Street-Art

Mehr (begrenzter) Freiraum für Sprayer in Basel

Die Schwarzwaldbrücke wird in Zukunft etwas Bunter erscheinen. (Symbolbild)

Die Schwarzwaldbrücke wird in Zukunft etwas Bunter erscheinen. (Symbolbild)

Kunst Ja – Schmierereien Nein. Street-Art-Künstler dürfen die Basler Schwarzwaldbrücke legal mit Graffitis besprayen.

Die Graffiti-Szene bekommt einen legalen öffentlichen Raum für ihre Kunst. Entlang der Schwarzwaldbrücke bemalen künftig ausgewählte Künstlerinnen und Künstler die Wand des Fussgängerstegs zum Thema «Wasser». Am kommenden Montag beginnen die Vorbereitungen für das Projekt, meldet das Basler Tiefbauamt. «Ich hatte die Vision einer lebendigen Kunststadt», sagt Patricia Stalder, Organisatorin des Kunstprojekts. Für die Auswahl der Künstlerinnen und Künstler war ihr eine genügend grosse Vertretung von Frauen sehr wichtig und auch «dass verschiedene Graffiti-Stile vertreten sind und weniger bekannte Kunstschaffende einen Platz für ihre Arbeit bekommen», sagt Stalder.

«Die Innenstadt ist aber heilig»

Das Kunstprojekt von Patricia Stalder ist voraussichtlich Ende September 2020 für die Öffentlichkeit sichtbar. Das Projekt belebt nicht nur die Stadt, sondern auch die Diskussion über die Nutzung des öffentlichen Raums. Wer kann über die Gestaltung des von allen Menschen zugänglichen Raums mitbestimmen? Und wie viel sollte Mensch eigentlich mitbestimmen können? Tarek Abu Hageb, ein langjähriger und erfahrener Graffiti-Künstler in Basel, kämpft schon seit dreissig Jahren für mehr Mitbestimmungsrecht und Freiräume, in denen die Kunst der Strasse freier gelebt werden kann. «Man hat nicht einfach die Ressourcen für eine grosse Leinwand wie ein VW-Bus. Wir brauchen Orte, an denen unsere Kunst gelebt werden kann», sagt er.

Mit Unsicherheit habe die Stadt auf solche Forderungen reagiert: «Kunst ja, Schmiererei nein» laute die Grundhaltung, so Abu Hageb. «Der öffentliche Raum ist so voll mit Werbung, da haben andere doch auch ein Mitspracherecht.» Langsam würde die Stadt sich aber mehr für die Kunst der Strasse öffnen, meint er.

Das sieht Dominik Egli, Leiter der Stadtreinigung des Tiefbauamts Basel-Stadt, genauso. «Die Innenstadt ist aber heilig. Die muss einfach sauber sein.» Anfang dieses Jahres habe man sich mit der Regierung geeinigt, den öffentlichen Raum für mehr Graffiti-Kunst zu öffnen. Die Stadtreinigung Basel würde nach bestimmten Kriterien entscheiden, welches Graffiti-Bild nicht übermalt, sondern stehen gelassen werde. «Es muss zu einer Verschönerung der Stadt führen», meint Egli. Die Bewertung der Graffiti werde von der öffentlichen Meinung definiert, die «Tags» nicht schön und gewisse Bilder halt schön finde, so Egli. «Aber es gibt ja auch keine gesetzliche Bestimmung, die den Schönheitsbegriff grundsätzlich verankert.»

Schlussendlich geht es um das Geld

Darum werde die Entscheidung, was genug zur Verschönerung beitrage und was nicht, den Instanzen nach entschieden. Regierungsrat Hans-Peter Wessels sei dann die höchste Instanz. Schlussendlich gehe es um wirtschaftliche Vorteile: «Bei einem schönen Bild muss weniger geputzt werden», sagt Egli. Die Stadt würde der Graffiti-Kunst schon entgegenkommen, so Abu Hageb, «aber ein begrenzter Freiraum ist auch ein Widerspruch in sich».

Aufgrund dieses Widerspruchs würden sich gewisse Graffiti-Kunstschaffende auch nicht für solche Freiräume interessieren. Dies sei auch berechtigt, meint er, denn: «Es geht um die ästhetische Erziehung und um zu sagen: Unsere Kunst hat ein allgemeines Recht auf Platz». Es sei ein Hinwegsetzen über Instanzen. Über solche Instanzen beispielsweise, die bestimmen können, welche Kunst bleiben kann und welche nicht.

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