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Mehr Besucher dringend nötig: Antikenmuseum wird Frischekur unterzogen

Bis 2016 – dann feiert das Antikenmuseum sein 50-Jahr-Jubiläum – möchte Direktor Andrea Bignasca alle Objekte neu ausstellen.

Bis 2016 – dann feiert das Antikenmuseum sein 50-Jahr-Jubiläum – möchte Direktor Andrea Bignasca alle Objekte neu ausstellen.

Andrea Bignasca, der neue Direktor des Basler Antikenmuseums, möchte zeitgemässe Ausstellungen inszenieren, da mehr Besucher dringend nötig sind. Die Anzahl Besucher sinkt seit 10 Jahren stetig. Dafür soll der gesamte Bestand erneuert werden.

Einen spektakulären Fund machten Schwammtaucher vor etwa 100 Jahren: Vor der griechischen Insel Antikythera entdeckten sie ein Schiffswrack voller antiker Münzen, Amphoren und Kunstwerken.

Das Schiff dürfte zwischen 70 und 60 v. Chr. gesunken sein. Geborgen wurde darin auch das erste Uhrwerk der Antike, der «Mechanismus von Antikythera». Bis dahin hatte man nicht geahnt, dass die alten Griechen überhaupt in der Lage waren, ein derart technisch komplexes Gerät herzustellen.

Ein versunkenes Schiff, das noch viele Geheimnisse birgt: ein Ausstellungstraum für Antikenmuseen weltweit.

Doch Basels neuer Antikenmuseumsdirektor Andrea Bignasca war der Erste, der um dieser Schätze Willen in Athen anklopfte. Er hatte, wie er selbst erzählt, bereits die Zusage, dass Basel 2014 die geplante Wanderausstellung als allererste einer Reihe von Städten weltweit zeigen dürfe – als eine Woche darauf der griechische Kulturminister ausgewechselt wurde.

Nun ist die Poleposition nicht mehr gesichert. Aber Bignasca setzt alles daran, sie zu behalten.

«Wir stellen alles auf den Kopf»

Das Antikenmuseum Basel und die Sammlung Ludwig – wie es korrekt heisst – wird vom Archäologischen Nationalmuseum in Athen sehr geschätzt. Sein seit Anfang Jahr neuer Direktor ebenfalls: Andrea Bignasca, promovierter Archäologe (summa cum laude), hat in den 90er-Jahren unter anderem viel in Athen geforscht und pflegt gute Beziehungen zu seinen dortigen Berufskollegen.

Und was hier wie dort helfen kann: Bignasca ist charmant, elegant und von ausgesuchter Freundlichkeit. Sollte er es schaffen, die Schiffsschätze hierher zu bringen, könnte ihm ein Coup gelingen, ähnlich wie seinem Vorgänger Peter Blome zuletzt 2004 mit Tutanchamun.

Das Antikenmuseum könnte mehr Besucherinnen und Besucher dringend brauchen. Seit 10 Jahren ist ihre Zahl am Sinken. Das dürfte auch an der veralteten Präsentation der Objekte liegen. Büsten, Vasen, Bruchstücke auf Sockeln, schön beleuchtet, kurz und trocken angeschrieben. Das reichte früher.

Heute will das Publikum aktuelle und andere Zusammenhänge erkennen, will die Geschichte dieser Gegenstände erfahren. Bignasca weiss das und arbeitet daran.

Wenn das Museum 2016 so alt sein wird, wie Bignasca bei seinem Amtsantritt noch war – 50-jährig – soll der gesamte Bestand komplett neu zusammen- und ausgestellt sein. Die alten Ägypter und die Griechen – «wir stellen alles ein bisschen auf den Kopf», sagt er mit seinem sympathischen Tessiner Akzent.

«Wann ist man ein Mann?»

Andrea Bignasca will auch weg von der Panorama-Ausstellung (die Thraker, die Römer etc.) hin zu solchen, die auf Aktuelles Bezug nehmen. «Wieso wenden Menschen immer wieder Gewalt an, wieso wird getötet? Wieso betrügen wir? Wieso profitieren viele unrechtmässig, sobald sie eine Vormachtstellung innehaben?»

Solche assoziativen Fragen, die zum Nachdenken anregen, möchte Bignasca mithilfe der antiken Objekte stellen. Im griechischen Theater seien damals im Kleid der Mythologie aktuelle Themen besprochen worden. «Ein Museum sollte heute dasselbe tun», sagt er.

Wie und dass es möglich ist, im Antikenmuseum moderne Probleme zu besprechen, hat Bignasca schon als Vizedirektor mit kleineren Ausstellungen bewiesen: «Hermes statt SMS: Kommunikation in der Antike», hiess eine im 2010, «Sex, Drugs und Leierspiel» jene im Jahr darauf. Und ab 6. September fragt das Antikenmuseum: «Wann ist man ein Mann?»

Herbert Grönemeyer und, beispielsweise, die Hipsters mögen das heute anders sehen. Aber allen alten Griechen war klar: Ein richtiger Mann muss stark und sportlich sein. Darum ergänzt die Skulpturhalle an der Mittleren Strasse das Antikenmuseum mit Sportlerdarstellungen.

Bignasca schwärmt vom dazugehörigen Partner-Museum, er möchte es in Zukunft «viel mehr nutzen für grössere Ausstellungen». Die Skulpturhalle beherbergt zwar keine Originale, habe aber «als einziges Museum sämtliche Eins-zu-eins-Kopien der berühmtesten Skulpturen beisammen». Nur in Basel könne man etwa die Parthenon-Skulpturen als Einheit betrachten.

Bignasca treibt selber gern täglich Sport. Er liebt auch die bildende Kunst, die Literatur und das Theater. Seit 1981 lebt der Tessiner in Basel – mit Unterbrüchen. Er ist verheiratet und hat zwei Buben.

Offen spricht der vielseitig Interessierte von der «wunderbaren Angebotsfülle» in Basel, auf die sich aber auch die Besucher verteilten. Rund zehn Museen, die Ausstellungen von internationaler Qualität böten, dazu unzählige kleinere, «fast gleichwertige» Angebote – etwas viel für Basel, das nun mal nicht Paris sei.

Statt dass jeder den anderen mit noch mehr Ausstellungen zu überbieten trachtete, fände es Bignasca sinnvoller, weniger, dafür besonders hochkarätige Ausstellungen auf die Beine zu stellen. Vielleicht schafft er es mit seiner «mediterranen Art», wie Regierungspräsident Guy Morin es mal nannte, seine Kollegen auch davon zu überzeugen.

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