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MCH Group-Strategie auf dem Prüfstand

Ein Grossaktionär fordert mehr Kompetenz und weniger Politik im Verwaltungsrat der MCH Group.

Ein Grossaktionär fordert mehr Kompetenz und weniger Politik im Verwaltungsrat der MCH Group.

Ein Fondsverwalter setzt mit privatem Geld eine ausserordentliche Generalversammlung durch.

Ewald Lee ist ein Vermögensverwalter, der seit Jahren auf kleinere und mittelgrosse Firmen setzt. Als Aktionär der MCH Group hatte das von ihm verwaltete Fondsvermögen in den vergangenen Jahren deutlich an Wert gewonnen, nun ist es nicht zuletzt aufgrund der Krise des Messekonzerns geschmolzen.

Bereits als der Konzern vor zwei Monaten seine neue Strategie kommuniziert hatte, die einen Verkauf der amerikanischen Marketing-Tochterfirma MC2 vorsieht, kündete Lee Widerstand an. Nun hat er mit der nötigen Stimmkraft von 10,55 Prozent der Aktien die Einberufung einer ausserordentlichen Generalversammlung gefordert. Um auf dieses Quorum zu kommen, warf er nicht nur die Anteile seines AMG-Fonds, sondern auch noch MCH-Aktien aus seinem Privatbesitz in die Waagschale.

Lee fordert zweierlei, wie er auf Anfrage erzählt. Zum einen sollen mit einer Sonderprüfung der Strategieprozess untersucht und die Unternehmensentscheide der vergangenen Monate unter die Lupe genommen werden. Zum anderen verlangt er eine Statutenrevision in zwei entscheidenden Punkten. Einerseits sollte der Verwaltungsrat nicht mehr mehrheitlich durch staatliche Delegierte bestückt werden. Andererseits soll die Stimmrechtsbeschränkung von fünf Prozent aufgehoben werden. Von beiden Massnahmen verspricht sich Lee ein stärkeres unternehmerisches Handeln der MCH Group. Diese gehört heute zu 49 Prozent der öffentlichen Hand, wobei Basel-Stadt der grösste Einzelaktionär ist.

Lees Aktivitäten sind bisher nicht mit dem neuen russischen Aktionär Sergey Skaterschikov abgestimmt. Wie diese Zeitung gestern berichtete, hat es dieser vor allem auf die Art Basel abgesehen. Lee sagt, dass sich die Interessen durchaus abgleichen liessen. Wenn Skaterschikov die Kunstmesse kaufen oder sich an ihr beteiligen wolle, sei er dieser Idee nicht abgeneigt. Zwar gelte, dass das beste Pferd im Stall nicht verkauft werden soll. Allerdings sei dies eine Option, wenn jemand bereit sei, dieses zu überzahlen.

Die MCH Group prüft nun das weitere Vorgehen. Voraussichtlich wird sie auf Januar zu einer ausserordentlichen Generalversammlung laden – und dort die Anträge ablehnen.

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Autor

Christian Mensch

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