Grad haben», outet sich der Draufgänger, der in seinem Schauspielerleben als Privatdetektiv Matula unzählige Stunts selber gemacht hat, zumindest in diesem Punkt als zart besaitet.

Nun legt Gärtner in Zusammenarbeit mit seiner Frau, Autorin, Verfasserin von Drehbüchern und Theaterstücken, seine Autobiographie vor. Der Titel «Matula, hau mich raus» verweist auf den Song einer ehemaligen Hamburger Punkband. Für Gärtner hat er eine doppelte Bedeutung. «Matula hat mir 30 Jahre Arbeit und ein gutes Auskommen verschafft – arbeitslos war ich nie.» Ausserdem verweist er auf die Filmgestalt, den Haudegen, der mit nicht immer orthodoxen Methoden die Klienten des Anwalts, seines Partners in der Serie, aus der Bredouille rettet.

Superpunk - Matula hau mich raus

Superpunk - Matula hau mich raus

Bäcker grüsste Frau Matula

300 Folgen hat Gärtner von der populären Fernsehserie «Ein Fall für zwei» gedreht und damit Matula sein unverwechselbares Gesicht gegeben. Das ging soweit, dass seine Frau beim Bäcker in Basel als Frau Matula angesprochen wurde. Das sei schon lange nicht mehr passiert, erzählt sie beim Treffen mit der bz in der Bar des Hotels Trois Rois, zu dem sie Gärtner begleitet hat. Ihrem Mann schon. Der mutierte in einer renommierten deutschen Talkshow flugs erneut zum Herrn Matula.

Im März 2013 war Schluss mit Matula. «30 Jahre sind genug», fand der Schauspieler damals, aber so ganz konnte er es dann doch nicht lassen. Im Februar 2016 drehte er vier Wochen lang vor allem auf der Insel Föhr und im Wattenmeer bei Bremerhaven einen abendfüllenden Film von 90 Minuten. Matula, mittlerweile ein abgehalfterter Kaufhausdetektiv, führt ein willkommener Auftrag in den Norden. Er schafft so den Weg zurück ins Fernsehen. Ausstrahlen will das ZDF den Film am Karfreitagabend.

Harte Dreharbeiten

Die Dreharbeiten waren happig. «Ich musste bei minus 12 Grad ohne Handschuhe mit einem Hund an der einen Hand und einem Handy an der anderen auf einem klapprigen Fahrrad mit zwei Achten fahren», erinnert sich Gärtner. «Was haben wir gefroren. Das war eine meiner härtesten Drehzeiten.»

Ab Ende April dreht Gärtner den zweiten 90-minütigen Matula-Film. Diesmal geht es in die Alpen und er hofft, dass es dort wärmer als an der Nordsee wird. Der Plot: Matula ist mit seinem Wohnmobil auf dem Weg nach Italien. «Er hat eine Panne und wird in eine brutale, kriminelle Geschichte verwickelt. Für einmal ist Matula selber in der Bredouille», erzählt Gärtner, ehe ihn seine Frau daran hindert, mehr von der Geschichte preiszugeben.

2014 stand der Schauspieler im Pfyfferli auf der Bühne und spielte sich selbst als Deutschen an der Fasnacht. Weitere Auftritte sind in Basel vorerst nicht geplant. Generell gefalle es ihm «ausgesprochen gut» hier. Probleme als Deutscher habe er bisher nicht gehabt. «Vielleicht ist es für mich auch ein bisschen leichter», meint er, bevor ihm doch eine Situation in den Sinn kommt: «Einmal hat sich eine Dame beschwert, als ich mein Auto abstellen wollte. Das sei dort mit dem Berliner Kennzeichen nicht erlaubt.»

Superpunk - Matula hau mich raus, dieses Mal mit etwas verständlicherem Text

Superpunk - Matula hau mich raus, dieses Mal mit etwas verständlicherem Text

Nicht so begeistert ist er von der Basler «Autofeindlichkeit», outet sich aber im nächsten Satz als Fan von Bus und Tram. «Man kann in Basel leicht auf das Auto verzichten.» Zum Treffpunkt ist das Ehepaar zu Fuss vom St. Johann gekommen, schön seien die kurzen Wege in der Stadt.

Nicht nur in Basel, wo die Leute angenehm zurückhaltend seien, wird Gärtner erkannt. Kein Wunder. «Ein Fall für zwei» läuft als Wiederholung in 72 Ländern», sagt er. Während der Synchronsprecher im Elsass eine tiefe Stimme wie Gärtner selbst hat, ist sie in Italien hoch.

In nächster Zeit stehen neben dem Dreh in den Alpen eine kleine Lesereise als Werbung für das Buch, Auftritte im Berliner Schlosspark Theater und ein Besuch bei Aeschbacher an. Gegenüber früher ist das wenig und Gärtner betont: «Es gibt ein Leben vor dem Tod.» 74 wird er im April – dennoch: Als gelangweilten Pensionär kann man ihn sich nicht vorstellen.