Hotellerie

Maximalpreis an Baselworld: Stichprobe zeigt, Hotel-Zimmerpreise sind doch nicht alle fair

Ein solches Doppelzimmer im Hotel Nomad wurde am Freitag für den Baselworld-Eröffnungstag für 840 Franken pro Nacht angeboten.

Ein solches Doppelzimmer im Hotel Nomad wurde am Freitag für den Baselworld-Eröffnungstag für 840 Franken pro Nacht angeboten.

Es war eine kleine Revolution, als sich vergangenen Herbst 26 Hotels verpflichteten, sich während der Baselworld an Maximalpreise zu halten. Nun zeigt sich, dass sich nicht alle daran halten.

26 Hotels haben sich vergangenen Herbst zusammengeschlossen und Maximalpreise während der Baselworld beschlossen. Ein Doppelzimmer in einem 4-Sterne-Hotel soll pro Nacht, inklusive Frühstück, höchstens 650 Franken kosten. Zudem soll Schluss sein mit Verpflichtungen, die Zimmer mehrere Nächte oder über die ganze Messedauer buchen zu müssen.

Initiiert wurde das Abkommen von Franz-Xaver Leonhardt, CEO der Krafft-Gruppe. Wie er im Oktober 2018 gegenüber der «NZZ» festhielt, sei es ihm innerhalb von wenigen Wochen gelungen, 17 Hotels dazu zu bringen, sich an einen gemeinsamen Preisrahmen zu halten und auf eine Mindestaufenthaltsdauer zu verzichten. Später stiessen weitere dazu, sodass die Baselworld-Verantwortlichen Ende Oktober verkünden konnten, dass rund zwei Drittel der Hotelbetten zu transparenten Preisen angeboten werden.

Erste Hinweise darauf, dass sich möglicherweise nicht alle Unterzeichner auch tatsächlich an die Abmachung halten, gab es bereits im Dezember. Das Branchenmagazin «Watch Pro» berichtete davon, dass das «Hotel du Commerce» weiterhin zu hohe Preise und einen Minimalaufenthalt von sieben Tagen verlange.

Am Freitag hat die bz stichprobenartig überprüft, ob auch andere Hotels gegen die Auflagen verstossen. Dabei zeigte sich, dass ausgerechnet zwei zur Krafft-Gruppe gehörenden Hotels entweder zu teure oder Zimmer mit einer Mindestaufenthaltsdauer anboten.

Konkret handelte es sich um ein Doppelzimmer im 4-Sterne-Hotel Nomad, das für 840 Franken statt der für diese Kategorie als Maximalpreis festgelegten 650 Franken angeboten wurde. Und im Hotel Krafft – ebenfalls ein 4-Sterne-Haus – wurde für den Eröffnungstag angegeben, dass ein Mindestaufenthalt von drei Nächten nötig sei.

Leonhardt sagt, dass es sich beim «Krafft» um einen Einzelfall und um einen «unverzeihlichen, technischen Fehler» handle, der nicht hätte vorkommen dürfen. «Wir haben keines unserer Zimmer mit einer Minimalaufenthaltsdauer verkauft. Wieso genau dieses Angebot am Freitag so aufgeschaltet war, müssen wir abklären. Die Minimalaufenthaltsdauer abzuschaffen, war einer der wichtigsten Punkte unserer Fair-Preis-Offensive. Damit wurde in den Boom-Jahren der Baselworld viel Goodwill verspielt, weil einige Anbieter ihre Zimmer nur für den ganzen Messezeitraum von zehn Tagen angeboten haben, selbst wenn die Firmen ihre Einkäufer nur wenige Tage nach Basel schickten.»

Der etwas höhere Preis im «Nomad» hingegen sei kein Verstoss, weil es sich nicht um ein Standard-Doppelzimmer handle. «Entscheidend ist doch, dass wir den Ausstellern, die ihre Zimmer ein halbes Jahr im Voraus buchen, verlässliche Preise bieten. Dass ein einzelnes Zimmer einer höheren Kategorie, wenige Tage vor der Messe, zu leicht teureren Preisen angeboten wird, ist unternehmerische Freiheit», sagt Leonhardt.

Baselworld zeigt Verständnis

Messeleiter Michel Loris-Melikoff lässt via Pressestelle ausrichten, dass das Hospitality-Programm von Ausstellern und Besuchern generell begrüsst werde. Dass das Nomad-Zimmer teurer sei, sei zulässig, weil es sich um ein Premiumzimmer handle. Und beim Krafft handle es sich um einen Fehler in der Programmierung der Website, der sofort behoben wurde.

Möglicherweise ist die Fair-Preis-Politik der Hoteliers auch nur eine Anpassung an die Realitäten – denn von Vollauslastung ist die Stadt selbst während der Eröffnungstage weit entfernt.

Gemäss Buchungsplattform «booking.com» waren am Freitag noch 24 Prozent der angebotenen Unterkünfte für den Eröffnungstag verfügbar. Und auf Airbnb waren für denselben Tag sogar erst 37 Prozent aller in Basel verfügbaren Privatunterkünfte belegt.

Wer wenig Geld ausgeben will, findet in Gehdistanz vom Messeplatz ein privat vermietetes Doppelzimmer für 51 Franken pro Nacht. Und das ganz ohne Fair-Preis-Abkommen, sondern einzig Kraft des freien Marktes.

Die Baselworld beginnt am 21 März und dauert sechs Tage.

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