In der Schweiz leben fast 1,5 Millionen Katzen und ungefähr eine halbe Million Hunde. Unsere Haustiere sind Spielgefährten, Trainingspartner, Kinderersatz und viel mehr. Die Vierbeiner unterhalten, trösten und begleiten den Menschen schon seit langem, auch wenn die Beziehungen früher meist zweckmässiger Natur waren. Hunde bewachten Haus und Hof, Katzen schafften dem Hausbesitzer unliebsame Ratten und Mäuse vom Hals. Heute sind Haustiere meist Familienmitglieder, wir hegen und pflegen, züchten und prämieren.

Doch Tiere können viel mehr als nur unterhaltsam und präsentabel sein. Sie können uns Menschen dabei helfen, gesundheitliche Probleme zu überwinden. Das wird mittlerweile von Medizinern und Forschern weithin anerkannt. Es gibt unzählige Studien, die die positive Wirkung von Therapien mit Tieren nachweisen. So kann der Kontakt mit Tieren beispielsweise den Blutdruck senken, Lernprozesse fördern oder Ängste reduzieren. Ebenso geht man davon aus, dass der Einbezug von Tieren die Therapiemotivation der Patienten steigert. Immer mehr Kliniken, Schulen und Pflegeheime setzen deshalb auf tiergestützte Therapien.

So auch die Klinik Rehab Basel. Seit 2013 steht auf dem Gelände der Rehabilitationsklinik der Therapie-Tiergarten. Die Klinik ist spezialisiert auf Menschen mit Hirnverletzungen oder Querschnittlähmungen, die nach ihrem Unfall oder ihrer Krankheit zurück ins Leben finden wollen. Dabei können Tiere wie Huhn Blacky, Minischwein Frederick und Ziege Elli eine wichtige Rolle spielen.

Tiere werden intensiv trainiert

Auf dem Gelände der Rehab wohnen Pferde, Esel, Schafe, Ziegen, Kaninchen, Meerschweinchen, Hunde, Katzen und Hühner. Viele der 48 Tiere sind schon von klein auf im Tiergarten zu Hause. «Man wählt diejenigen Tiere aus, die an der Arbeit Spass haben und nicht menschenscheu sind», erklärt Karin Hediger, die als Psychotherapeutin am Rehab arbeitet.

Damit die Tiere für ihre Arbeit in der Therapie gut vorbereitet sind, werden sie von den fünf Tierpflegern der Anlage mehrmals wöchentlich trainiert. «Jedes der Tiere hat andere Voraussetzungen, deshalb arbeiten wir immer einzeln mit ihnen», erklärt Pflegerin Lorena Wegmüller. Wie zum Beispiel im Hundetraining arbeiten sie auch bei den Hühnern, Schweinen und Ziegen mit einem Klicker, der positives Verhalten bestärkt. So hat Huhn Blacky gelernt, Formen und Farben zu unterscheiden. «Hühner werden generell unterschätzt», sagt Karin Hediger. «Sie sind sehr clever und haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten».

Alltägliches neu lernen

Die Tier-Therapie steht in der Klinik allen Patienten offen. Sie eignet sich besonders für Patienten mit Wahrnehmungs-, Bewegungs- und Sprachproblemen. «Die Tiere können dabei helfen, die Koordination der Hände wieder zu erlernen und sich einfache Handlungsabläufe einzuprägen», erklärt Hediger. Helfen die Patienten bei der Fütterung und Pflege der Tiere, etablieren sie auch eine Alltagsstruktur, was für die Rehabilitation der Patienten sehr wichtig ist. «Das Tolle an der tiergestützten Therapie ist, dass sie nie genau nach Plan abläuft. Diese lockere Atmosphäre und Spontanität ist für die Patienten sehr hilfreich», erklärt die Therapeutin.

Karin Hediger arbeitet nicht nur als Therapeutin am Rehab. In einer aktuellen Studie will sie herausfinden, wie genau die tiergestützte Therapie sich positiv auf Menschen mit Hirnverletzungen auswirkt. «Dabei achten wir besonders auf das Sozialverhalten der Patienten», erklärt sie. Gleichzeitig werden aber auch Blutdruck und Herzrate gemessen. «Im Moment passiert in diesem Forschungsbereich ziemlich viel», sagt Karin Hediger.

Forschung und Praxis vereinen

Um Forschungsfragen wie diejenige von Karin Hediger drehte sich die dritte Schweizer Tagung zur Mensch-Tier-Beziehung, die am Samstag auf dem Gelände der Rehab Basel stattgefunden hat. Das Institut für interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung IEMT organisiert diesen Anlass, um die Praxis und die Wissenschaft zusammenzubringen und neuste Erkenntnisse zu diskutieren. «Das Interesse an der Thematik war so gross, dass wir nicht alle Anmeldungen berücksichtigen konnten», so Hediger, die die Organisation präsidiert. Diese grosse Beliebtheit lässt vermuten, dass Tiere wie Blacky und Frederick auch in Zukunft gefragte Helfer in der Pflege und in der Therapie sein werden.