Statistik

Mehr Ausgaben, mehr Kultur? Das neue Basler Kulturleitbild soll dem Kanton ans Portemonnaie

Die Kulturkosten des Kanton Basel-Stadt steigen an.

Die Kulturkosten des Kanton Basel-Stadt steigen an.

Der Entwurf für das neue Basler Kulturleitbild ist ein Argumentarium für höhere Kulturausgaben.

Kultur ist in Basel-Stadt ein Wachstumsmarkt. Gemäss Budget steigen die Kulturleistungen staatlich finanzierter Institutionen im laufenden Jahr um 4,7 Prozent auf 156,26 Millionen Franken. Darin enthalten sind weder Investitionen noch Abschreibungen. Weitere Bedürfnisse sind angemeldet.

Der Entwurf für ein aufgefrischtes Kulturleitbild, das vom Präsidialdepartement in die Vernehmlassung gegeben worden ist, bereitet politisch das Feld vor, um die Kulturausgaben in den kommenden Jahren weiter anheben zu können. Die Hauptbotschaft: Die staatlichen Kulturausgaben seien seit Jahren unverändert. 2012 hätten sie 5,03 Prozent des Betriebsergebnisses des Kantons ausgemacht; 2019 würden sie gemäss Budgetierung sogar nur 4,89 Prozent betragen. Die Ausgaben seien im Vergleich auch eher bescheiden: Die zehn grössten Städte der Schweiz investierten im Schnitt sieben Prozent ihres Etats in Kultur.

Basler geben am meisten für Kultur aus

Die Darstellung kontrastiert mit der Statistik des Bundesamts für Kultur, wonach Basel-Stadt für Kultur pro Kopf der Bevölkerung mit Abstand am meisten Geld ausgibt. 2015 lag der Betrag in Basel bei 1258 Franken; Genf kommt mit 838 Franken auf den zweiten Rang. Das Präsidialdepartement argumentiert, diese Statistik spiegle die spezielle Zentrumsfunktion von Basel-Stadt nicht korrekt wider. Denn hier bestehe das Kulturpublikum nur zu 36,6 Prozent aus Stadtbasler Einwohnern. Die Relativierungen beleuchten Basel je nach Opportunität einmal als Stadt und einmal als Kanton. Ihnen gegenüber stehen die absoluten Zahlen. Demnach ist der Aufwand der Abteilung Kultur seit 2012 bis und mit Budget 2019 um 14 Prozent angewachsen.

Rund 138 Millionen Franken wendet der Kanton aktuell für kulturelle Betriebskosten auf. Knapp vier Millionen davon verbleiben bei der steuernden Abteilung Kultur.
Die Kulturinstitutionen haben im laufenden Jahr zusätzliche 18,8 Millionen Franken zur Verfügung; Geld, das sie selbst erwirtschaften oder als Drittmittel einwerben. Damit diese Rechnung aufgeht, müssen vor allem die Museen allerdings einen bemerkenswerten Ertragssprung bewerkstelligen.

2019 sollen die Erträge um 4,8 Millionen Franken wachsen

Das Präsidialdepartement führt an, die Museen hätten bereits in den vergangenen sechs Jahren die Erträge um 28 Prozent gesteigert. Im laufenden Jahr sollten sie jedoch einen Sprung um 4,8 Millionen Franken schaffen und damit die Erträge gegenüber Vorjahr um ein Drittel erhöhen.

Sportlich ist das aktuelle Budget des Kunstmuseums: Das Haus sollte seine Erträge gegenüber dem Vorjahr um knapp 40 Prozent auf 11,4 Millionen Franken steigern. Das Ziel sind höhere Sponsoringbeiträge und zusätzliche Shop-Erträge. Auf die Frage nach dem Zwischenstand nach neun Monaten erklärt die Medienstelle: «Aktuell liegen wir insgesamt leicht über Vorjahr.» Das Vorjahr schloss gegenüber Budget jedoch mit 1,5 Millionen Franken tieferen Einnahmen ab.

Auch das Historische Museum steht vor einer Mammutaufgabe, sollten die Erträge doch um 75 Prozent auf rekordhohe 2,3 Millionen Franken steigen. Das Museum erklärt, «dass für die drei grossen Ausstellungen im laufenden Jahr, grosse Beiträge an Fremdmitteln zu generieren sind». Zu den Erfolgsaussichten äussert sich das Museum auf Anfrage nicht.

Das Antikenmuseum hat im vergangenen Jahr das Budgetziel von 2,2 Millionen Franken klar unterschritten und nur gerade gut eine Million Franken eingeworben. 2019 ist mit 2,1 Millionen Franken erneut ein ambitioniertes Ertragsziel formuliert. Museumsdirektor Andrea Bignasca erklärt: «Das Antikenmuseum ist zurzeit auf Budget-Kurs.»

Was sich in der Statistik des Bundesamts für Kultur auch nachlesen lässt: Der Anteil der Kulturmittel, die in Museen gebunden sind, liegt im Schnitt bei zwanzig Prozent, in Basel ist der Anteil doppelt so hoch. Tendenz zunehmend. Wird das Naturhistorische Museum am neuen Standort den Betrieb aufnehmen, werden dort die Kosten steigen. Die Strukturanalyse des Historischen Museums legt ebenfalls eine Aufstockung der Mittel nahe.

Doch dies sollte ja kein Problem sein. Schliesslich sind die Kulturausgaben schon in der Vergangenheit nicht angestiegen und im gesamtschweizerischen Städtevergleich bescheiden.

Autor

Christian Mensch

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